Vollmond und Rübezahl

Vollmond im Juni:

Am 30.6. ist mal wieder Vollmond(fahrt). Wer nicht anderweitig am Radfahren ist, ist herzlich eingeladen. Wir treffen uns um 19.00 Uhr am S-Bhf. Grünau, hier:

Start

An der Spreebrücke bei Mönchwinkel ist wieder kurze Pause für ein schnelles Getränk (selber mitbringen). auf dem Rückweg optional noch über den Müggelberg. Endpunkt des Tracks ist der S-Bhf. Köpenick. Ohne Anmeldung, ohne Startgeld, einfach pünktlich sein und Spaß haben!

Download file: Vollmond_03.gpx

Rübezahl im Juli:

Die Spannung steigt, die Teilnehmerinfos und der Track wurden verschickt, die Einkaufszettel für die Kontroll/Verpflegungsstellen werden geschrieben, Rübezahl-T-Shirts werden gehäkelt…

Dazu passend hier noch ein Bericht vom Preride 2025 von Jan-Oliver, der es bisher noch nicht auf die Seite geschafft hat:

Reisebericht: Rübezahl 2025
Die Nacht davor
Morgen geht es los: 1200 km durch Polen und Tschechien und zurück. Es wird Berge geben, im Riesen-, Iser- und Altvatergebirge – auf dem Rückweg in der böhmischen Schweiz. Ich starte gemeinsam mit Raffael, morgen um 6 Uhr vom Amstel House. Der Wetterbericht ist furchtbar; wir werden sehen, wie es wird. Das Fahrrad ist gepackt: 15 kg ohne Essen und Wasser. 1,5 l Gel für Tag 1 und 2 sind bereit, etwas mehr noch im Gepäck. Ab ins Bett, 5 Uhr aufstehen. Los geht’s.
Raffael und ich starten recht pünktlich um 6:15 Uhr, es regnet noch nicht.
Checkpoint 1
Kontrollpunkt 1, in einer fantastischen Total-Tanke in Lübben. Der Regen hält sich bisher in Grenzen, es rollt gut. 100 km sind geschafft. Aus der Stadt raus war wie immer – eher schwierig: Schönefeld, Berufsverkehr, etc. Richtung Spreewald wurde es aber deutlich entspannter. Bisher läuft alles super: keine Pannen, keine Zwischenfälle, es rollt top. Ich spüre noch etwas Nervosität, ein flaues Gefühl im
Magen, was in der Regel normal bei mir ist – beim Start zu einer großen Runde. Jetzt noch 40 Kilometer nach Cottbus und ca. 160 nach Görlitz, zur Grenze nach Tschechien.


Spreewald und Lausitz, Checkpoint 2
Der Tag entwickelt sich leider nicht ideal. Mein flauer Magen bessert sich nicht. Ich bekomme zunehmend Sodbrennen und Übelkeit. Die Nahrungsaufnahme gestaltet sich schwierig, die Leistung geht in den Keller. Pause im Krankenhausgarten in Spremberg. Susanne (meine Frau) ruft an: „Was ist passiert? Bist Du im Krankenhaus?“ Ich: „Nein, ich liege hier nur auf der Wiese und ruhe mich aus.“ Sie hatte meinen Standort auf dem Handy gesehen. Nach der Pause ging es etwas besser, aber nicht ideal. Ansonsten: Wunderbare Radwege durch den Spreewald und eine herrliche postindustrielle Heidelandschaft in der Lausitz. Heide, Birken – meine Lieblingslandschaft, etwas karg und unwirtlich; so stelle ich mir Sibirien vor.

Pause am Kaffee am See: Cola und alkoholfreies Bier helfen erst mal weiter. Weiter geht’s. Raffael schleift mich im Windschatten durch die Landschaft.


Tag 1: geschafft
Am Abend geht es etwas besser. Das hatte ich gehofft, denn eigentlich bessert es sich ja immer irgendwann wieder. Aber es fiel mir weiterhin schwer zu essen, daher war Kraft Mangelware. Arthurs Luchos (südamerikanische Zuckerbomben) haben mich am Ende wieder hinbekommen. Wunderbare Abendstimmung, schönes Licht, seichte Hügel, Regen – nur von der Ferne. Der letzte Anstieg bei km 300 war wunderschön: im Dunkeln, totale Stille. Die Straße war gesperrt und ohne Licht befahrbar – haufenweise Glühwürmchen, Wahnsinn!

Bei der Abfahrt das erste Mal richtig Regen, dazu dunkel, eher unschön.

Wir hatten aber Glück, fast gar kein Regen den ganzen Tag. Ich hatte den Hunger schon länger gespürt und mich darüber gefreut. Wenn der erste richtige Hunger kommt, ist das Magendilemma meist vorbei – wie beim Kater. Ich hatte zwar schon einen Riegel gegessen, wollte aber mit dem weiteren Essen abwarten, bis wir im Hotel sind. Kurz vor dem Hotel, bereits im Ort, erwischt es mich. Keine Kraft mehr, leicht schwindelig. Ich steige vom Rad, setze mich im Schneidersitz auf die Straße und wühle in meinen Taschen nach Essen. Ich stopfe mir binnen einer Minute einen weiteren Lucho, ein Gel und einen Riegel rein und schaffe es gerade so wieder auf die Beine. Gut, dass kein Auto kam.
Das Hotel: verrückt! Wir haben um 23:30 Uhr noch Abendbrot und alkoholfreies Bier bekommen. Nun, insBett!


