Vollmond und Rübezahl

Vollmond im Juni:

Am 30.6. ist mal wieder Vollmond(fahrt). Wer nicht anderweitig am Radfahren ist, ist herzlich eingeladen. Wir treffen uns um 19.00 Uhr am S-Bhf. Grünau, hier:

Start

An der Spreebrücke bei Mönchwinkel ist wieder kurze Pause für ein schnelles Getränk (selber mitbringen). auf dem Rückweg optional noch über den Müggelberg. Endpunkt des Tracks ist der S-Bhf. Köpenick. Ohne Anmeldung, ohne Startgeld, einfach pünktlich sein und Spaß haben!

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Rübezahl im Juli:

Die Spannung steigt, die Teilnehmerinfos und der Track wurden verschickt, die Einkaufszettel für die Kontroll/Verpflegungsstellen werden geschrieben, Rübezahl-T-Shirts werden gehäkelt…

Dazu passend hier noch ein Bericht vom Preride 2025 von Jan-Oliver, der es bisher noch nicht auf die Seite geschafft hat:

Reisebericht: Rübezahl 2025
Die Nacht davor
Morgen geht es los: 1200 km durch Polen und Tschechien und zurück. Es wird Berge geben, im Riesen-, Iser- und Altvatergebirge – auf dem Rückweg in der böhmischen Schweiz. Ich starte gemeinsam mit Raffael, morgen um 6 Uhr vom Amstel House. Der Wetterbericht ist furchtbar; wir werden sehen, wie es wird. Das Fahrrad ist gepackt: 15 kg ohne Essen und Wasser. 1,5 l Gel für Tag 1 und 2 sind bereit, etwas mehr noch im Gepäck. Ab ins Bett, 5 Uhr aufstehen. Los geht’s.
Raffael und ich starten recht pünktlich um 6:15 Uhr, es regnet noch nicht.
Checkpoint 1
Kontrollpunkt 1, in einer fantastischen Total-Tanke in Lübben. Der Regen hält sich bisher in Grenzen, es rollt gut. 100 km sind geschafft. Aus der Stadt raus war wie immer – eher schwierig: Schönefeld, Berufsverkehr, etc. Richtung Spreewald wurde es aber deutlich entspannter. Bisher läuft alles super: keine Pannen, keine Zwischenfälle, es rollt top. Ich spüre noch etwas Nervosität, ein flaues Gefühl im
Magen, was in der Regel normal bei mir ist – beim Start zu einer großen Runde. Jetzt noch 40 Kilometer nach Cottbus und ca. 160 nach Görlitz, zur Grenze nach Tschechien.


Spreewald und Lausitz, Checkpoint 2
Der Tag entwickelt sich leider nicht ideal. Mein flauer Magen bessert sich nicht. Ich bekomme zunehmend Sodbrennen und Übelkeit. Die Nahrungsaufnahme gestaltet sich schwierig, die Leistung geht in den Keller. Pause im Krankenhausgarten in Spremberg. Susanne (meine Frau) ruft an: „Was ist passiert? Bist Du im Krankenhaus?“ Ich: „Nein, ich liege hier nur auf der Wiese und ruhe mich aus.“ Sie hatte meinen Standort auf dem Handy gesehen. Nach der Pause ging es etwas besser, aber nicht ideal. Ansonsten: Wunderbare Radwege durch den Spreewald und eine herrliche postindustrielle Heidelandschaft in der Lausitz. Heide, Birken – meine Lieblingslandschaft, etwas karg und unwirtlich; so stelle ich mir Sibirien vor.

Pause am Kaffee am See: Cola und alkoholfreies Bier helfen erst mal weiter. Weiter geht’s. Raffael schleift mich im Windschatten durch die Landschaft.


Tag 1: geschafft
Am Abend geht es etwas besser. Das hatte ich gehofft, denn eigentlich bessert es sich ja immer irgendwann wieder. Aber es fiel mir weiterhin schwer zu essen, daher war Kraft Mangelware. Arthurs Luchos (südamerikanische Zuckerbomben) haben mich am Ende wieder hinbekommen. Wunderbare Abendstimmung, schönes Licht, seichte Hügel, Regen – nur von der Ferne. Der letzte Anstieg bei km 300 war wunderschön: im Dunkeln, totale Stille. Die Straße war gesperrt und ohne Licht befahrbar – haufenweise Glühwürmchen, Wahnsinn!

Bei der Abfahrt das erste Mal richtig Regen, dazu dunkel, eher unschön.

Wir hatten aber Glück, fast gar kein Regen den ganzen Tag. Ich hatte den Hunger schon länger gespürt und mich darüber gefreut. Wenn der erste richtige Hunger kommt, ist das Magendilemma meist vorbei – wie beim Kater. Ich hatte zwar schon einen Riegel gegessen, wollte aber mit dem weiteren Essen abwarten, bis wir im Hotel sind. Kurz vor dem Hotel, bereits im Ort, erwischt es mich. Keine Kraft mehr, leicht schwindelig. Ich steige vom Rad, setze mich im Schneidersitz auf die Straße und wühle in meinen Taschen nach Essen. Ich stopfe mir binnen einer Minute einen weiteren Lucho, ein Gel und einen Riegel rein und schaffe es gerade so wieder auf die Beine. Gut, dass kein Auto kam.
Das Hotel: verrückt! Wir haben um 23:30 Uhr noch Abendbrot und alkoholfreies Bier bekommen. Nun, insBett!


Weiter geht’s
Der erste Tag war nicht ideal, die Zeit wird bereits knapp, aber: Was tun? Weiter geht’s. Per Chatgruppe erfahren wir, dass Martin gestern Abend wegen Magenproblemen aufgegeben hat. Gemäß Zeitlimit müssen wir die Gesamtstrecke in vier Tagen schaffen. Am Ende von Tag 2 sollten wir den höchsten Berg am Scheitelpunkt der Tour, den Altvater, hinter uns haben. Das wären für heute 280 km und über 5000 Höhenmeter. Was auf dem Papier leicht geplant war, scheint nun ein wenig optimistisch.

Auf geht’s: All you can do, is all you can do.
Die Tanke ist unser Zuhause. Es geht besser! Das Zeitlimit scheint zu platzen, wir sind aber aktuell gut drauf! Kofola, die tschechische Cola, ist jederzeit ein Genuss. Ansonsten erstmal: Regen…
Unterwegs bei Rübezahl
Viele Pausen und viel Regen, es läuft trotzdem gut. Die Abwechslung aus Anstiegen und kurzen Abfahrten ist für mich angenehmer als ewige Geraden.
Tag 2: Regen, Regen, Regen
Der Start des Tages war eigentlich nicht schlecht, wir sind gut vorangekommen, aber der Regen nimmt kontinuierlich zu. Fahren in der Ebene wird unangenehm, Klettern geht, Abfahrten werden zur Wasserschlacht. Bei Tageskilometer 140 erstmal Pause an der Tanke. Das angepasste Tagesziel wären 230 km, 90 würden noch bleiben. Damit wären wir 50 km hinter der ursprünglichen Planung. Tag 2: geschafft! Der Regen hat tatsächlich irgendwann aufgehört – aber auch wieder angefangen.
Die tschechisch-polnische Grenzregion war trotz des Regens wunderbar. Schön anzusehen, tolle Straßen, keine Autos, nicht mal Menschen – und Kirchen ohne Dörfer? Ich vermute, die dazugehörigen Dörfer sind einer Nachkriegsbereinigung zum Opfer gefallen. Schön, dass sie wenigstens die Kirchen gelassen haben. Kurz vor Schluss noch zwei, drei unerwartete Hügel und etwas Stress, den letzten Supermarkt zu erreichen. Eine Stunde Time-Trial – und es hat geklappt. Ich kam etwas weichgekocht im Penny an, der auf mich wie das Paradies wirkte. Raffael, der in Ruhe hinterher gekurbelt ist, war dann nach 2 Minuten auch schon da. Dann noch ein stiller Hügel mit 300 hm und um ca. 22 Uhr Einkehr im Hotel bei km 235 (gesamt: 553 km). Ein sehr netter junger Concierge, ein herrliches 70er-Jahre-Skihotel. Duschen, Waschen, Aufladen, so viel wie möglich essen und ab ins Bett. Allgemeiner Zustand heute: besser als gestern!
Angriff auf den Altvater
Das Aufstehen fällt heute, am dritten Tag, etwas schwer. Kopfschmerzen, Durst – und leider keinen Hunger. Der Altvater, der Endgegner, steht an. Bisher geht es locker los, entspannte Rampen und Serpentinen auf einer Skibus-Autobahn. Es ist noch nass, aber der Regen ist hoffentlich erstmal vorbei. Die andauernde Nässe hat Spuren hinterlassen: Scheuerstellen, Blasen und Geruchsnoten. Dennoch rollt es gut. Zunächst ein kleiner Vorberg, dann zwei extra Kuppen und im Anschluss der Altvater. Soweit die Sicht der Dinge vor dem Tun. Oops! Und dann erscheint er plötzlich einfach auf dem Display, als Höhenprofil, inklusive seiner zwei kleinen Schwestern. Saukalt hier. Normalerweise zieht man bergauf ja alles aus, aber das fühlt sich hier nicht richtig an. Es ist windig und von Sonne keine Spur. Ich vermute, wir stecken bald komplett in den Wolken. Der Altvater (Praděd): Absolut spektakulär! Der Anstieg war unerwartet hart. 650 hm sind eigentlich kein Hexenwerk, aber mit den drei Vorbergen waren es insgesamt 1900 hm – somit das Format „Alpenriese“. Die relativ geringe absolute Höhe (1491 m) wurde durch Nebel und Sturm kompensiert; es fühlte sich dort oben wie 2000+ an. Am Anfang des Anstiegs war es sehr bewaldet, überwiegend Fichten. Weiter oben wurde es schnell kahl, sehr neblig, dazu gab es Sturmböen. Oben angekommen erschien der Altvater selbst wie ein Geist aus dem Nebel.

Der sehr hohe Turm, der auf diesem Gipfel steht, war nicht zu sehen. Man konnte lediglich den Sockelbau erahnen.

