Zeitfahren Hamburg-Berlin mal anders

Letztes Wochenende war es wieder so weit: Das Zeitfahren Hamburg-Berlin als Jahresabschluss. Auch bei dieser schönen Veranstaltung stand bis zum Schluss die Frage im Raum: Wird es trotz Corona wirklich stattfinden? Coronabedingt waren für dieses Jahr nur 200 Starter, statt der sonst üblichen 300 Starter zugelassen. Auch die Verpflegung, besonders im Ziel würde nur sehr eingeschränkt zu Verfügung stehen. Kein Bier und keine Suppe im Wassersportheim Gatow. Dabei war das doch immer mit das Schönste bei HH-B.

Dieses Jahr wollte ich gemeinsam im Team mit meinem Arbeitskollegen Karl, und 2 Kollegen vom PSV, Tim und Marcus, die Strecke in Angriff nehmen.

In der Woche vor dem Start wurden erst einzelne Berliner Bezirke und kurz darauf ganz Berlin zum Corona-Risikogebiet erklärt. Einige Bundesländer verhängten ein „Beherbergungsverbot“ für Gäste aus Risikogebieten. Tatsächlich rief unser gebuchtes Hotel auch am Freitag an, und teilte mit, dass sie keine Gäste aus Berlin aufnehmen dürfen. Jetzt mussten wir spontan sein und Alternativen überlegen. Wir einigten uns darauf, mit dem gebuchten ICE nach Hamburg HBF zu fahren, dort Abendbrot zu essen, und dann direkt die Fahrt nach Berlin anzutreten. Ohne das ganze offizielle HH-B-Drumherum aber mit Abenteuerfaktor.

Für die Verpflegung suchte ich noch 24h-Tankstellen und Ähnliches an der Strecke raus. Allerdings gab es die erste Tanke mit Nachtschalter erst in Wittenberge, nach 163km. Vorher gab es nur in Dömitz, auf dem Kontrollparkplatz ein WC zum Wasser nachtanken. Für die 24h-Tanke in Havelberg habe ich den Track noch etwas umverlegt. Eine weitere offene Tanke habe ich in Rhinow gefunden. Danach sollte die Versorgung kein Problem mehr sein, irgendwann würde ja auch wieder Tag sein.

Nachdem wir uns in der Nähe des Hamburger Hauptbahnhofs mit Pizza und Bier gestärkt, und mit den obligatorischen Bananen versorgt hatten, ging es pünktlich um 20:00 Uhr los. Der Kellner im Restaurant bekam noch unser Gespräch mit, dass wir erstmal 10..20km fahren wollen, um dann eventuell unsere Kleidung nochmal den Temperaturen anzupassen: „WAAAS! 20km wollt ihr heute noch fahren, Respekt, Jungs!“ Wir haben es lieber nicht aufgeklärt.

Nach 24km haben wir schon mal am offiziellen Startort eine kurze Fotopause gemacht, (noch) nichts los hier aber dunkel, wie in den Jahren zuvor bei den „normalen“ Starts.

Weiter ging es über die Elbbrücke in Geesthacht, durch Orte wie Bullendorf, Jürgenstorf, Karze und Garze. Alles wie sonst, nur im Dunkeln, der Verkehr wurde weniger, statt mehr.

In Alt Garge sind wir diesmal nicht den direkten Weg über das Kopfsteinpflaster am Elbufer gefahren, sondern links dran vorbei, über einen, für diese Gegend ziemlich hohen Berg, ca. 50 Höhenmeter am Stück! Oben drauf kurze Pause in der nächtlichen Stille. Dann noch über den altbekannten Kniepenberg (und den namenlosen Berg dahinter). Nach Hitzacker durch eine gut zu befahrende Baustelle, kurz vor Dömitz links Richtung Elbdeich, so langsam kenne ich die Strecke. Deshalb auch mal interessant im Dunkeln. Dann Dömitz, natürlich ohne Verpflegungsstation, aber wenigstens hat das WC wirklich auf um Wasser nachzufüllen. Wir ziehen uns alle noch was an, um eins ist es nun doch etwas frisch geworden.

Es folgen vor und nach Lenzen die ewig langen Geraden auf Wirtschaftswegen. Aber zu viert ist die Monotonie gut erträglich. Kein Verkehr, nur ab und zu rennt ein Tier über den Weg.  Nach Jagel kommt, wie immer, das kurze Stück Schotter Richtung Elbdeich, bei dem alle empört aufstöhnen. Der Elbdeich ist diesmal besonders gut mit Schafscheiße belegt, aber zum Glück ist es ja trocken, so dass sich die Sommersprossen in Grenzen halten. Und nach dem Deich ist es ja nur noch ein kleines Stück Landstraße bis Wittenberge. Hier soll es eine Tanke mit Nachtschalter geben! Das war nach über 160km auch mal nötig! Hier gibt es heißen Kaffee, nur gegen passende Münzen, wegen Automat, lauwarme Bockwurst und kaltes Red Bull. Wie das eben so ist, nachts um drei am Nachtschalter.

Bis zur Tanke in Havelberg sind es nur 37km, das ist überschaubar. Dort dürfen wir sogar rein, nur essen müssen wir dann doch wieder draußen.

Jetzt kommt noch die „Allee der Depressionen“, aber die haben wir diesmal zum Teil umfahren, kurz hinter Strohdehne rechts rein auf einen gut fahrbaren Plattenweg, eine gute Wahl. Dann kommt Rhinow, wo normalerweise immer unsere zweite Verpflegungspause beim NP-Markt geplant ist. Es fängt etwas an zu regnen, daher halten wir an der Tankstelle, die gerade aufmacht. Die Verkäuferin fragt, ob wir schon zu den HH-B-Fahrern gehören, mit denen hat sie doch erst nachmittags gerechnet.

Nach dem Kaffee hat der Regen schon wieder etwas nachgelassen und es wird hell. Alles grau und nass, wie sich das gehört für HH-B. Nur noch 70km bis Berlin. In Stölln eine Abkürzung über Plattenweg, die man sich das nächste Mal sparen kann. Hinter Friesack, links rein ein Plattenweg Richtung Brädikow, der im Sonnenaufgang ganz angenehm ist, was aber definitiv nicht an der Oberflächenqualität liegt. Vor Berge dann wieder der altbekannte Radweg Richtung Nauen.

Es gibt nochmal eine letzte Riegelpause, die Sonne kommt raus und das Ziel ist schon fast in Sicht. Nach Nauen geht es parallel zur B5 bis Wustermark, über eine schöne kleine Straße durch Elstal, und dann wieder parallel zur B5 bis zum McDonalds kurz hinter der Stadtgrenze. Hier ist nach 296km unser Ziel. Es ist kurz nach zehn, wir haben also gute 14h gebraucht. Kein Rekord, aber für „nach der Arbeit durch die Nacht fahren“ ganz in Ordnung.

Unsere Gruppe hat gut zusammengepasst, finde ich. Das ist ja nicht immer so, wenn man gemeinsam mit Fremden eine so lange Tour bestreitet. Schön, dass alle so spontan waren, und sich für die Abendstart-Variante entscheiden konnten. Die „Zieleinfahrt“ nach Berlin ab Nauen über die B5 war neu für mich, können wir so beibehalten. Vielen Dank an meine Mitfahrer für dieses schöne Erlebnis. Bis zum nächsten HH-B!

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