Weiter geht’s
Der erste Tag war nicht ideal, die Zeit wird bereits knapp, aber: Was tun? Weiter geht’s. Per Chatgruppe erfahren wir, dass Martin gestern Abend wegen Magenproblemen aufgegeben hat. Gemäß Zeitlimit müssen wir die Gesamtstrecke in vier Tagen schaffen. Am Ende von Tag 2 sollten wir den höchsten Berg am Scheitelpunkt der Tour, den Altvater, hinter uns haben. Das wären für heute 280 km und über 5000 Höhenmeter. Was auf dem Papier leicht geplant war, scheint nun ein wenig optimistisch.

Auf geht’s: All you can do, is all you can do.
Die Tanke ist unser Zuhause. Es geht besser! Das Zeitlimit scheint zu platzen, wir sind aber aktuell gut drauf! Kofola, die tschechische Cola, ist jederzeit ein Genuss. Ansonsten erstmal: Regen…
Unterwegs bei Rübezahl
Viele Pausen und viel Regen, es läuft trotzdem gut. Die Abwechslung aus Anstiegen und kurzen Abfahrten ist für mich angenehmer als ewige Geraden.
Tag 2: Regen, Regen, Regen
Der Start des Tages war eigentlich nicht schlecht, wir sind gut vorangekommen, aber der Regen nimmt kontinuierlich zu. Fahren in der Ebene wird unangenehm, Klettern geht, Abfahrten werden zur Wasserschlacht. Bei Tageskilometer 140 erstmal Pause an der Tanke. Das angepasste Tagesziel wären 230 km, 90 würden noch bleiben. Damit wären wir 50 km hinter der ursprünglichen Planung. Tag 2: geschafft! Der Regen hat tatsächlich irgendwann aufgehört – aber auch wieder angefangen.
Die tschechisch-polnische Grenzregion war trotz des Regens wunderbar. Schön anzusehen, tolle Straßen, keine Autos, nicht mal Menschen – und Kirchen ohne Dörfer? Ich vermute, die dazugehörigen Dörfer sind einer Nachkriegsbereinigung zum Opfer gefallen. Schön, dass sie wenigstens die Kirchen gelassen haben. Kurz vor Schluss noch zwei, drei unerwartete Hügel und etwas Stress, den letzten Supermarkt zu erreichen. Eine Stunde Time-Trial – und es hat geklappt. Ich kam etwas weichgekocht im Penny an, der auf mich wie das Paradies wirkte. Raffael, der in Ruhe hinterher gekurbelt ist, war dann nach 2 Minuten auch schon da. Dann noch ein stiller Hügel mit 300 hm und um ca. 22 Uhr Einkehr im Hotel bei km 235 (gesamt: 553 km). Ein sehr netter junger Concierge, ein herrliches 70er-Jahre-Skihotel. Duschen, Waschen, Aufladen, so viel wie möglich essen und ab ins Bett. Allgemeiner Zustand heute: besser als gestern!
Angriff auf den Altvater
Das Aufstehen fällt heute, am dritten Tag, etwas schwer. Kopfschmerzen, Durst – und leider keinen Hunger. Der Altvater, der Endgegner, steht an. Bisher geht es locker los, entspannte Rampen und Serpentinen auf einer Skibus-Autobahn. Es ist noch nass, aber der Regen ist hoffentlich erstmal vorbei. Die andauernde Nässe hat Spuren hinterlassen: Scheuerstellen, Blasen und Geruchsnoten. Dennoch rollt es gut. Zunächst ein kleiner Vorberg, dann zwei extra Kuppen und im Anschluss der Altvater. Soweit die Sicht der Dinge vor dem Tun. Oops! Und dann erscheint er plötzlich einfach auf dem Display, als Höhenprofil, inklusive seiner zwei kleinen Schwestern. Saukalt hier. Normalerweise zieht man bergauf ja alles aus, aber das fühlt sich hier nicht richtig an. Es ist windig und von Sonne keine Spur. Ich vermute, wir stecken bald komplett in den Wolken. Der Altvater (Praděd): Absolut spektakulär! Der Anstieg war unerwartet hart. 650 hm sind eigentlich kein Hexenwerk, aber mit den drei Vorbergen waren es insgesamt 1900 hm – somit das Format „Alpenriese“. Die relativ geringe absolute Höhe (1491 m) wurde durch Nebel und Sturm kompensiert; es fühlte sich dort oben wie 2000+ an. Am Anfang des Anstiegs war es sehr bewaldet, überwiegend Fichten. Weiter oben wurde es schnell kahl, sehr neblig, dazu gab es Sturmböen. Oben angekommen erschien der Altvater selbst wie ein Geist aus dem Nebel.

Der sehr hohe Turm, der auf diesem Gipfel steht, war nicht zu sehen. Man konnte lediglich den Sockelbau erahnen.

Zum Glück gab es ein Restaurant, in dem es für mich Gulaschsuppe mit sehr viel Brot gab – ideal. Raffael kommt kurz nach mir. Eigentlich wollte er oben nicht einkehren, sondern sofort zurück, doch der Versuchung der warmen Gaststube konnte er dann auch nichtwiderstehen und bestellte ein Gulasch mit Knödeln. Mein Glas Kofola ist gigantisch.