Zum Glück gab es ein Restaurant, in dem es für mich Gulaschsuppe mit sehr viel Brot gab – ideal. Raffael kommt kurz nach mir. Eigentlich wollte er oben nicht einkehren, sondern sofort zurück, doch der Versuchung der warmen Gaststube konnte er dann auch nichtwiderstehen und bestellte ein Gulasch mit Knödeln. Mein Glas Kofola ist gigantisch.

Was vom Tage übrig blieb
Keine Frage, der Altvater hat uns gleich am Morgen „alle“ gemacht. Kurz danach dachte ich noch: Nicht der Altvater ist der Endgegner, sondern die Abfahrt. Jetzt wissen wir es besser: Der Endgegner ist der Wind – ungefähr für die nächsten 600 km – und zwar direkt von vorn. Unser erster Stopp nach dem Altvater ist die Tanke von Šumperk. Raffael ist vor mir da. Ich sehe ihn neben dem Eingang der Tankstelle stehen und schaffe es gerade noch, ihm ein Zeichen zu geben, dass ich da bin. Sekunden später liege ich bereits auf der Tankstellenwiese und stecke tief im wohlverdienten Powernap. Ich wache 10 Minuten später auf und schlafe gleich noch mal 10 Minuten. Dann geht es weiter. Verdammt, es pustet aus allen Rohren. Auch wenn man sich in den Auflieger legt, wird man einfach weggeweht. Reisegeschwindigkeit in der Ebene deutlich unter 20 km/h. Dazu kommt im Moment welliges Terrain und auf den Kuppen, eher kahl, fragt man sich: Wie soll ich da bloß rüberkommen, wenn es so von vorne pustet? Der Plan ist heute Abend nach Usti. Es wird schon klappen, aber viel weiter wird es nicht gehen. 480 km verbleiben – das sind wahrscheinlich noch mal zwei Tage, insbesondere bei dem Gegenwind; ein Tag zu viel fürs Zeitlimit. So krass hätte ich mir das Ganze nicht vorgestellt.
Uli schreibt dazu gerade in der Chatgruppe: „Keine Frage, Sascha: Du hast hier eine Tour der mentalen Superlative geschaffen!“ Der Killer ist der Wind. Damit haben wir nicht gerechnet. Gemäß Planung sollte man ab hier Tempo und Strecke machen – oder entspannt nach Hause rollen. Jetzt bin ich doch in einem ruhigen Tal gelandet und kann in Ruhe ohne Gebläse Hügel klettern. Ich bin gut drauf. Super, weiter geht’s… Und nicht vergessen: immerhin kein Regen.
Nachtrag: Der kam im Übrigen auch noch, aber entspannt. Und der Gebirgszug auf dem Weg nach Ustiwar anstrengend, aber – landschaftlich und von der Atmosphäre in den Dörfern her – ein absoluterKnaller.
Tag 3: Am Abend

Und nach der ganzen Plagerei? Ein schier nicht enden wollender Radweg entlang von Fluss und Bahnstrecke von Usti nach Hradec – wunderbar.

Geschenkte 20 km und ca. 200 verschluckte Mücken. Danach wird es etwas komplizierter, es geht hin und her, aber generell sind die letzten 60 km nach Hradec ein Geschenk. Ab der Mitte radeln wir friedlich im Dunkeln durch den Wald, auf wechselndem Belag und über ein paar Hügel. Die letzten 10 km rollen wir auf Flüsterasphalt, entlang einer Sport- und Freizeitstrecke im Stadtwald des bereits nahen Hradec. Insgesamt fühle ich mich heute nochmal besser als gestern. Wir werden sehen, was morgen kommt. Heute waren es 241 km, wieder etwas zu wenig. Insgesamt sind wir bei 791 km.
Der Morgen von Tag 4
378 km to go. Wir haben in Hradec übernachtet. Das Hotel war gut, eine Bettenburg implantiert in ein stattliches Denkmal. Heute Morgen waren wir etwas spät, daher gab es sogar Kaffee und ein bisschen Frühstück ab 6:30 Uhr. Um ca. 7 Uhr geht es los. Seitdem verläuft es relativ ruhig. Eher schlechte Straßen, moderater Gegenwind, knapp 20er Schnitt bisher nach 40 km. Raffael war heute Morgen etwas schwach und hat etwas auf die Bremse getreten, jetzt hat er sich aber erholt. Ich bin recht gut drauf und habe das Gefühl, dieser Zustand könnte bei täglich 250–300 km und 2000 bis 3000 hm stabil hinzubekommen sein. Zumindest habe ich mich seit dem ersten Tag, der miserabel war, jeden Tag besser gefühlt. Von insgesamt sieben Startern sind noch vier im Rennen: Raffael und ich, sowie Sascha und Uli, die 14 Stunden vor uns gestartet sind. Aktuell sieht es so aus, als würde es niemand im Zeitlimit schaffen. Uli ist nah dran, wird aber wahrscheinlich um eine oder eine halbe Stunde scheitern. Sascha, mehrfacher Paris–Brest–Paris Absolvent – und Autor der Strecke, wird wahrscheinlich zwei Stunden über dem Limit landen. Unser Zeitlimit läuft heute Abend 24 Uhr aus. Ich vermute, dass wir dann ein Streckendefizit von ca. 100 km haben werden. Mal schauen, wie es weitergeht. Das Wetter ist recht stabil, manchmal sogar etwas sonnig, die Stimmung ist gut. Pause am Fluss.
Der Tag hat gut und motiviert angefangen, aber der Gegenwind macht uns fertig. Es geht absolut nicht voran. Es ist gleich 15 Uhr, nicht mal 100 km geschafft. Kurze Pause zum Kräfte sammeln: Einkaufen im Supermarkt, runter zum Fluss, Essen, Powernap, Essen, eincremen, los. Wird es helfen?

Hinein in die böhmische Schweiz
Ja, es hat geholfen. Dennoch bleibt es zäh, die Kilometer zählen langsam. Randnotiz: Der Regen ist zurück, zum Glück noch in Maßen. Wir sind jetzt auf dem Weg in die letzte nennenswerte Hügelkette, die böhmische und sächsische Schweiz. Uns wurden hier prächtige Höhenmeter versprochen – wir freuen uns aufs Edelklettern.

Der Regen wurde später noch mehr. Das dicke Ende kommt immer zum Schluss. Kilometertechnisch ist dieser Tag eine totale Pleite. 18 Uhr und 150 km auf der Uhr. Wir müssen etwas unternehmen. Unser Plan: jetzt noch 70 km und 2000 Höhenmeter. Die sogenannten Prachthöhenmeter, ab jetzt also “Climbing Deluxe”, “Champagner Hills” wir kommen, im Sonnenuntergang, im Regen oder halt im Dunkeln. Anvisiertes Ziel ist Bischofswerda, die Notlösung wäre Sebnitz. Unser Gel ist übrigens alle. Was kommt jetzt? Honig aus der Softflasche, etwas verdünnt mit Wasser – auch gut! Wahnsinn, was für ein Geruch hier oben ist. Es riecht hier wie auf dem Weihnachtsbaummarkt. Es ist wunderbar hier oben. Danke, Sascha, es hat sich gelohnt.
Bischofswerda 1000
Wir haben es bis Bischofswerda geschafft. Das Zeitlimit ist vorbei, aber wir haben 1000 km und ca. 10.000 hm geschafft, immerhin. Morgen geht es nach Berlin. Hoffentlich schaffen wir es bis 20 Uhr, dann können wir mit den anderen Teilnehmern noch ein Bier trinken.
Tag der langen Geraden
So, was nun: Ofen aus oder Schlusssprint? Wir starten zunächst recht pünktlich um 6:15 Uhr in Bischofswerda. Das GPS sagt, es sind noch gut 200 km nach Berlin. Und es läuft supergut! Ich hatte viel Respekt vor diesen letzten 200 km. Zunächst rollt es aber richtig gut, wie verrückt. Die ersten Anfragen aus der Chatgruppe nach einer Afterparty heute Abend um 20 Uhr sind bereits eingetrudelt, und wir sind richtig nervös geworden, ob wir das auch schaffen. 200 km Flachetappe – eigentlich kein Ding, aber dieser Wind. Daher große Freude, dass es so gut losgeht. Erste Pause in Pulsitz: Tanke leer kaufen und Kaffee trinken. Zweite Pause in Senftenberg: Supermarkt, Milchreis essen, Dose Monster trinken, weiter.
Ein erstes leichtes Tief zeichnet sich ab, aber das Essen in Senftenberg zündet bald wieder den Turbo, und weiter geht es mit Tempo in Richtung Berlin. Wir korrigieren unsere Ankunftszeit unterwegs bereits von 20 auf 18 Uhr. Innerlich denke ich schon über 16:30 Uhr nach. Wir machen Witze: Wollen wir weiterfahren, an die Ostsee? Und was kommt dann? Klar, natürlich der Mann mit dem Hammer. Allen Versuchen der regelmäßigen, steten Nahrungsaufnahme zum Trotz fallen wir kurz vor Luckau fast vom Rad – alle Speicher restlos leer. Kurze Pause am Straßenrand. Wo ist der Supermarkt? Mist, keiner da. Wo ist die Tanke? 1,8 km entfernt, ab vom Track. Das ist zu weit, wir wollen nach Hause. Also kurz die Taschen durchwühlen, ein, zwei Riegel essen und weiter geht es nach Golßen: Supermarkt, Essen, Powernap und schnell vorm nächsten Regen wieder los.
Zieleinlauf

Der Rest ist Geschichte. Nach den Höhen und Tiefen des Tages haben wir es gut nach Berlin geschafft. Die Einfahrt in die Stadt ist nie ganz einfach: viel Verkehr, unzählige Ampeln, auf engem Raum mit Autos und auf rumpeligen Radwegen. Ach ja, und dann hat es natürlich noch zweimal wie aus Kübeln gegossen. Auf der B96 gab es dazu Gewitter. War klar, sonst wäre es auch zu einfach gewesen. Besonderes Highlight: Unsere Mitstreiter, die vor uns gestartet und gestern angekommen sind, sind pünktlich zu unserer Zieleinfahrt und Finisher-Party ins Amstel House gekommen. So konnten wir direkt nach unserer Ankunft bei einem Bier unsere Heldengeschichten austauschen.