Was vom Tage übrig blieb
Keine Frage, der Altvater hat uns gleich am Morgen „alle“ gemacht. Kurz danach dachte ich noch: Nicht der Altvater ist der Endgegner, sondern die Abfahrt. Jetzt wissen wir es besser: Der Endgegner ist der Wind – ungefähr für die nächsten 600 km – und zwar direkt von vorn. Unser erster Stopp nach dem Altvater ist die Tanke von Šumperk. Raffael ist vor mir da. Ich sehe ihn neben dem Eingang der Tankstelle stehen und schaffe es gerade noch, ihm ein Zeichen zu geben, dass ich da bin. Sekunden später liege ich bereits auf der Tankstellenwiese und stecke tief im wohlverdienten Powernap. Ich wache 10 Minuten später auf und schlafe gleich noch mal 10 Minuten. Dann geht es weiter. Verdammt, es pustet aus allen Rohren. Auch wenn man sich in den Auflieger legt, wird man einfach weggeweht. Reisegeschwindigkeit in der Ebene deutlich unter 20 km/h. Dazu kommt im Moment welliges Terrain und auf den Kuppen, eher kahl, fragt man sich: Wie soll ich da bloß rüberkommen, wenn es so von vorne pustet? Der Plan ist heute Abend nach Usti. Es wird schon klappen, aber viel weiter wird es nicht gehen. 480 km verbleiben – das sind wahrscheinlich noch mal zwei Tage, insbesondere bei dem Gegenwind; ein Tag zu viel fürs Zeitlimit. So krass hätte ich mir das Ganze nicht vorgestellt.
Uli schreibt dazu gerade in der Chatgruppe: „Keine Frage, Sascha: Du hast hier eine Tour der mentalen Superlative geschaffen!“ Der Killer ist der Wind. Damit haben wir nicht gerechnet. Gemäß Planung sollte man ab hier Tempo und Strecke machen – oder entspannt nach Hause rollen. Jetzt bin ich doch in einem ruhigen Tal gelandet und kann in Ruhe ohne Gebläse Hügel klettern. Ich bin gut drauf. Super, weiter geht’s… Und nicht vergessen: immerhin kein Regen.
Nachtrag: Der kam im Übrigen auch noch, aber entspannt. Und der Gebirgszug auf dem Weg nach Ustiwar anstrengend, aber – landschaftlich und von der Atmosphäre in den Dörfern her – ein absoluterKnaller.
Tag 3: Am Abend

Und nach der ganzen Plagerei? Ein schier nicht enden wollender Radweg entlang von Fluss und Bahnstrecke von Usti nach Hradec – wunderbar.

Geschenkte 20 km und ca. 200 verschluckte Mücken. Danach wird es etwas komplizierter, es geht hin und her, aber generell sind die letzten 60 km nach Hradec ein Geschenk. Ab der Mitte radeln wir friedlich im Dunkeln durch den Wald, auf wechselndem Belag und über ein paar Hügel. Die letzten 10 km rollen wir auf Flüsterasphalt, entlang einer Sport- und Freizeitstrecke im Stadtwald des bereits nahen Hradec. Insgesamt fühle ich mich heute nochmal besser als gestern. Wir werden sehen, was morgen kommt. Heute waren es 241 km, wieder etwas zu wenig. Insgesamt sind wir bei 791 km.
Der Morgen von Tag 4
378 km to go. Wir haben in Hradec übernachtet. Das Hotel war gut, eine Bettenburg implantiert in ein stattliches Denkmal. Heute Morgen waren wir etwas spät, daher gab es sogar Kaffee und ein bisschen Frühstück ab 6:30 Uhr. Um ca. 7 Uhr geht es los. Seitdem verläuft es relativ ruhig. Eher schlechte Straßen, moderater Gegenwind, knapp 20er Schnitt bisher nach 40 km. Raffael war heute Morgen etwas schwach und hat etwas auf die Bremse getreten, jetzt hat er sich aber erholt. Ich bin recht gut drauf und habe das Gefühl, dieser Zustand könnte bei täglich 250–300 km und 2000 bis 3000 hm stabil hinzubekommen sein. Zumindest habe ich mich seit dem ersten Tag, der miserabel war, jeden Tag besser gefühlt. Von insgesamt sieben Startern sind noch vier im Rennen: Raffael und ich, sowie Sascha und Uli, die 14 Stunden vor uns gestartet sind. Aktuell sieht es so aus, als würde es niemand im Zeitlimit schaffen. Uli ist nah dran, wird aber wahrscheinlich um eine oder eine halbe Stunde scheitern. Sascha, mehrfacher Paris–Brest–Paris Absolvent – und Autor der Strecke, wird wahrscheinlich zwei Stunden über dem Limit landen. Unser Zeitlimit läuft heute Abend 24 Uhr aus. Ich vermute, dass wir dann ein Streckendefizit von ca. 100 km haben werden. Mal schauen, wie es weitergeht. Das Wetter ist recht stabil, manchmal sogar etwas sonnig, die Stimmung ist gut. Pause am Fluss.
Der Tag hat gut und motiviert angefangen, aber der Gegenwind macht uns fertig. Es geht absolut nicht voran. Es ist gleich 15 Uhr, nicht mal 100 km geschafft. Kurze Pause zum Kräfte sammeln: Einkaufen im Supermarkt, runter zum Fluss, Essen, Powernap, Essen, eincremen, los. Wird es helfen?

Hinein in die böhmische Schweiz
Ja, es hat geholfen. Dennoch bleibt es zäh, die Kilometer zählen langsam. Randnotiz: Der Regen ist zurück, zum Glück noch in Maßen. Wir sind jetzt auf dem Weg in die letzte nennenswerte Hügelkette, die böhmische und sächsische Schweiz. Uns wurden hier prächtige Höhenmeter versprochen – wir freuen uns aufs Edelklettern.

Der Regen wurde später noch mehr. Das dicke Ende kommt immer zum Schluss. Kilometertechnisch ist dieser Tag eine totale Pleite. 18 Uhr und 150 km auf der Uhr. Wir müssen etwas unternehmen. Unser Plan: jetzt noch 70 km und 2000 Höhenmeter. Die sogenannten Prachthöhenmeter, ab jetzt also “Climbing Deluxe”, “Champagner Hills” wir kommen, im Sonnenuntergang, im Regen oder halt im Dunkeln. Anvisiertes Ziel ist Bischofswerda, die Notlösung wäre Sebnitz. Unser Gel ist übrigens alle. Was kommt jetzt? Honig aus der Softflasche, etwas verdünnt mit Wasser – auch gut! Wahnsinn, was für ein Geruch hier oben ist. Es riecht hier wie auf dem Weihnachtsbaummarkt. Es ist wunderbar hier oben. Danke, Sascha, es hat sich gelohnt.
Bischofswerda 1000
Wir haben es bis Bischofswerda geschafft. Das Zeitlimit ist vorbei, aber wir haben 1000 km und ca. 10.000 hm geschafft, immerhin. Morgen geht es nach Berlin. Hoffentlich schaffen wir es bis 20 Uhr, dann können wir mit den anderen Teilnehmern noch ein Bier trinken.
Tag der langen Geraden
So, was nun: Ofen aus oder Schlusssprint? Wir starten zunächst recht pünktlich um 6:15 Uhr in Bischofswerda. Das GPS sagt, es sind noch gut 200 km nach Berlin. Und es läuft supergut! Ich hatte viel Respekt vor diesen letzten 200 km. Zunächst rollt es aber richtig gut, wie verrückt. Die ersten Anfragen aus der Chatgruppe nach einer Afterparty heute Abend um 20 Uhr sind bereits eingetrudelt, und wir sind richtig nervös geworden, ob wir das auch schaffen. 200 km Flachetappe – eigentlich kein Ding, aber dieser Wind. Daher große Freude, dass es so gut losgeht. Erste Pause in Pulsitz: Tanke leer kaufen und Kaffee trinken. Zweite Pause in Senftenberg: Supermarkt, Milchreis essen, Dose Monster trinken, weiter.
Ein erstes leichtes Tief zeichnet sich ab, aber das Essen in Senftenberg zündet bald wieder den Turbo, und weiter geht es mit Tempo in Richtung Berlin. Wir korrigieren unsere Ankunftszeit unterwegs bereits von 20 auf 18 Uhr. Innerlich denke ich schon über 16:30 Uhr nach. Wir machen Witze: Wollen wir weiterfahren, an die Ostsee? Und was kommt dann? Klar, natürlich der Mann mit dem Hammer. Allen Versuchen der regelmäßigen, steten Nahrungsaufnahme zum Trotz fallen wir kurz vor Luckau fast vom Rad – alle Speicher restlos leer. Kurze Pause am Straßenrand. Wo ist der Supermarkt? Mist, keiner da. Wo ist die Tanke? 1,8 km entfernt, ab vom Track. Das ist zu weit, wir wollen nach Hause. Also kurz die Taschen durchwühlen, ein, zwei Riegel essen und weiter geht es nach Golßen: Supermarkt, Essen, Powernap und schnell vorm nächsten Regen wieder los.
Zieleinlauf

Der Rest ist Geschichte. Nach den Höhen und Tiefen des Tages haben wir es gut nach Berlin geschafft. Die Einfahrt in die Stadt ist nie ganz einfach: viel Verkehr, unzählige Ampeln, auf engem Raum mit Autos und auf rumpeligen Radwegen. Ach ja, und dann hat es natürlich noch zweimal wie aus Kübeln gegossen. Auf der B96 gab es dazu Gewitter. War klar, sonst wäre es auch zu einfach gewesen. Besonderes Highlight: Unsere Mitstreiter, die vor uns gestartet und gestern angekommen sind, sind pünktlich zu unserer Zieleinfahrt und Finisher-Party ins Amstel House gekommen. So konnten wir direkt nach unserer Ankunft bei einem Bier unsere Heldengeschichten austauschen.


Gefährt und Ausrüstung
Meine Ausrüstung:
● Rahmen: Colnago V3, eigene Lackierung
● Gruppe: SRAM Force 1×13, mechanisch (Stocky’s 13)
● Übersetzung: 34 x 10–42
● Anbauteile: Vieles von Ali-Express und eBay (Lenker, Sattelstütze, Vorbau); Aero Auflieger Profile Design

● Laufräder: Aerycs GCX Terra 40 mit SON Nabendynamo vorn, 55 mm Carbon Laufrad mit DT Swiss 240 hinten (Taiwan, No-Name)
● Reifen: Continental GP 5000 S TR, 32 mm, tubeless
● Pumpe: Elektrische Fahrradpumpe von eBay
● GPS Computer: IGPSport IGS 630
● Taschen: ein Mix aus Restrap Rahmentasche, Cyclite Oberrohrtasche, kleine Apidura
Arschrakete
● Trinkrucksack: USWE, 3l Blase, 5l Packvolumen


Ich hatte auch einen Biwaksack, eine Isomatte, Daunenhose und Jacke dabei. Alles das habe ich nicht gebraucht, weil wir immer ins Hotel gegangen sind. Ohne Essen und Trinken wog das gepackte Fahrrad 15 kg. Das Material hat perfekt gehalten, es gab keine technischen Probleme. Im vorderen Reifen hatte ich einen Durchstich, der hin und wieder gesifft hat, aber nie zu einem richtigen Platten führte. Die Tubeless-Reifen habe ich einmal morgens per Elektropumpe nachgepumpt, hatte aber meist weniger als 0,5 bar verloren. Die Kette habe ich täglich gewachst. Ob ein 34er-Kettenblatt vorn wirklich sinnvoll ist, habe ich mich vor der Tour oft gefragt. Ich habe es dennoch angebaut und war unterwegs sehr zufrieden damit. Ich konnte immer easy kurbeln und sitzen bleiben, egal wie steil es war. Ab Tempo 44 konnte ich nicht mehr treten, aber das habe ich nicht vermisst.

Alle Fotos von Jan-Oliver Kunze.