Gefährt und Ausrüstung
Meine Ausrüstung:
● Rahmen: Colnago V3, eigene Lackierung
● Gruppe: SRAM Force 1×13, mechanisch (Stocky’s 13)
● Übersetzung: 34 x 10–42
● Anbauteile: Vieles von Ali-Express und eBay (Lenker, Sattelstütze, Vorbau); Aero Auflieger Profile Design

● Laufräder: Aerycs GCX Terra 40 mit SON Nabendynamo vorn, 55 mm Carbon Laufrad mit DT Swiss 240 hinten (Taiwan, No-Name)
● Reifen: Continental GP 5000 S TR, 32 mm, tubeless
● Pumpe: Elektrische Fahrradpumpe von eBay
● GPS Computer: IGPSport IGS 630
● Taschen: ein Mix aus Restrap Rahmentasche, Cyclite Oberrohrtasche, kleine Apidura
Arschrakete
● Trinkrucksack: USWE, 3l Blase, 5l Packvolumen


Ich hatte auch einen Biwaksack, eine Isomatte, Daunenhose und Jacke dabei. Alles das habe ich nicht gebraucht, weil wir immer ins Hotel gegangen sind. Ohne Essen und Trinken wog das gepackte Fahrrad 15 kg. Das Material hat perfekt gehalten, es gab keine technischen Probleme. Im vorderen Reifen hatte ich einen Durchstich, der hin und wieder gesifft hat, aber nie zu einem richtigen Platten führte. Die Tubeless-Reifen habe ich einmal morgens per Elektropumpe nachgepumpt, hatte aber meist weniger als 0,5 bar verloren. Die Kette habe ich täglich gewachst. Ob ein 34er-Kettenblatt vorn wirklich sinnvoll ist, habe ich mich vor der Tour oft gefragt. Ich habe es dennoch angebaut und war unterwegs sehr zufrieden damit. Ich konnte immer easy kurbeln und sitzen bleiben, egal wie steil es war. Ab Tempo 44 konnte ich nicht mehr treten, aber das habe ich nicht vermisst.

Alle Fotos von Jan-Oliver Kunze.

Weitere tolle Fotos von Jan-Oliver gibt es hier.

Lust bekommen? Es sind übrigens noch Startplätze frei!

Bikeconvoy for Ukraine – ein Bericht von Raoul

Raoul hat ein paar Zeilen zum Soli-Brevet verfasst. Dabei geht es weniger um die Radtour selbst, sondern um die Erlebisse am Ziel der Etappenfahrt. Ein interessanter Einblick in die Realität eines vom Krieg betroffenen Landes, in dem ausgelassene Lebensfreude und trauriger Kriegsalltag dicht beeinander liegen:

Rübezahl 2025

Am Sonntagabend war es endlich soweit, 5 unerschrockene und abenteuerlustige Radler starteten pünktlich, um 16.00 Uhr zum Rübezahl Preride. Nach dem ersten Versuch letzten Sommer wurde der Track an vielen Stellen deutlich geändert und sollte nun final getestet werden. Das ganze Jahr über habe ich das Projekt “Rübezahl” im Kopf gehabt und ständig am Track und am Logo rum gebastelt. Entsprechend aufgeregt war ich am Tag der Abfahrt, zu wenig geschlafen und gegessen, aber jetzt ging es endlich los.

Wie erwartet ging es ohne große Vorkommnisse zügig Richtung Lübben und Cottbus. Sonntagabend hatten wir Straße und Radwege fast für uns alleine. In Cottbus wurde schnell ein platter Reifen repariert und bald waren wir auch schon am Bärwalder See, der zweiten Kontrolle.

Philipp wollte hier schon eine kleine Schlafpause einlegen, da ging es also zu viert weiter. Im Morgengrauen war Görlitz erreicht, und auf polnischer Seite ließen die erwarteten ersten Hügel nicht auf sich warten. Obwohl ich die vom letzten Jahr noch gut in Erinnerung hatte, war es wieder eine größere mentale Herausforderung, nach durchgefahrener Nacht und einsetzendem Nieselregen.

Unsere Gruppe hat sich hier auch so langsam aufgelöst und jeder ist alleine für sich gefahren. In Hejnice hatte der ausgeguckte Bäcker zu, herbe Enttäuschung, ich brauchte doch Kaffee und Frühstück, möglichst im Warmen sitzend.

Im nächsten Ort, Biely Potok, gab es zumindest einen Potraviny mit Hörnchen und Frühstückszutaten. Es folgte der erste größere Anstieg zur Smedava Baude, oben hing immer noch mein Aufkleber vom letzten Jahr, der hat jetzt Gesellschaft bekommen.

Die schöne Abfahrt nach Polubny dieses Jahr leider unter dicken Wolken im Nieselregen. Entlang der Jizera ging es über einen Gravel-Abschnitt Richtung Süden. Das Stück war neu, ein toller Weg, leicht bergab am Berghang. Bei Tageslicht gut fahrbar, nachts sollte man vielleicht die Straße 14, östlich der Jizera, nehmen.

Auf dieser Straße 14 fährt man später sowieso ein ganzes Stück, ist aber nicht so schlimm, wie befürchtet, es gibt zwar Verkehr, aber es geht leicht bergab und der Asphalt ist gut. Zwischendurch kurz in einer Bushaltestelle Augen zu machen und abwarten, wie das mit dem Nieselregen weitergeht. Hin und wieder treffe ich Stefan, der für Rübezahl extra aus Pirna angereist ist. In Jilemnice finde ich einen Radladen, der mir meine etwas lockere Kassette wieder festschraubt. So fährt es sich gleich viel besser. In Hostinné, dem nächsten Kontrollpunkt, treffe ich Stefan mal wieder, vor dem Supermarkt essen und quatschen wir eine Weile. Für einen zünftigen Kneipenbesuch mit Gulasch, Knödeln und Bier ist mir die Zeit noch zu schade.

370km sind geschafft, bei km 413 möchte ich auf dem Campingplatz bei Adersbach eine längere Schlafpause einlegen. Müde bin ich ausreichend, aber ob es schlau ist, tagsüber zu schlafen, zumal es gerade mal nicht regnete, keine Ahnung. Zumal der Zeitpuffer auch nicht so üppig war.

Stefan war jedenfalls nicht überzeugt und fuhr weiter. Ich habe, wie letztes Jahr, eine kleine Hütte gemietet, geduscht, Pizza gegessen und Bier getrunken. Dann für 3 Stunden ab ins weiche Bett. Beim Aufbruch, gegen 20 Uhr traf ich noch Philipp, der am Camping-Imbiss saß. Er hat einen super entspannten Eindruck gemacht und wollte lieber Land und Leute genießen, statt sich um das Zeitlimit zu kümmern. Aus diesem war ich nach der Pause ca. eine Stunde raus. Naja, kann man wieder rausfahren und schlafen ist wichtig. Wenig später, noch mit Tageslicht, ging es fast unbemerkt über die tschechich-polnische Grenze nach Kudowa-Zdroi, wo es nochmal leckeres Tankstellen-Abendessen gab. Hinter Duzniki-Zdroi geht es endlich mal flach über einsame, glatte Straßen an der Stillen Adler entlang bis zur tschechischen Grenze, fantastische Strecke, leider diesmal im Dunkeln. Aber dafür mit Glühwürmchen!

Hinter Mladkov, dem nächsten Kontrollpunkt, km510, gegen 2 Uhr, muss ich mich nochmal unter irgendein Vordach legen. Eine halbe Stunde später geht es weiter Richtung Osten auf der Straße 43, tagsüber mit viel Verkehr, nachts ganz allein. Um nicht zu lange auf dieser Hauptverkehrsstraße zu bleiben, wird Kraliky nördlich umfahren. Damit ist aber auch die Chance auf eine Tanke zum Vorräte auffüllen und Aufwärmen vertan. Es wird hell, es ist feucht und es geht langsam aufwärts Richtung Altvater Gebirge. Meine Flaschen sind so gut wie leer. Ich treffe Uli, der auf einer Picknickbank geruht hat, auch er hat fast kein Wasser mehr. Zum Glück kommt vor dem ersten Anstieg im Altvater Gebirge noch ein Friedhof mit Wasserhahn (Rejhotice). Mit dem Aufstieg beginnt der Regen so richtig, ohne Regenjacke wird es langsam zu kalt, mit Regenjacke und -hose geht es, aber trocken ist schon lange nichts mehr. Mit Regenhose fahren mag ich eigentlich überhaupt nicht, aber gut, dass ich die hier dabeihatte. 12 Grad und Dauerregen sind in kurzen Klamotten echt nicht lustig. Bei der Abfahrt wird der Regen nochmals stärker und knallt mir in die Augen. Wegen der Kälte und dem Zittern fährt es sich ganz schön wackelig, kein Genuss. Wasser läuft überall aus mir raus. Wie soll das denn jetzt weitergehen? Am nächsten Abzweig halte ich am Hotel Stara Posta, ich will in ein warmes, trockenes Bett! Macht erst in anderthalb Stunden auf, alles doof! Unter dem Vordach döse ich eine dreiviertel Stunde und überlege, welche Optionen es gibt. Es ist viel zu früh, alles hat zu. Aber viel gibt es hier sowieso nicht. Es nützt nichts, ich muss weiter die Abfahrt runter, bis zum nächsten Anstieg. Nicht mal beim Bergauffahren wird mir richtig warm, kein gutes Zeichen.

Am Fuß des Praded/Großvater ist Uli gerade wieder startklar und zweifelt keine Sekunde das Vorhaben an, bei strömendem Regen die 666hm bis auf 1491m hochzufahren, um danach 666hm auf überflutetem Asphalt runterzubremsen. Bei mir stand die Chance 50/50, dass ich da jetzt hochfahre. Hätte ich Uli nicht getroffen, hätte ich es wahrscheinlich gelassen. Andererseits hätte ich mir das vermutlich nie verziehen. Schließlich war der Großvater bei km 600 genau Halbzeit, höchster Punkt und Wendepunkt der Tour. Muss also… Auf halbem Weg kam man an einer Baude vorbei, offen. Es gab Kaffee, gebratenen Käse und Pommes. Und Blick auf die Gipfelbaude des Praded. Ich saß im warmen, lüftete meine nassen Sachen und sah zu, wie es immer stärker regnete und der Gipfel immer mehr in den Wolken verschwand. Warum musste ich da jetzt nochmal hoch? Keine Ahnung. Aber die Uhr tickt, schon 5 Stunden aus der Zeit, irgendwie muss es weitergehen. Also hoch da, mit Pommes im Bauch ging das auch wirklich besser. Oben natürlich keine Aussicht, nur schnell das Kontrollfoto mit der im Nebel beeindruckenden Großvater- oder ich nenne sie mal Rübezahl-Skulptur.