Weitere tolle Fotos von Jan-Oliver gibt es hier.

Lust bekommen? Es sind übrigens noch Startplätze frei!

DIY-200er am Sonnabend von Potsdam aus

Für Kurzentschlossene bieten Matthew und Andy am Samstag (28.2.26) noch eine Ausfahrt an. Es startet wieder in Potsdam 8:30Uhr (Hauptbahnhof Ausgang Nord). Die Strecke ist ähnlich wie vor 2 Jahren, allerdings wurden die Offroad-Anteile so gut es ging rausgenommen 🙂

Download file: 2026-02-26_2799654893_Potsdam-2039-km.gpx

Noch ein Hinweis von Sascha: das ist keine ARA-BB-Veranstaltung, es kann nichts homologisiert werden. Die Strecke ist aber trotzdem sehr schön, ich bin sie vor 2 Jahren mitgefahren: https://bbrandonneure.net/2024/02/11/brevetfahren-im-februar/

Termine 2026 und Vollmondfahrt am 7.10.25

Wir haben intern bereits die Termine für 2026 abgestimmt. solange, bis sie auf https://audax-randonneure.de veröffentlicht sind, noch unter Vorbehalt.

Neu dabei ist ein 200er, der von Meerglas-Tom in der Priegnitz organisiert wird.

Außerdem freuen wir uns auf die 2. Ausgabe von Budelage, dem 600er, diesmal in umgekehrter Richtung, von Berlin nach Dortmund, organisiert von Alex, Christoph und Freunden vom Radladen Pedalage.

Besonderes Highlight wird, wie schon angekündigt, unser Rübezahl-1200er durch Polen und Tschechien.

Eva und Toni haben sich dankenswerter Weise wieder bereiterklärt, den Frauen/FLINTA*-200er zu organisieren. Wir erwarten neue TeilnehmerInnenrekorde!

Wem das nicht reicht, kann 2026 auch den Fléche Allemagne in Angriff nehmen.

200-1 14.3. zu Benno an die Oder
200-2 28.3.
300-1 11.4.
300-2 25.4.
Fleche Allem. 1.5.
400-1 9.5.
200-3 23.5. Meerglas
200-F 30.05. FLINTA*-Brevet
600-1 13.6. evtl. Richtung Ostsee
1200-Rübezahl 12.7. Start ca. 16:00
600-2 5.9. Budelage: Berlin-Dortmund
200-4 26.9. Abschluss-Brevet


Am Sonntag, den 7.10.25 ist wieder Vollmond:

Es geht mal wieder durch Potsdam Richtung Schwielowsee. Treffpunkt ist, wie gewohnt, 19:00 Uhr am S-Bhf. Grunewald.

Die Strecke ist ca. 80 km lang. Am Neuen Palais, bei km 60 ist traditionell kurze Bier/Rauch/Verschnaufpause (Getränk selber mitbringen!).

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, beim Tempo werden wir uns hoffentlich einig.

Download file: Richtung-Schwielowsee.gpx

Bikeconvoy for Ukraine – ein Bericht von Raoul

Raoul hat ein paar Zeilen zum Soli-Brevet verfasst. Dabei geht es weniger um die Radtour selbst, sondern um die Erlebisse am Ziel der Etappenfahrt. Ein interessanter Einblick in die Realität eines vom Krieg betroffenen Landes, in dem ausgelassene Lebensfreude und trauriger Kriegsalltag dicht beeinander liegen:

Rübezahl 2025

Am Sonntagabend war es endlich soweit, 5 unerschrockene und abenteuerlustige Radler starteten pünktlich, um 16.00 Uhr zum Rübezahl Preride. Nach dem ersten Versuch letzten Sommer wurde der Track an vielen Stellen deutlich geändert und sollte nun final getestet werden. Das ganze Jahr über habe ich das Projekt “Rübezahl” im Kopf gehabt und ständig am Track und am Logo rum gebastelt. Entsprechend aufgeregt war ich am Tag der Abfahrt, zu wenig geschlafen und gegessen, aber jetzt ging es endlich los.

Wie erwartet ging es ohne große Vorkommnisse zügig Richtung Lübben und Cottbus. Sonntagabend hatten wir Straße und Radwege fast für uns alleine. In Cottbus wurde schnell ein platter Reifen repariert und bald waren wir auch schon am Bärwalder See, der zweiten Kontrolle.

Philipp wollte hier schon eine kleine Schlafpause einlegen, da ging es also zu viert weiter. Im Morgengrauen war Görlitz erreicht, und auf polnischer Seite ließen die erwarteten ersten Hügel nicht auf sich warten. Obwohl ich die vom letzten Jahr noch gut in Erinnerung hatte, war es wieder eine größere mentale Herausforderung, nach durchgefahrener Nacht und einsetzendem Nieselregen.

Unsere Gruppe hat sich hier auch so langsam aufgelöst und jeder ist alleine für sich gefahren. In Hejnice hatte der ausgeguckte Bäcker zu, herbe Enttäuschung, ich brauchte doch Kaffee und Frühstück, möglichst im Warmen sitzend.

Im nächsten Ort, Biely Potok, gab es zumindest einen Potraviny mit Hörnchen und Frühstückszutaten. Es folgte der erste größere Anstieg zur Smedava Baude, oben hing immer noch mein Aufkleber vom letzten Jahr, der hat jetzt Gesellschaft bekommen.

Die schöne Abfahrt nach Polubny dieses Jahr leider unter dicken Wolken im Nieselregen. Entlang der Jizera ging es über einen Gravel-Abschnitt Richtung Süden. Das Stück war neu, ein toller Weg, leicht bergab am Berghang. Bei Tageslicht gut fahrbar, nachts sollte man vielleicht die Straße 14, östlich der Jizera, nehmen.

Auf dieser Straße 14 fährt man später sowieso ein ganzes Stück, ist aber nicht so schlimm, wie befürchtet, es gibt zwar Verkehr, aber es geht leicht bergab und der Asphalt ist gut. Zwischendurch kurz in einer Bushaltestelle Augen zu machen und abwarten, wie das mit dem Nieselregen weitergeht. Hin und wieder treffe ich Stefan, der für Rübezahl extra aus Pirna angereist ist. In Jilemnice finde ich einen Radladen, der mir meine etwas lockere Kassette wieder festschraubt. So fährt es sich gleich viel besser. In Hostinné, dem nächsten Kontrollpunkt, treffe ich Stefan mal wieder, vor dem Supermarkt essen und quatschen wir eine Weile. Für einen zünftigen Kneipenbesuch mit Gulasch, Knödeln und Bier ist mir die Zeit noch zu schade.

370km sind geschafft, bei km 413 möchte ich auf dem Campingplatz bei Adersbach eine längere Schlafpause einlegen. Müde bin ich ausreichend, aber ob es schlau ist, tagsüber zu schlafen, zumal es gerade mal nicht regnete, keine Ahnung. Zumal der Zeitpuffer auch nicht so üppig war.

Stefan war jedenfalls nicht überzeugt und fuhr weiter. Ich habe, wie letztes Jahr, eine kleine Hütte gemietet, geduscht, Pizza gegessen und Bier getrunken. Dann für 3 Stunden ab ins weiche Bett. Beim Aufbruch, gegen 20 Uhr traf ich noch Philipp, der am Camping-Imbiss saß. Er hat einen super entspannten Eindruck gemacht und wollte lieber Land und Leute genießen, statt sich um das Zeitlimit zu kümmern. Aus diesem war ich nach der Pause ca. eine Stunde raus. Naja, kann man wieder rausfahren und schlafen ist wichtig. Wenig später, noch mit Tageslicht, ging es fast unbemerkt über die tschechich-polnische Grenze nach Kudowa-Zdroi, wo es nochmal leckeres Tankstellen-Abendessen gab. Hinter Duzniki-Zdroi geht es endlich mal flach über einsame, glatte Straßen an der Stillen Adler entlang bis zur tschechischen Grenze, fantastische Strecke, leider diesmal im Dunkeln. Aber dafür mit Glühwürmchen!

Hinter Mladkov, dem nächsten Kontrollpunkt, km510, gegen 2 Uhr, muss ich mich nochmal unter irgendein Vordach legen. Eine halbe Stunde später geht es weiter Richtung Osten auf der Straße 43, tagsüber mit viel Verkehr, nachts ganz allein. Um nicht zu lange auf dieser Hauptverkehrsstraße zu bleiben, wird Kraliky nördlich umfahren. Damit ist aber auch die Chance auf eine Tanke zum Vorräte auffüllen und Aufwärmen vertan. Es wird hell, es ist feucht und es geht langsam aufwärts Richtung Altvater Gebirge. Meine Flaschen sind so gut wie leer. Ich treffe Uli, der auf einer Picknickbank geruht hat, auch er hat fast kein Wasser mehr. Zum Glück kommt vor dem ersten Anstieg im Altvater Gebirge noch ein Friedhof mit Wasserhahn (Rejhotice). Mit dem Aufstieg beginnt der Regen so richtig, ohne Regenjacke wird es langsam zu kalt, mit Regenjacke und -hose geht es, aber trocken ist schon lange nichts mehr. Mit Regenhose fahren mag ich eigentlich überhaupt nicht, aber gut, dass ich die hier dabeihatte. 12 Grad und Dauerregen sind in kurzen Klamotten echt nicht lustig. Bei der Abfahrt wird der Regen nochmals stärker und knallt mir in die Augen. Wegen der Kälte und dem Zittern fährt es sich ganz schön wackelig, kein Genuss. Wasser läuft überall aus mir raus. Wie soll das denn jetzt weitergehen? Am nächsten Abzweig halte ich am Hotel Stara Posta, ich will in ein warmes, trockenes Bett! Macht erst in anderthalb Stunden auf, alles doof! Unter dem Vordach döse ich eine dreiviertel Stunde und überlege, welche Optionen es gibt. Es ist viel zu früh, alles hat zu. Aber viel gibt es hier sowieso nicht. Es nützt nichts, ich muss weiter die Abfahrt runter, bis zum nächsten Anstieg. Nicht mal beim Bergauffahren wird mir richtig warm, kein gutes Zeichen.

Am Fuß des Praded/Großvater ist Uli gerade wieder startklar und zweifelt keine Sekunde das Vorhaben an, bei strömendem Regen die 666hm bis auf 1491m hochzufahren, um danach 666hm auf überflutetem Asphalt runterzubremsen. Bei mir stand die Chance 50/50, dass ich da jetzt hochfahre. Hätte ich Uli nicht getroffen, hätte ich es wahrscheinlich gelassen. Andererseits hätte ich mir das vermutlich nie verziehen. Schließlich war der Großvater bei km 600 genau Halbzeit, höchster Punkt und Wendepunkt der Tour. Muss also… Auf halbem Weg kam man an einer Baude vorbei, offen. Es gab Kaffee, gebratenen Käse und Pommes. Und Blick auf die Gipfelbaude des Praded. Ich saß im warmen, lüftete meine nassen Sachen und sah zu, wie es immer stärker regnete und der Gipfel immer mehr in den Wolken verschwand. Warum musste ich da jetzt nochmal hoch? Keine Ahnung. Aber die Uhr tickt, schon 5 Stunden aus der Zeit, irgendwie muss es weitergehen. Also hoch da, mit Pommes im Bauch ging das auch wirklich besser. Oben natürlich keine Aussicht, nur schnell das Kontrollfoto mit der im Nebel beeindruckenden Großvater- oder ich nenne sie mal Rübezahl-Skulptur.