Der Endboss

Halbzeit! Immerhin. Während der Abfahrt traf ich Stefan wieder, er sah auch nicht besonders glücklich aus.

Jetzt nur noch raus aus diesem Gebirge, in der Hoffnung, dass das Wetter dann irgendwie besser wird. Wurde es nicht, es schiffte, kaum ein heller Fleck am Himmel. In Rymarov, am südlichen Rand des Gebirges traf ich Uli an einem geöffneten Potraviny. Ich kaufte lustlos irgendwas zu essen und ein paar trockene Socken, wofür auch immer. Im Vorraum aßen wir zusammen, ich hatte keinen Plan. Dass der Regen aufhören sollte, war nicht abzusehen und mit triefnassen Sachen den Rest des Tages und in die Nacht fahren, konnte ich mir nicht vorstellen. Uli wollte trotzdem weiterfahren. Kurzentschlossen bin ich in ein Hotel eingekehrt, lange heiß duschen, alle Sachen ausbreiten und versuchen, mit dem Fön zu trocknen. 3 Stunden halbwegs geschlafen, regnet immer noch. OK, kann ich noch ein bisschen föhnen. Wenn für den nächsten Tag Sonne versprochen worden wäre, wäre ich auch noch die ganze Nacht dortgeblieben. Aber von zu Hause kam die Nachricht, dass ich mich so schnell wie möglich nach Westen begeben sollte, hier kommt nur Starkregen, teilweise mit Unwetterwarnung. Und, oh Wunder, der Regen hat jetzt fast aufgehört. Also doch schnell los, die fast trockenen Sachen und die warmen neuen Socken an, und zusammengepackt.

Die Rezeptionistin guckt erwartungsgemäß komisch, als ich auscheckte. Aber ich dachte mir, alles richtig gemacht, in trockenen Sachen in die Nacht und den Regen sinnvoll im Hotel überbrückt. Das Hochgefühl hielt für eine halbe Stunde, dann regnete es wieder, toll.  Bald war Sumperk erreicht, in der Tanke konnte ich nochmal meine Klamotten lüften und Handy und Navi laden, bevor es Nacht wurde. Beim Losfahren hat der Regen gnädiger Weise fast aufgehört. Ich konnte jetzt sogar die großteils neu geplante Strecke genießen, einsame kleine Straßen und Radwege entlang, bis bei den lustig klingenden Orten Crhov und Cotcytle wieder ein paar kraftraubende Hügel zu bewältigen waren.

Immerhin bleibt man so wach. Ich weiß nicht so genau, ob es gut oder schlecht ist, wenn das Navi immer schon im Voraus piepsender Weise auf Anstiege aufmerksam macht. Ständig starre ich auf die verbleibenden Höhenmeter des Anstiegs, die nicht weniger werden. Uli meldet sich aus der Tanke in Usti nad Orlici, der ist schon weit, der hat’s gut. Noch ca. 30km bis dahin. Aber es fährt sich gut auf dem Radweg zwischen Bahnstrecke und Stiller Adler. Hätte ich auch gern tagsüber mal gesehen. In Usti liegt die 24h-Tanke nicht auf dem Track, ist aber nicht weit. Ich lasse mich mit Handy hin navigieren, leider Route für Autos gewählt und damit einmal um den Ort gefahren, 3 Bonuskilometer. Bestimmt ca. eine Stunde in der Tanke rumgedöst. Schön, dass in Polen und Tschechien die 24h-Tankstellen einen nachts reinlassen. Das nette Personal stört sich nicht groß daran, dass ich ihre Tanke zu meinem komisch riechenden Schlafzimmer mache. Dann muss ich weiter und darf nicht vergessen, am Marktplatz noch mein Kontrollfoto zu machen. Schon ca. 7 Stunden aus dem Zeitlimit. Einige Kilometer vor Hradec Králowé treffe ich im Morgengrauen Stefan wieder. Schön, mal wieder jemanden zum Quatschen zu haben. Ich freue mich, dass auch er noch unterwegs ist nach der vorangegangenen Wasserschlacht. In Hradec Králowé sind wir, bevor die Läden aufmachen. Also mal wieder Tanke. Stefan hat den Plan gefasst, kurz vor der deutschen Grenze den Track zu verlassen und direkt in seinen Heimatort zu fahren. Dann hat er zumindest die 1000km voll. Sich die restlichen 200km bis Berlin zu sparen, kann ich gut verstehen. Der neue Tag bringt statt Regen nun heftigen Gegenwind. Aber auch Sonne, wenigstens nicht mehr nass. Durch liebliche Landschaft geht es bis jicin, mit dem wunderschönen Marktplatz. Danach geht es gleich hoch in die Prachowské Skály, mit einer der schönsten Abschnitte der Tour. Vorbei an Burg Trosky,  und Burg Kost und vielen Sandsteinfelsen. Selbst den Wind spürt man in dieser Gegend nicht so sehr.

Dann geht es zur Umfahrung der üblen Landstraße 268 Richtung Mimon nördlich über eine Radroute auf in Zerfall befindlichem Asphalt. Aber besser als die Landstraße. Früher war hier Militärgebiet, jetzt ist es Naturschutzgebiet, man muss Wildzäune öffnen. Schön und einsam hier. Als Krönung stand irgendwo in dieser Einsamkeit ein Bierzapfautomat! Man kann zwischen Bier, Brause und alkfreiem Radler wählen, zahlt mit EC-Karte und zapft sich sein Kaltgetränk. Sowas sollte an viel mehr Waldwegen stehen! Hier plane ich bestimmt noch eine Kontrolle hin!

Dann kommen bald Mimon, Novy Bor, Cheska Lipa, alles schöne Gegend, leicht hügelig, gut zu fahren. In Kytlice kehre ich dann doch endlich mal in eine Hostinec ein und bestelle Gulasch mit Knödel und Bier. Lange geht der Track ja nicht mehr durch Tschechien und einmal muss das ja wohl sein. Sebnitz ist schon fast in Sichtweite. Ich treffe nochmal kurz Stefan, der gleich Richtung Heimat abbiegt. Die (fast) letzten Höhenmeter der Tour kosten nochmal Körner und bremsen ganz schön, aber Prachthöhenmeter! Irgendwann ist es spät, alle Läden schon zu, also an einer Tanke noch abgepackte Sandwiches für die Nacht gekauft. Dann kommt die Grenze in Sebnitz und der wirklich letzte Anstieg nach Krumhermsdorf. Es wird dunkel und auf die letzten 200km habe ich irgendwie keine Lust, irgendwie Pflichtprogramm. An einer offenen Tankstelle vor Bischofswerda sehe ich erstaunlicherweise Uli noch einmal und werde vom Personal mit den Worten begrüßt: „ich muss sie jetzt sofort rausschmeißen, wir schließen jetzt“. Ich sacke enttäuscht vor der Tanke zusammen und döse, Uli guckt auf die Uhr, rechnet, und will das Zeitlimit noch schaffen. 200km in 11 Stunden. Normalerweise gut machbar, aber nicht für mich durch die Nacht mit 1000km in den Beinen. Ich drücke Uli die Daumen, er muss der Beweis sein, dass man Rübezahl in 90 Stunden schaffen kann, also Go, Uli Go! Ich selbst halte gefühlt an jeder Bushaltestelle an und mache für einige Minuten die Augen zu. In Pulsnitz ein Kontrollfoto vor geschlossenem Rewe, auch nicht sehr aufbauend. In Senftenberg fahre ich extra zu der Tanke, hatte aber verpeilt, dass die auch erst um 6 aufmacht, ich bin anderthalb Stunden zu früh. Ich fahre einen 7km Umweg zum Autohof Schipkau. Da ist früh um 5 noch nicht viel los und es gibt alles was man braucht, sogar duschen könnte man. Ich lümmle aber nur wieder für eine Stunde auf einer weichen Bank rum. Danach geht es mir endlich wieder besser.

In Schlabendorf am See gibt es in einem aus der Zeit gefallenen Bäcker/ Tante -Emma-Laden Kaffee und Kuchen und weiter geht’s immer gegen den Wind Richtung Berlin. Aber erst sind schon fast keine 100km mehr, hundert gehen immer!

Naja, die letzten 100km waren nicht so toll geplant, 10km hinter Luckau geht es auf die B96, teils schlechter Radweg, teils gar kein Radweg, ständig wird man genötigt, die Seite zu wechseln. Kein Vergnügen an einem Donnerstagvormittag. Dann ist aber doch endlich Zossen erreicht, schnell das letzte Kontrollfoto und ein schnelles Radler und dann Endspurt. Der Stadtverkehr zieht sich auch nochmal endlos und am Großen Stern erwischt mich eine Gewitterwolke dermaßen, dass ich kurz darauf tropfend und Wasserpfützen bildend ins Amstel House einfalle und nach einer Dusche verlange. Da muss meine verkeimte, aber trockene Radhose nochmal ran. Premiere, das erste Mal Duschen im Amstel, schön, dass wir diesen Startort haben. Frisch geduscht werde ich von Amstel-Alex persönlich mit Kaffee versorgt. Fertig, geschafft!

Und was haben wir/ich gelernt?
In Tschechien gibt es weniger Bäcker als bei uns aber dafür sind die 24h-Tankstellen nachts offen.

Die geballten Anstiege im Altvater-Gebirge brauchen sich auch nicht vor irgendwelchen Alpenpässen verstecken (vom Anspruch her).


Ohne Regen wäre es noch viel schöner gewesen, als es so schon war. Die Strecke ist nach dem Update wirklich abwechslungsreich.


Die eingerichtete WA-Gruppe hat mich oft motiviert, mit den vielen Kommentaren der Mitfahrer. Ein Beispiel für Brevetpoesie was mir immer noch ein Grinsen ins Gesicht zaubert:

Der Bäcker in Niesky heißt Wolfgang.
Die Quarktasche ist mega.
Und die Sauerkirschen sind reif, ganz besonders in Polen.
So gut, dass ich einfach anhalten muss.
Zugegebenermaßen kommen bei so viel Kirschen die Salzigen Heringe zu kurz. Schmeckt aber auch zusammen.
Und Himbeeren habe ich gefunden!
Zugegebenermaßen leidet die Zeit dabei etwas, aber ist Zeit wirklich leidensfähig? Schön ist es hier jedenfalls. 

Ich habe immer noch keine Routine bei Brevets dieser Größenordnung, mein Pausenmanagement kam mir verbesserungswürdig vor. Aber der Regen hätte sicher sowieso jeden Plan zunichte gemacht.  

Es ist übrigens in 90 Stunden fahrbar, Uli ist mit 89:50h im Amstel angekommen! Man kann das Brevet aber auch fahren und auf das Zeitlimit pfeifen, wahrscheinlich hat man dann in der „Touristenvariante“ sogar mehr von der Strecke.

Es gab verschiedene Ernährungskonzepte:

Und hier der tolle Bericht von Jan O.K.

Und sein Fotoalbum, von dem ich mich für den Beitrag viel bedient habe. Vielen Dank auch an Uli und Raffael für ihre Fotos.

Download file: 2025-05-05_1854528283_Ruebezahl-2025.gpx

600er nach Wismar/Lübeck – ein paar Worte und Fotos

Der 600er 2025 ist schon wieder vorbei. Herzlichen Glückwunsch an alle TeilnehmerInnen, vor allem denjenigen, die das Zeitlimit von 40 Stunden (fast) voll ausgenutzt haben. Die Sonne am Sonntag war ja nochmal eine echte Herausforderung. Aber dafür gab es auf dem Hinweg Rückenwind satt!

Uli hat fleißig fotografiert, danke für die Bilder.

©Uli Keunecke

Neue Strecke, neuer Track, bis Neuruppin allerdings bekanntes Terrain vom diesjährigen 300er. Aber dank Rückenwind und in kleiner angenehmer Gruppe eine ganz neue Erfahrung. Ohne größere Anstrengung mit 35..40km/h einfach so dahinrollen und genießen, toll! Dann ging es leicht hügelig (für Brandenburger Verhältnisse) durch liebliche Landschaft Richtung Lübz, wo viele ihre Mittagspause machten.

Kurz vor km200 hat Streckengott Ingo eine kleine Kopfsteinüberraschung eingebaut, die bestimmt noch eine Weile in Erinnerung bleibt. Gehört dazu.

©Uli Keunecke

Versorgungsmöglichkeiten waren auf dieser Tour eher spärlich gesäht, deshalb war der Edeka in Neukloster bei km230 eine echte Wohltat. Auch am Sonnabend brannte die Sonne schon unerbittlich. In Wismar war dann im weitesten Sinne die Ostsee erreicht, hier könnte man den Track vielleicht so anpassen, dass man mehr Hafen und Altstadt mitbekommt. Der Marktplatz, der als Kontrollstelle diente, war jedenfalls sehenswert. Hinter Wismar haben sich wieder einige Hügel wichtig gemacht und das Vorankommen erschwert.

©Uli Keunecke

Nächstes Highlight war das Stück Ostseestrand um Niendorf, ab km263, mit den Massen von Wohnmobilen, Urlaubern, Campingplätzen und Backfischgeruch. Viele haben sich hier die Zeit für ein kurzes Bad in der Ostsee genommen. Hätte ich mal auch machen sollen.

Den folgenden Abschnitt bis nach Travemunde haben „alte Hasen“ noch vom Hansebrevet in Erinnerung, tolle Bushäuschen gibt es da…

Die Fährfahrt mit der Priwall-Fähre war schön, aber viel zu kurz. Und meine Fahrkarten wollte niemand sehen, Schweinerei.

Kurz vor Bad Schwartau gab es an einer Tanke auch einen Pizza-Imbiss mit etwas Trucker-Flair, da konnten auch andere Randonneure nicht widerstehen. Zumal es langsam Abend wurde und ungewiss war, wo und wann es noch was „vernünftiges“ zu Essen gibt vor der Nacht. (Ja, gut, Lübeck kommt ja noch)

In Lübeck ging es etwas hin und her zum Holstentor, vielleicht kann man das ja noch optimieren. Aber eine schöne Altstadt ist es auf jeden Fall. Viele haben hier ihr Abendmahl eingenommen.

©Uli Keunecke

Dann ging es 70km zur nächsten Kontrolle in Hagenow, der ich irgendwann sehr entgegen gefiebert habe, es wurde streckenweise zäh. Und was gab es an der Tanke in Hagenow: ein Kaffe und n Snickers, nicht sehr kreativ. Kein Appetit auf nix.

Dafür standen vor der Tanke ein Paar Rennradschuhe rum und jeder fragte jeden, wem die gehören.

Der Eigentümer wurde wohl bis zum Schluss nicht gefunden. Wie geht sowas? Fahren hier Einige mit 3 Paar Wechselschuhen durch die Gegend? Oder hat sich jemand abholen lassen und die Schuhe vergessen mitzunehmen? Fragen über Fragen. Die Schuhe wurden übrigens von Ingolf in der Tanke abgegeben, wie lange die dort aufgehoben werden, weiß man nicht.

Aber nach Hagenow darf ich mir was zum Schlafen suchen, habe ich mir schon zu Beginn vorgenommen, damit es am Sonntag nicht viel mehr als 200km zu fahren sind. In Picher, bei km398 gab es dann auch eine schöne Bank mit Dach. Den Schlafsack hätte ich zu Hause lassen können, es war warm genug. Sehr schlau mit dem Kaffee vorher, von den anderthalb Stunden nur die Hälfte geschlafen. Aber gut getan hat es trotzdem. Beim Losfahren war es dicht bewölkt, dass man fast Regen fürchten musste. Aber auf die Sonne war Verlass, um acht brannte sie, wie man es von ihr erwartet. Auf der Haut inzwischen eine dicke Schicht Staub-Fliegen-Schweiß-Sonnenchreme-Emulsion, wiederlich.

In Bad Wilsnack gab es endlich wieder Zivilisation in Form einer Tanke, an der es so halbleckeren Kaffee und belegte Brötchen zum Frühstück gab, besser als nichts, viel Auswahl hat man auf dem Rückweg nicht.

Auf dem Rückweg gab es einige weniger gute Straßen, ich hab mir nicht gemerkt, wo. Aber eventuell fällt es jemandem ein und macht Verbesserungsvorschläge. Prinzipiell muss man damit „im Osten“ aber wohl leben.

Ab Bad Wilsnack kennen viele die Strecke von „Hamburg-Berlin“, schön, das mal bei Sonne mit grüner Landschaft zu erleben. Die „Allee der Depressionen vor Rhino hat Ingo gnädigerweise mit einem super Radweg südlich etwas abgekürzt. In Rhinow gab es noch eine Erfrischungstanke, an der ich festgestellt habe, dass ich sehr gut in der Zeit liege und die 30h theoretisch schaffbar sind. Meist ist mir sowas relativ egal aber da hat es mich geruppt und ich bin los mit Blick nur noch auf die voraussichtliche Zielzeit. Das ging auch bis Schönwalde gut, dort hat dann die Vernunft (?) gesiegt und es gab noch eine Tankstellenpause um den vertrockneten Körper wieder mit Wasser zu befüllen.

Die Einfahrt nach Berlin, über die Schönwalder Allee, ein Kopfsteinpflasterklassiker der Berliner Randonneure, da hätten wahrscheinlich Einige drauf verzichten können. Dann noch etwas nervtötender Stadtverkehr, und schon ist wieder alles vorbei. Einige Mitfahrer saßen schon, oder noch, im Amstel, so dass man sich, wie immer, noch austauschen und auf die Schulter klopfen konnte. Fertig und glücklich.

Hier gibt es ein Video von Stephan.

Hier gibt es die Fotos von Micha.

Für Verwirrung hat bei Einigen gesorgt, dass ihr Track nicht an den Kontrollen in Wismar und Lübeck entlang geführt hat. Im verschickten Original-Track gibt es diese kurzen Abzweige jedoch.

Möglicherweise hat Komoot bei Einigen wieder was optimiert? Oder das Navi selber? Da haben wir keinen Einfluss drauf. Ich persönlich lade den Track aus dem WINDOWS-Download-Ordner auf den Garmin in den Ordner New Files. So klappt das eigentlich in den letzten Jahren immer. Guckt Euch den Track vor dem Losfahren auf dem PC an, dann kann man vorher eventuelle Fragen noch beantworten.

PS: Ich habe es mit Komoot gerade nachgestellt, egal, welche Option man beim Import wählt, der Stich zum Holstentor wird wegoptimiert.

Rübezahl – Streckentest für einen 1200er

Schon vor einiger Zeit kam die Idee auf, mal wieder einen 1000er oder 1200er von Berlin aus zu planen. Um mal was anderes als Brandenburger Alleen zu sehen und ein paar Berge zu fahren, sollte es Richtung Tschechien gehen. Ewigkeiten mit Komoot und anderen Tools geplant, sollte am 25.8. endlich die Testfahrt starten. Am PC sah alles toll aus. Hier nun die Eindrücke aus der Realität.

Um uns den Stadtverkehr aus Berlin zu sparen, ging es um fünf Uhr nachmittags zu zweit (Falk und Sascha) in Königs Wusterhausen los. Angenehme Radwege und leere Straßen. Die Strecke erinnerte zum großen Teil an Berlin-Wien-Berlin in 2018.

Im Spreewald

Rund um Lübben ging es durch den Spreewald im Abendlicht.