Der Endboss

Halbzeit! Immerhin. Während der Abfahrt traf ich Stefan wieder, er sah auch nicht besonders glücklich aus.

Jetzt nur noch raus aus diesem Gebirge, in der Hoffnung, dass das Wetter dann irgendwie besser wird. Wurde es nicht, es schiffte, kaum ein heller Fleck am Himmel. In Rymarov, am südlichen Rand des Gebirges traf ich Uli an einem geöffneten Potraviny. Ich kaufte lustlos irgendwas zu essen und ein paar trockene Socken, wofür auch immer. Im Vorraum aßen wir zusammen, ich hatte keinen Plan. Dass der Regen aufhören sollte, war nicht abzusehen und mit triefnassen Sachen den Rest des Tages und in die Nacht fahren, konnte ich mir nicht vorstellen. Uli wollte trotzdem weiterfahren. Kurzentschlossen bin ich in ein Hotel eingekehrt, lange heiß duschen, alle Sachen ausbreiten und versuchen, mit dem Fön zu trocknen. 3 Stunden halbwegs geschlafen, regnet immer noch. OK, kann ich noch ein bisschen föhnen. Wenn für den nächsten Tag Sonne versprochen worden wäre, wäre ich auch noch die ganze Nacht dortgeblieben. Aber von zu Hause kam die Nachricht, dass ich mich so schnell wie möglich nach Westen begeben sollte, hier kommt nur Starkregen, teilweise mit Unwetterwarnung. Und, oh Wunder, der Regen hat jetzt fast aufgehört. Also doch schnell los, die fast trockenen Sachen und die warmen neuen Socken an, und zusammengepackt.

Die Rezeptionistin guckt erwartungsgemäß komisch, als ich auscheckte. Aber ich dachte mir, alles richtig gemacht, in trockenen Sachen in die Nacht und den Regen sinnvoll im Hotel überbrückt. Das Hochgefühl hielt für eine halbe Stunde, dann regnete es wieder, toll.  Bald war Sumperk erreicht, in der Tanke konnte ich nochmal meine Klamotten lüften und Handy und Navi laden, bevor es Nacht wurde. Beim Losfahren hat der Regen gnädiger Weise fast aufgehört. Ich konnte jetzt sogar die großteils neu geplante Strecke genießen, einsame kleine Straßen und Radwege entlang, bis bei den lustig klingenden Orten Crhov und Cotcytle wieder ein paar kraftraubende Hügel zu bewältigen waren.

Immerhin bleibt man so wach. Ich weiß nicht so genau, ob es gut oder schlecht ist, wenn das Navi immer schon im Voraus piepsender Weise auf Anstiege aufmerksam macht. Ständig starre ich auf die verbleibenden Höhenmeter des Anstiegs, die nicht weniger werden. Uli meldet sich aus der Tanke in Usti nad Orlici, der ist schon weit, der hat’s gut. Noch ca. 30km bis dahin. Aber es fährt sich gut auf dem Radweg zwischen Bahnstrecke und Stiller Adler. Hätte ich auch gern tagsüber mal gesehen. In Usti liegt die 24h-Tanke nicht auf dem Track, ist aber nicht weit. Ich lasse mich mit Handy hin navigieren, leider Route für Autos gewählt und damit einmal um den Ort gefahren, 3 Bonuskilometer. Bestimmt ca. eine Stunde in der Tanke rumgedöst. Schön, dass in Polen und Tschechien die 24h-Tankstellen einen nachts reinlassen. Das nette Personal stört sich nicht groß daran, dass ich ihre Tanke zu meinem komisch riechenden Schlafzimmer mache. Dann muss ich weiter und darf nicht vergessen, am Marktplatz noch mein Kontrollfoto zu machen. Schon ca. 7 Stunden aus dem Zeitlimit. Einige Kilometer vor Hradec Králowé treffe ich im Morgengrauen Stefan wieder. Schön, mal wieder jemanden zum Quatschen zu haben. Ich freue mich, dass auch er noch unterwegs ist nach der vorangegangenen Wasserschlacht. In Hradec Králowé sind wir, bevor die Läden aufmachen. Also mal wieder Tanke. Stefan hat den Plan gefasst, kurz vor der deutschen Grenze den Track zu verlassen und direkt in seinen Heimatort zu fahren. Dann hat er zumindest die 1000km voll. Sich die restlichen 200km bis Berlin zu sparen, kann ich gut verstehen. Der neue Tag bringt statt Regen nun heftigen Gegenwind. Aber auch Sonne, wenigstens nicht mehr nass. Durch liebliche Landschaft geht es bis jicin, mit dem wunderschönen Marktplatz. Danach geht es gleich hoch in die Prachowské Skály, mit einer der schönsten Abschnitte der Tour. Vorbei an Burg Trosky,  und Burg Kost und vielen Sandsteinfelsen. Selbst den Wind spürt man in dieser Gegend nicht so sehr.

Dann geht es zur Umfahrung der üblen Landstraße 268 Richtung Mimon nördlich über eine Radroute auf in Zerfall befindlichem Asphalt. Aber besser als die Landstraße. Früher war hier Militärgebiet, jetzt ist es Naturschutzgebiet, man muss Wildzäune öffnen. Schön und einsam hier. Als Krönung stand irgendwo in dieser Einsamkeit ein Bierzapfautomat! Man kann zwischen Bier, Brause und alkfreiem Radler wählen, zahlt mit EC-Karte und zapft sich sein Kaltgetränk. Sowas sollte an viel mehr Waldwegen stehen! Hier plane ich bestimmt noch eine Kontrolle hin!