Falk im Spreewald

Viele Tiere kreuzen die Straße, man muss aufpassen. Hinter Cottbus ging es auf dem auch im Dunkeln sehr schönen Spreeradweg an der Talsperre vorbei bis nach Spremberg. An der schon vom Pre-Preride am Vorwochende bekannten Tankstelle gab es von der freundlichen Verkäuferin wieder Rauchwurst mit Brötchen und Kaffee. Jetzt mussten wir in der Monotonie der Lausitz durch die Nacht. Am Truppenübungsplatz vorbei auf feinstem Asphalt 10km immer geradeaus, alleine in der Nacht. Auf der leeren Straße fuhr es sich, auch dank der neu angebauten Auflieger, prima. Am Horizont war das Kraftwerk Boxberg zu sehen. Die vier dampfenden Kühltürme sahen aus wie riesige Gespenster (jetzt schon Halluzinationen?). Allerdings zweigte der straßenbegleitende Radweg (und unser Track) irgendwann unbemerkt ab (bei Sprey), was wir aber zum Glück schnell bemerkt haben. Am Bärwalder See ging es zur Abwechslung westlich herum bis Uhyst, von wo aus man nochmal ein tolles Panorama über den See mit dem Kraftwerk auf der anderen Seite hatte.

„Kontrolle“ am Bärwalder See

Weiter über dunkle leere Straßen. Man kommt zweimal durch den Ort See, zumindest zweimal kurz nacheinander an einem entsprechenden Ortseingangsschild vorbei. Bis hierhin eine schöne Strecke – auch oder gerade nachts. Durch Niesky bis zu einer Tanke kurz vor Görlitz, wo es ekligen, lauwarmen Kaffee gab.

Mein Navi piepste immer öfter, um mitzuteilen, dass es keine aktuelle Position findet und nicht mehr navigieren kann. Ab Görlitz dauerhaft kein Empfang mehr. Es half auch nicht, die Aufzeichnung zu stoppen, aus- und wieder einzuschalten. Aber erstmal war ja zum Glück noch Falk in meiner Nähe. Das kann ja was werden, 1000km immer hinter Falk herfahren? Mit Handy und Sprachnavigation fahren? Reichen dafür Powerbank und Handyakku? In Zgorzgelec, hinter der Grenze nach Polen, bei der geplanten Kontrolltanke Navi nochmal eingeschaltet, in allen möglichen Menüs rumgeklickt und 10min in Ruhe gelassen, dann ging es zum Glück wieder, es meldete „navigationsbereit“.

Das eigentliche Abenteuer auf unbekanntem Terrain konnte beginnen. Passend wurde der Asphalt merklich schlechter, und es wurde hügelig. Um nicht auf der, zumindest tagsüber, stark befahrenen L355 fahren zu müssen, ging es über Nebenstraßen bis Platerówka. Der DINO (Lebensmittelladen), als Kontrolle gedacht, öffnete erst um sechs. Pfeilschnell, wie wir waren, hätten wir noch anderthalb Stunden warten müssen. So war es sehr finster und verlassen. Also weiter.

Kurz darauf die Grenze zu Tschechien. Es geht ständig kleine Hügel mehr bergauf als bergab. Das hatten wir so nicht erwartet, im Höhenprofil der Tour sah es so aus, als ob erst nach Hejnice der erste „richtige“ Anstieg, zur „Smědava-Baude“ kommt. In Nové Město pod Smrkem, kurz vor Hejnice hatte kurz nach sechs zum Glück der lang ersehnte Bäcker auf, in den wir, wohl ziemlich grau im Gesicht, reingestolpert sind. Unvorstellbar, dass das noch nicht mal richtig der Anfang war. Wie soll das weitergehen? Wir wollten doch Berge fahren? Was haben wir uns da wieder vorgenommen, als wir/ich im Winter mit völlig verklärten Erinnerungen an vergangene Radabenteuer, diese Strecke planten? Immer im Kopf: 1000DuSud mit doppelt so vielen Höhenmetern ging doch auch (irgendwie). Um Zeit zu schinden zweiten Kaffee und zweites Stück Kuchen bestellen.

Hejnice

Aber muss ja… Uns wurde irgendwie klar, dass wir wohl deutlich langsamer fahren müssen, um überhaupt durchzukommen. Immerhin war es endlich wieder hell und der Anstieg nach Smědava mit 500hm wartete. Es lag vielleicht an der neuen „Langsamfahr-Einstellung“, dem Tageslicht, der moderaten Steigung (ca. 6%?), der schönen Landschaft und/oder dem Kuchen im Bauch, dass wir den Aufstieg schon wieder etwas genießen konnten.

Anstieg zur Smědava-Baude hinter Hejnice
Der erste Gipfel ist geschafft
Die neue Smědava-Baude
Immerhin einen Aufkleber konnte ich kleben

Eine sehr angenehm seichte Abfahrt am Stausee Souš vorbei, fast ohne bremsen zu müssen, entschädigte für die Anstrengung. Das hat schon was, in der Morgensonne mit Tempo 40 leicht geschwungene, glatte Straßen 15km runter zu rauschen.

Stausee der Černá Desná
Fotopause am Stausee

Es ging runter bis ins Tal der Jizera, bevor es auf großer Straße, mit schon ordentlich Verkehr, hinauf Richtung Harrachov ging.

Polubný
Kurz vor Harrachov
Wintersport-Infrastruktur

Harrachov, das klang für mich nach einem lohnenden Ziel in schöner Riesengebirgslandschaft. In der Realität habe ich viel Verkehr, Massentourismus und Bettenburgen wahrgenommen. Vielleicht ein etwas hartes Urteil, aber nachdem es auch im fünften Restaurant kein zweites Frühstück für uns gab (Küche erst ab elf, waren 10:30 Uhr da), wir im einzigen gnädigen Restaurant unsere Räder in einen üblen Fahrradständer stellen sollten, damit wir nichts kaputt machen, und es nicht mal Kofola gab, habe ich mich nicht gerade willkommen gefühlt.

Hinter Harrachov
Steil bergauf, noch Asphalt
Jetzt unbefestigt, mit tollen Regenrinnen

Der Weg hoch nach Dvoračky, mit 1130m der höchste Punkt der Tour, war steil und teilweise unbefestigt. Ständig kreuzen breite garstige Wasserablaufrinnen, die volle Konzentration erfordern. Schinderei.

Unbefestigt, noch steiler

Aber mit Aussicht…
Pause auf 1100m, Chata Dvoračky
Doofer Weg
Falk beim „graveln“
Immerhin „befestigt“
Sogar Asphalt
Beine vertreten
Downhillstrecke

Auch wenn wir nach der kurzen Schiebepassage wieder aufsteigen konnten, war die Abfahrt anstrengend, fast schon gefährlich, sehr schlechter Asphalt und diese üblen Regenrinnen.

Der Anstieg Richtung Horní Mísečky war dann wieder ganz gut zu fahren, so dass man auch von der Umgebung was wahrgenommen hat. So wie man sich das wünscht.

Natur

Allerdings war auch hier die Abfahrt nach Spindlermühle unbefestigt. Grober Schotter trifft es eher als Gravel. Wir wollten einen nicht ganz so steilen Weg testen, der etwas länger war, haben uns damit 100hm extra ebenfalls auf schwer zu fahrenden Schotter eingehandelt und waren, unten angekommen, froh, dass die Räder das unbeschadet mitgemacht haben. Das muss auf jeden Fall nochmal umgeplant werden.

Richtung Spindlermühle

Vielleicht kann man Harrachov und Spindlermühle auch komplett weglassen. Radweg heißt in dieser Gegend definitiv Mountainbike-Trail. Sowas darf eigentlich nur Sophie Matter in ihre Tracks einbauen, aber kein Berliner Möchtegern-Streckenplaner. Wenn schon Schotter-Strapazen, dann möchte ich auch mit spektakulären Bergpanoramen belohnt werden.

Immerhin Riesengebirgspanorama

In Spindlermühle gab es direkt an der Elbbrücke dann endlich mal Knoblauchsuppe, Gulasch mit Knödeln und Kofola. Haben wir uns verdient.

Elbbrücke in Spindlermühle

Aber schon hier, nach dem ganzen Schottergeplage, nach 310km, sind wir aus dem Brevet-Zeitlimit gefallen. Jetzt ging es erstmal für einige Kilometer bergab Richtung Vrchlabi an der Elbe entlang. Nachmittags verkehrsreiche Straße, was bergab aber nicht so sehr gestört hat. Aber es ist heiß, und wir merken immer mehr unser Schlafdefizit.

Rathaus in Hostinne

In Hostinné können wir den schönen Marktplatz kaum noch genießen. Deshalb legen wir uns kurz darauf auf einem Hügel auf die schattige Wiese und machen für 20min die Augen zu.

Marktplatz Hostinné
Powernap

Auf kleinen Straßen geht es etwas frischer durch seichte Hügellandschaft bis kurz vor Trutnov, wo wir auf der Straße 16 den Feierabendverkehr zu spüren bekommen. Von Trutnov haben wir nicht viel mitbekommen, zu viele nervige Autos. Vielleicht kann man den Ort auch irgendwie anders umfahren. Und jetzt auch spürbarer Gegenwind, den hat man in den Bergen nicht so wahrgenommen. Zum Glück ging es bald von der Hauptstraße links weg in die Auffahrt zum Adersbacher Felsenmassiv. An einem offenen, aber menschenleeren Freibad haben wir kurz überlegt zu duschen, die Freiluftdusche war aber leider nicht funktionsfähig. Da haben die Einheimischen eben ein echtes Spektakel verpasst. Auch Übernachten hätte man da gut können, unter einem Partyzelt. War aber leider noch zu früh. Bergauf, Richtung Adersbach, schöne Landschaft, die ersten Sandsteinfelsen sind schon zu sehen. Endlich oben, die Sandsteinwand der „Adersbacher Felsenstadt“ auf der rechten Seite ist echt spektakulär. Fährt man mit Rad leider viel zu schnell dran vorbei.

Adersbach
Adersbach
Rübezahl

Am Bahnhof Adersbach, der nächsten Kontrolle, warte ich auf Falk, Klo war zu, Essen müsste man auch noch irgendwo herbekommen vor der Nacht, keinen Plan, wie lange ich noch fahren will und kann. Dusche wäre auch schön. Falk kommt an und guckt auch irgendwie mufflig. Ja, erstmal weiter und was zum Essen suchen, ist ja auch schon halb acht.

Kurz darauf fahren wir an einem Campingplatz mit vielen kleinen Hüttchen vorbei, bremsen, gucken uns kurz an und sind uns einig. Dach überm Kopf, weiche Matratze, Dusche, Abendbrot, und sogar ein Tagesabschlussbier! Alle Wünsche auf einmal erfüllt. Die Frau an der Rezeption will ca. 10€ pro Person, gibt uns die Schlüssel und guckt ungläubig, als wir sagten, dass wir gegen 2:00 Uhr wieder weiterwollen. Duschen, Hose ausspülen und mit dem ganzen Geraffel klarkommen (stinkende Sachen, frische Sachen, deutsches Geld, tschechisches Geld, Navi, Handy, Powerbank, Duschbad aus Seifenspender in der anderen Klotür holen, dann mit Handvoll Zeug Hose ausziehen) fordert nochmal kognitive Höchstleistungen. 

Endlich frisch geduscht am Campingplatzimbiss, der zum Glück noch eine halbe Stunde aufhat, gibt es Pizza und sogar frisch gezapftes Bier! Das Leben ist so schön!

Schöner Tagesabschluss

Um zwei klingelt der Wecker, fast fünf Stunden geschlafen, sehr komfortabel für einen Brevet. War aber auch nötig. Und das Zeitlimit ist sowieso schon futsch. Im Dunkeln geht es weiter, es dauert eine Weile, bis ich wieder warm und munter werde. Aber kurz hinter der polnischen Grenze hält der Track den nächsten größeren Anstieg bei Ostra Góra für uns bereit. Die Abfahrt rauschen wir bis zur Tanke in Duszniki-Zdrój. Während wir Kaffee trinken, wird es draußen langsam hell. Die Stadt ist mit ihrem Kurpark und vielen historischen Gebäuden unerwartet schön. Am Ortsausgang flüchtet eine Herde Hirsche aus den Parkanlagen vor mir in den Wald. Es geht angenehm autofrei und mit moderater Steigung bergauf entlang einem Bach. Es fährt sich wieder sehr schön.

Hinter Duszniki-Zdrój

Parallel zur tschechischen Grenze, am Flüsschen Černý Potok, ging es im schönen Morgenlicht, jetzt mit leichtem Gefälle durch malerische Landschaft zügig voran. Ein Genuss!

„Schön hier“ haben wir oft gesagt…
…auch hier…
Durch Polen an der tschechischen Grenze
Morgens in Polen
kein Auto seit Stunden
Grenze nach Tschechien

In České Petrovice, am Potraviny gab es mal wieder Hörnchen mit Fleisch- und Käsesalat als ausgedehntes Frühstück.

Nur der Kaffee fehlt
Fast Paris-Brest-Paris-Stimmung
Warnung?
Brücke über die Wilde Adler
Sehr romantisch
Bei České Petrovice

Immer noch auf angenehm verkehrsarmen Straßen ging es weiter Richtung Altvatergebirge, unterbrochen von einer Eis-, Bier- und salzigen Käsepause.

Obelisk in Mladkov

Nach dem „Kontroll-Obelisk“ in Mladkov geht es ein Stück sehr schön einen Radweg entlang.

Radweg mit Haus und Brücke
Radweg mit Felsen
Radweg mit Eisenbahn

Dann biegen wir rechts auf die „Bundesstraße“ 44, bei der ich im Vorfeld schon Bedenken hatte, ob das eine gute Idee ist.

Noch vor der großen Straße

Um die Mittagszeit ist der Verkehr zum Glück nur mäßig, und die Straße ist breit genug, so dass man mit seinem Schleichtempo kein Hindernis ist.

„Bundesstraße“ 44, hoch ins Altvatergebirge

Nach 500 Höhenmetern ist der „Červenohorské sedlo“ erreicht. Kurz nach mir ist Falk auch oben, und wir einigen uns auf eine schnelle Kofola, um dann weiter bis Bruntál, dem östlichsten Punkt unserer Tour, zu fahren und dort ausgiebig Mittag zu essen. Die Abfahrt war dank der gut ausgebauten Straße sehr erfrischend. Vor Bruntál sind aber noch 3 knackige Anstiege zu absolvieren.

Passhöhe im Altvatergebirge
Noch guter Straßenbelag…

Aber so langsam werden wir gleichgültig oder demütig und strampeln stur vor uns hin. Jetzt geht es nur noch bergab bis Bruntál!  Die Freude auf die Abfahrt wurde wegen der üblen Straßen bald getrübt.

…jetzt nicht mehr

Rissiger und bröseliger Asphalt, teilweise unmotiviert geflickt, so wie oft hier auf dem östlichen Abschnitt der Tour. Volle Konzentration und schmerzende Hände.

Endlich ist Bruntál erreicht, eine durchschnittliche tschechische Stadt mit schönem Marktplatz. Endlich Mittagessen und zur Halbzeitfeier sogar ein Bier. Ob das eine gute Idee ist? Musste aber sein.

Lecker! Und nicht an später denken…
Bruntál
Bruntál, Marktplatz

Eigentlich war ja die Hoffnung, dass es jetzt flacher weitergehen würde, nachdem wir aus dem Altvatergebirge raus sind. Der neu geladene Teiltrack versprach aber doch wieder ein abwechslungsreiches Profil.

Kirche auf Berg

Aber ab jetzt fahren wir ja zurück, nach Hause! Nach 30km führte uns der Track doch noch mal durch die südlichen Ausläufer des Altvatergebirges.

In Rýmařov
Kühe an Hügel

Hinter Rýmařov kleine, schlechte Straßen, es geht nochmal hoch und runter. Im dichten Wald wird es schon merklich dunkler. Es geht deutlich mehr bergab als bergauf, herausfordernd ist es trotzdem.

Ständig bremsen, den größten Schlaglöchern ausweichen… Ich darf gar nicht daran denken, wie es nachts ist oder bei Regen oder mit Panne… Ich weiß nicht, ob ich diesen Abschnitt Anderen zumuten möchte. Wir sind froh, diesen finsteren Wald wohlbehalten hinter uns zu haben.

Endlich raus aus dem finstren Wald

Letzter Anstieg vor Šumperk, von oben kann man schon die Lichter der Stadt sehen. Dort gibt es eine 24h-Tanke, wir rauschen zur Abwechslung mal über nicht so schlechte Straßen hinab in die Stadt. Kaffee, Navi und Telefon aufladen und ins Leere starren. Unschlüssig, wie lange wir noch fahren wollen. Beim Weiterfahren wird aber schnell klar, dass wir die nächstbeste Schlafgelegenheit nutzen wollen. Auf einem Stück Vorzeigeradweg kommt bald ein Hotel mit großem Spielplatz und einem Hexenhäuschen, in das wir hineingelockt werden.

Unterkunft für die dritte Nacht

Auch hier schlafen wir wieder mehrere Stunden, bis halb drei der Wecker klingelt. Im Dunkeln fahren wir bald getrennt weiter. Ab Štíty nervt der frühmorgentliche LKW-Verkehr auf der Straße 43 beim Bergauffahren.

Hinter Dolní Heřmanice bin ich fast am Abzweig links in einen Radweg vorbeigefahren. Der ließ sich super fahren. Die angekündigte Brückenbaustelle war zum Glück passierbar. Es wurde langsam hell, und Falk meldete Probleme mit seinem Navi, es findet die Position nicht. Na toll. Nächstes Zwischenziel ist Ústí nad Orlicí, aber es zieht sich, zwar kleine Straßen, aber Berufsverkehr. Die letzten acht Kilometer vor Ústí zum Glück angenehmer Radweg.

Ústí nad Orlicí

Am Marktplatz hat schon früh ein Laden auf, in dem es belegte Brote in allen Varianten, Kaffee, ein WC und Stühle im Warmen gibt. Es ist nämlich morgens doch sehr frisch. Falk kommt zum Glück auch bald an, Navi hat sich wieder beruhigt. Kurz nach Ústí geht es zur Abwechslung mal flach und mit Rückenwind zügig voran.

Frühstück im warmen Belegte-Brote-Laden
Kirche vor Sonne
Kirche auf Hügel
Ort in der Sonne

Allerdings ist die Landschaft auf den nächsten 80 Kilometern sehr reizarm. Wir haben sie tschechische Puszta getauft. Inzwischen knallt die Sonne, der heiße Wind treibt uns durch Rotkohl-, Weißkohl-, und abgeerntete Getreidefelder.

Tschechische Puszta
Rotkohl

Rechts am Horizont kann man die Berge vom Hinweg sehen. Auch keine bessere Alternative für den Rückweg.

Wenigstens kein Verkehr auf den meist gut zu fahrenden Straßen. In Hořice muss man wegen einer Großbaustelle einen Umweg über die Straße 35 in Kauf nehmen, ist aber nur ein kurzes Stück.

Dann ist Jicin erreicht, wo es am wunderschönen Marktplatz mal wieder Knödel zum Mittag gab.

Jicin
Jicin, Markt

So langsam überlege ich, wie lange die Tour wohl noch geht. Laut Zeitlimit müsste man morgen früh um acht wieder in Berlin sein, noch 350km, natürlich nicht mehr zu schaffen.

Dann kann man also auch etwas entspannter fahren. Ich sehne mich nach einer Dusche und so einer Hütte, wie wir vorletzte Nacht gefunden haben, und erinnere mich an einen Campingplatz kurz vor Jetřichovice, auf dem ich mit Familie schon mal war. Da gab es Hütten. Das wären noch 110 km, jetzt ist es 14:00 Uhr. Dort dann den Tag mit einem kalten Bier ausklingen lassen und am nächsten Morgen nochmal ca. 110km nach Senftenberg und dort in die Bahn nach Berlin. Genialer Plan, Falk musste ich nicht lange überreden.

Der neue Plan brachte neue Motivation. Im Böhmischen Paradies ging es jetzt wieder hoch und runter durch die malerische Landschaft mit ihren Sandsteinfelsen.

Böhmisches Paradies

Vorbei an Burg Trosky und mitten durch die schöne Burg Kost. Ich duellierte mich mit E-Bikern und freute mich schon auf das Zielbier.