Dann kommen bald Mimon, Novy Bor, Cheska Lipa, alles schöne Gegend, leicht hügelig, gut zu fahren. In Kytlice kehre ich dann doch endlich mal in eine Hostinec ein und bestelle Gulasch mit Knödel und Bier. Lange geht der Track ja nicht mehr durch Tschechien und einmal muss das ja wohl sein. Sebnitz ist schon fast in Sichtweite. Ich treffe nochmal kurz Stefan, der gleich Richtung Heimat abbiegt. Die (fast) letzten Höhenmeter der Tour kosten nochmal Körner und bremsen ganz schön, aber Prachthöhenmeter! Irgendwann ist es spät, alle Läden schon zu, also an einer Tanke noch abgepackte Sandwiches für die Nacht gekauft. Dann kommt die Grenze in Sebnitz und der wirklich letzte Anstieg nach Krumhermsdorf. Es wird dunkel und auf die letzten 200km habe ich irgendwie keine Lust, irgendwie Pflichtprogramm. An einer offenen Tankstelle vor Bischofswerda sehe ich erstaunlicherweise Uli noch einmal und werde vom Personal mit den Worten begrüßt: „ich muss sie jetzt sofort rausschmeißen, wir schließen jetzt“. Ich sacke enttäuscht vor der Tanke zusammen und döse, Uli guckt auf die Uhr, rechnet, und will das Zeitlimit noch schaffen. 200km in 11 Stunden. Normalerweise gut machbar, aber nicht für mich durch die Nacht mit 1000km in den Beinen. Ich drücke Uli die Daumen, er muss der Beweis sein, dass man Rübezahl in 90 Stunden schaffen kann, also Go, Uli Go! Ich selbst halte gefühlt an jeder Bushaltestelle an und mache für einige Minuten die Augen zu. In Pulsnitz ein Kontrollfoto vor geschlossenem Rewe, auch nicht sehr aufbauend. In Senftenberg fahre ich extra zu der Tanke, hatte aber verpeilt, dass die auch erst um 6 aufmacht, ich bin anderthalb Stunden zu früh. Ich fahre einen 7km Umweg zum Autohof Schipkau. Da ist früh um 5 noch nicht viel los und es gibt alles was man braucht, sogar duschen könnte man. Ich lümmle aber nur wieder für eine Stunde auf einer weichen Bank rum. Danach geht es mir endlich wieder besser.

In Schlabendorf am See gibt es in einem aus der Zeit gefallenen Bäcker/ Tante -Emma-Laden Kaffee und Kuchen und weiter geht’s immer gegen den Wind Richtung Berlin. Aber erst sind schon fast keine 100km mehr, hundert gehen immer!

Naja, die letzten 100km waren nicht so toll geplant, 10km hinter Luckau geht es auf die B96, teils schlechter Radweg, teils gar kein Radweg, ständig wird man genötigt, die Seite zu wechseln. Kein Vergnügen an einem Donnerstagvormittag. Dann ist aber doch endlich Zossen erreicht, schnell das letzte Kontrollfoto und ein schnelles Radler und dann Endspurt. Der Stadtverkehr zieht sich auch nochmal endlos und am Großen Stern erwischt mich eine Gewitterwolke dermaßen, dass ich kurz darauf tropfend und Wasserpfützen bildend ins Amstel House einfalle und nach einer Dusche verlange. Da muss meine verkeimte, aber trockene Radhose nochmal ran. Premiere, das erste Mal Duschen im Amstel, schön, dass wir diesen Startort haben. Frisch geduscht werde ich von Amstel-Alex persönlich mit Kaffee versorgt. Fertig, geschafft!

Und was haben wir/ich gelernt?
In Tschechien gibt es weniger Bäcker als bei uns aber dafür sind die 24h-Tankstellen nachts offen.

Die geballten Anstiege im Altvater-Gebirge brauchen sich auch nicht vor irgendwelchen Alpenpässen verstecken (vom Anspruch her).


Ohne Regen wäre es noch viel schöner gewesen, als es so schon war. Die Strecke ist nach dem Update wirklich abwechslungsreich.


Die eingerichtete WA-Gruppe hat mich oft motiviert, mit den vielen Kommentaren der Mitfahrer. Ein Beispiel für Brevetpoesie was mir immer noch ein Grinsen ins Gesicht zaubert:

Der Bäcker in Niesky heißt Wolfgang.
Die Quarktasche ist mega.
Und die Sauerkirschen sind reif, ganz besonders in Polen.
So gut, dass ich einfach anhalten muss.
Zugegebenermaßen kommen bei so viel Kirschen die Salzigen Heringe zu kurz. Schmeckt aber auch zusammen.
Und Himbeeren habe ich gefunden!
Zugegebenermaßen leidet die Zeit dabei etwas, aber ist Zeit wirklich leidensfähig? Schön ist es hier jedenfalls. 

Ich habe immer noch keine Routine bei Brevets dieser Größenordnung, mein Pausenmanagement kam mir verbesserungswürdig vor. Aber der Regen hätte sicher sowieso jeden Plan zunichte gemacht.  

Es ist übrigens in 90 Stunden fahrbar, Uli ist mit 89:50h im Amstel angekommen! Man kann das Brevet aber auch fahren und auf das Zeitlimit pfeifen, wahrscheinlich hat man dann in der „Touristenvariante“ sogar mehr von der Strecke.

Es gab verschiedene Ernährungskonzepte:

Und hier der tolle Bericht von Jan O.K.

Und sein Fotoalbum, von dem ich mich für den Beitrag viel bedient habe. Vielen Dank auch an Uli und Raffael für ihre Fotos.

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