Burg Trosky
Burg Kost

Vor Mladějov, dem nächsten Kontrollpunkt, hat der Streckenplaner (ich) einen so sinnlosen Abstecher nach rechts den Berg hoch mit Schotterasphalt eingebaut, ärgerlich. Kann der beim Planen nicht das Höhenprofil beachten?

Mir ging irgendwann auf, dass man im Flachland 100km in vier Stunden schaffen kann, aber wenn es hoch und runter geht, sieht das irgendwie anders aus. Es wird immer später, aber die Kilometer werden nicht weniger. Nicht, dass nach acht keiner mehr an der Rezeption auf dem Campingplatz ist! Hinter Mnichovo Hradiště nimmt der Verkehr wieder zu, und der Track führt auf die Straße 268.

Kirche an doofer Straße 268 (nicht im Bild)

Das Navi sagt, 26km dem Straßenverlauf folgen. Ich dachte eigentlich, dreistellige Nummern sind keine Fernverkehrsstraßen, diese war aber fast so ausgebaut, wie eine Autobahn. Geht gar nicht für eine Brevet-Strecke.

Straße 268
Straße 268 mit Brücke

Immerhin war die Straße breit genug, dass die Autos auch bei Gegenverkehr überholen konnten. Das mit dem Sicherheitsabstand ist in Tschechien offensichtlich irgendwie anders geregelt. Sehr nervig.

Aber es gab etwas Rückenwind, und die Steigungen waren sehr sattelschlepperfreundlich, so dass ich gut Strecke machen konnte. Unterwegs nur einmal kurz absteigen und trinken, der Akku war schon ganz schön leer. Nach den 26km bis Mimoň ging es dann noch mal ca. 15km weiter auf dieser Straße.

Kettenblatt auf Wade darf ja auch nicht fehlen. Zum nächsten runden Geburtstag lass ich mir das Motiv tätowieren.

Nach dem Berufsverkehr in Česká Lípa durfte ich endlich diese nervenaufreibende Straße verlassen, und es ging auf einem schönen Bahnradweg langsam nach oben, Richtung Kamenický Šenov am Südhang des Lausitzer Gebirges. Der war toll! Bis der Track rechts abzeigte, hinauf nach Kamenický Šenov. Was für ein garstiger Anstieg als Tagesabschluss! Dauerhafte 13%, ich wollte doch vor acht am Campingplatz sein! Und wieder fragte ich mich, warum muss man da drüber? Auf der Karte eben der kürzeste Weg, wenn man nicht aufs Höhenprofil guckt. Es hätte einen schönen Weg außen herumgegeben.

Oben ist es aber sehr schön im Abendlicht
Abfahrt teilweise über Pflaster

Die Abfahrt war auch nicht optimal, mit Kopfsteinpflaster und vielem Abbiegen in K. Šenov. Da hätte man wohl doch besser die große Straße 13 bis Česká Kamenice genommen. Naja, auch geschafft, jetzt kommen keine Höhenmeter mehr, noch 3 Orte bis zum Camping.

Rezeption ist noch besetzt, Hütten sind aber alle belegt. Toll. Ob ich hier trotzdem duschen darf und mich dann ein paar Stunden auf die Wiese legen darf, frage ich. Das hat die Dame etwas aus dem Konzept gebracht, so eine Frage hat ihr noch nie einer gestellt. Sinngemäße Antwort: Na dann dusch doch, lieg doch wo du willst! Also erstmal ein Bier. Dann Duschen. Kein Seifenspender im Waschraum, also teilweise ausziehen, zum WC laufen, Handvoll Seife machen, zurücklaufen, einhändig den Rest ausziehen, duschen. Wieder kognitive Höchstleistung. Falk ist immer noch nicht da, meldet kurz darauf aber Probleme mit seinem Umwerfer. Dann kommt mir die geniale Idee, nach einem Zelt zu fragen. Ich bestelle noch ein Bier und frage. Sie verschwindet 5min, ich soll warten. Tatsächlich kommt ein Mann und gibt mir ein Zelt. Was ich zu zahlen hätte? Nichts! Na das ist ja toll. Umsonst auf einem Zeltplatz mit geliehenem Zelt übernachten. Wollten die mich nur loswerden, weil ich so komisch aussah oder gerochen habe? Ich baue das Zelt auf und genieße nun doch noch den Abend und warte auf Falk. Als er kommt, trinken wir das restliche Bier und klopfen uns schon mal auf die Schultern, wegen des fast bestandenen Abenteuer.

Jetzt geht es noch durch die Böhmische Schweiz und ab Neustadt nur noch flach. Um halb sechs ist das Zelt abgebaut, und wir sind abfahrbereit. In Jetřichovice hatte ich auf einen Laden gehofft, der ab sechs aufhat, leider erst ab halb acht. Schade, kein Kaffee (und Hörnchen mit Fleisch/Käse-Salat).

Ich wollte unbedingt den (unbefestigten) Radweg von Jetřichovice, direkt durch den Nationalpark ausprobieren. Den hatte ich von früheren Besuchen als sehr schön und fahrbar in Erinnerung.

Böhmische Schweiz
Zu steil, der Schotter

Erst immer schlechter werdender Asphalt, an der Burg Rabštejn vorbei, dann wird es auf Schotter unfahrbar steil. Wir schieben einige hundert Meter bis zur Berghöhe von Na Tokáni. Ab hier abwärts zum Glück auf gutem Asphalt. Wir halten sehnsüchtig Ausschau nach Frühstücksmöglichkeiten.

Eine echte Perla

In Mikulášovice gibt es endlich den ersehnten Potraviny. Frühstückspause, Sachen ausziehen und Sonnencreme, man merkt jetzt schon, dass es wieder sehr warm wird. Den Kaffee müssen wir einige Kilometer an einer Tankstelle trinken.

Und dann sind wir bei Sebnitz auch schon wieder in Deutschland. Zwischen Sebnitz und Neustadt verpassen wir leider den schönen Radweg, um die letzten Höhenmeter hochzustrampeln und fahren auf der Bundesstraße (S154).

Hinter Neustadt wieder eine ungemütlich große Straße (S156), die keinen Spaß macht. In Bischofswerda gab es noch eine Versorgungspause mit einer Großpackung Eis und Wasser. Falk hat seine Übersetzung mit Kabelbindern auf Flachland umgebaut und denkt wegen dem ganzen Ölgeschmadder über Kettenwachs nach.

Kamenz

Kamenz sieht von Weitem ganz nett aus, aber warum ich den Track oben an der Kirche vorbei gelegt habe? Sinnlose Höhenmeter.

Hinter Kamenz zum Glück kleinere Straßen, aber hulleheiß. Als der Track endlich auf den Senftenberger See trifft, warte ich auf Falk und spüle mir im Wasser den Dreck von Armen und Beinen. Wo bleibt denn Falk nun? Kurz darauf ruft er an und fragt, ob wir uns an der Tanke treffen, oder ob er am Bahnhof warten soll. Hätten wir ja vorher mal besprechen können. Offensichtlich ist er irgendwie an mir vorbeigefahren.

Kurz darauf treffen wir uns am Bahnhof wieder. Nach 1018km endlich geschafft Zielgetränk genossen, Fahrkarte gekauft und ab in die Bahn nach Berlin. Ich hoffe, wir haben den Wagen nicht allzu sehr mit unserem Duft verpestet.

Tja, und welche Erkenntnisse haben wir gewonnen?

  1. Beim Planen mehr auf die Höhenmeter achten, eventuell ein paar Kilometer länger außen herum. Sonst ist es möglicherweise schwer, das im Zeitlimit zu schaffen.
  2. Auch auf der Karte nicht als Bundesstraße gekennzeichnete Straßen können zu bestimmten Zeiten viel Verkehr haben, der extrem nervt.
  3. Die Straßen in Tschechien sind oftmals deutlich schlechter als in Deutschland, nichts für Leute, die bayrische Verhältnisse erwarten. Was aber wahrscheinlich kaum zu vermeiden ist, bessere Straßen heißt meist mehr Verkehr.
  4. Trotz allem war es eine sehr schöne Runde, mit vielen Highlights, insbesondere die Abschnitte zwischen Hejnice und Harrachov, die Gegend um Adersbach, der gesamte Abschnitt durch Polen hinter Duszniki-Zdrój, die schnelle, lange Abfahrt im Altvatergebirge vom Červenohorské sedlo und natürlich das Böhmische Paradies.

Ca. ein viertel der Strecke würde ich so nicht mehr fahren wollen und werde da nochmal umplanen. Harrachov und Spindlermühle muss man beispielsweise im Rahmen eines Brevets nicht unbedingt haben. Das heißt, ein offizielles Brevet wird es mit dieser Strecke 2025 vermutlich nicht geben. Eventuell gibt es mit neu geplanter Strecke nochmals einen Preride oder inoffiziellen Brevet, ohne Homologation.

Falk und ich waren mit 28er GP 4Season unterwegs und hatten zum Glück keine Pannen. Es war aber teilweise sehr grenzwertig. Ich hatte vorne 30, hinten max. 30 Zähne, was mir geradeso gereicht hat, Falk meint, ihm wäre das zu stramm. Die neu angebauten Auflieger haben sich, trotz Mehrgewicht, für mich bewährt, große Entlastung für die Hände auf flachen, einsamen Strecken. Powerbank mit 10.000mAh hat, dank der Steckdose in der Campingplatzhütte, locker gereicht, um Navi und Telefon am Leben zu erhalten. Licht ging über Nabendynamo. Falk ist zum Ende der Tour der Umweferschaltzug gerissen, Kabelbinder waren sehr hilfreich. Eine zweite Hose fand ich sehr angenehm, so kann man eine Hose ausspülen und am Rad trocknen. Für die Nacht hatten wir kleine Isomatten und Daunenjacken mit. Lebensmittel- und Wasserversorgung war immer gewährleistet, es gibt in fast jedem Ort einen „Potraviny“ oder ein Lokal.

Und vier Tage nach Ankunft kann ich sagen: Ich fands schön und freue mich auf den nächsten Streckentest! Und nochmal vielen Dank an Falk, der mit mir klaglos, trotz vieler Unschönheiten im Track, dieses Abenteuer bestanden hat. Es ist immer schön, wenn man weiß, da quält sich noch jemand kurz vor, oder hinter einem.

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