600er Nachlese oder: Die Apokalypse von Bad Sülze

War das ein Wetter! Allergrößten Respekt vor allen, die das unter diesen Bedingungen zu Ende gefahren sind! Und ganz besonders: Herzlichen Glückwunsch an diejenigen, die am Wochenende ihren allerersten 600er gefinisht haben! Respekt, Tatjana, Anke, Stephan und die anderen Debütanten auf der 600er Strecke. Das war wirklich ein Brevet der schweren Sorte.

Aber auch Abbrechen, was viele gemacht haben, war keine Schande. Gesundheit geht vor.

Vielen Dank an Til und seine Helferinnen für die grandiose Verpflegungsstelle in Woserin. Es haben sich alle wohl gefühlt und waren begeistert. Es hat an nichts gefehlt. Man wollte gar nicht mehr weg.

Trotz kraftraubendem Wind war der Weg bis zu Til wunderschön, teilweise neue Strecke, und auch am Himmel immer was zu gucken, Sonne, Regenwolken, Gewitterwolken, Regenbogen.

Dank Wind und Regen waren die meisten deutlich langsamer als normal unterwegs, so dass bei Til schon fast Abendbrotzeit war. Zumindest Falk und ich haben Ribnitz-Damgarten erst im Dunkeln erreicht. Und ab hier hatte uns der Regen endgültig fest im Griff. Ab der Ribnitz-Tanke sind wir mit ein paar anderen Unerschrockenen weiter über den Darß gerollt, im Dunkeln mit Starkregen, aber immerhin von hinten. Das hat das Ostsee-Erlebnis etwas geschmälert. Ich hab sie nur durch den Regen auf dem Navi gesehen, schade. Aber, komische Welt, wir wurden von Autofahrern für unsere sehr gute Sichtbarkeit gelobt. Es sah aber auch toll aus, ca. 10 RadfahrerInnen mit Top-Beleuchtung und Warnweste nachts im Regen.

An den Häfen Prerow und Barth war nachts erwartungsgemäß nicht viel los. Einige haben sich in Barth was zum Schlafen gesucht, Falk und ich wollten weiter und wurden für diese Entscheidung kurz darauf bestraft. Regengüsse wie aus Eimern von allen Seiten und Windböen, dass es eine Herausforderung war, den Lenker festzuhalten. Zwischen Regenjacke und -Hose Wassereinbruch, so dass ich innerhalb von Minuten durch und durch nass war. Toll, nachts um zwei. An Schlafpausen war so nicht mehr zu denken, bei acht Grad war es beim Treten schon recht kalt. Bei einem Stopp wäre man sofort ausgekühlt. Aber zum Glück wurde es kurz nach drei schon wieder hell. Die Tanke vor Neukalen hatte halb sechs leider noch zu. Falk hat hier wohl gut gesessen und gefrühstückt. Ich musste bis Malchin auf mein Frühstück warten. Der Wetterbericht versprach für die weitere Strecke nichts Gutes, weiterhin Regenschauer und Wind zumindest nicht von vorn. Demotivierende Aussichten so in nassen Klamotten und schon ganz schön durch. Zum Glück war es dann doch nicht so schlimm und der Müritz-Nationalpark ist immer wieder schön. …Und irgendwann hat man es dann doch bis Berlin geschafft. Hundert gehen immer 😉 Nach Hause bin ich aber diesmal ausnahmsweise mit der S-Bahn gefahren.

Den Track mal andersrum zu fahren war interessant und die Verpflegungsstelle bei km200 war das Highlight der Tour. Gegen den Uhrzeigersinn, wie die Jahre zuvor, war man allerdings ca. 40km eher an der Ostsee und hatte eine größere Chance auf Tageslicht auf dem Darß. Wie seht ihr das?

Im Amstel House liegen wohl noch ein paar Handschuhe, fehlen die wem?

Ansonsten suche ich Tipps für eine Regenhose zum Überziehen mit Trägern, so wie eine lange Radhose, die man ohne Schuhe ausziehen anbekommt. Kennt sowas jemand? Mir hat es, wie gesagt hinten reingeschüttet.

Falls jemand Fotos zum Veröffentlichen hat, gerne her damit, ich hatte keinen Nerv zum Fotografieren.

Unsere Besucherin vom Bodensee war schon fleißig und hat ihre Eindrücke niedergeschrieben. Und ich darf sie hier veröffentlichen, danke Dagmar!

BRM 600 ARA Berlin-Brandenburg

Mein DF wartete ja in Berlin bei @canu auf mich. Bei dem ich freundlicherweise auch die Nacht verbringen durfte, sehr nett, danke! Samstag früh um kurz vor 0600 radelte ich dann zum Startort, dem Amstel House in Moabit. Natürlich mal wieder viel zu früh, ich hatte meine Startzeit erst um 0730.

Dort wie üblich das heiter-gespannte Stelldichein der insgesamt 90 TeilnehmerInnen. Ein Bülk war dabei und @christoph_d mit seinem schicken Pelso Brevet. Und es gab ein Schnittchenpaket für alle, toll!

Dann los. Gleich mal den falschen Abzweig genommen und die falsche Pflasterstraße dahingerumpelt. Naja, die ersten 100 m Originalstrecke waren auch nicht besser. Dann kam die erstere längere Ausfallstraße, wo das DF einige der vernünftigerweise sehr entspannt Startenden überholte.

Die Stadt wurde weniger städtisch und zunächst ging die Szene über in einen schönen Wald. Bei Nauen war man dann endgültig in der Countryside angekommen und jetzt war viel Allee, grüne leichte Wellen auf meistens noch angenehmen Straßen. Allerdings wurde man sofort Opfer eines garstigen Westwinds. Also von der Seite, was das DF bekanntermaßen sehr aus der Ruhe bringt. Die Aufrechtfahrer litten aber sichtlich noch mehr als ich.

Abbildung 1: Im Wald nördlich von Berlin

Ab und zu innerorts mal wieder ein kurzes Stück Pflastergerumpel. Die hatten die Organisatoren mit Fleiß eingebaut. Bremst genau so effizient wie eine 15%-Rampe. Ist nur viel lauter in der Dose…

Nach 67 km in Friesack bei Norma der erste CP. Selfie gemacht, weiter in den Wind und gen Norden. Außer dem blöden Wind war es aber meistens sonnig. Der nächste CP nach 124 km beim Kloster Heiligengrabe, sehr schön! Allerdings kein gastronomisches Angebot, also kurz ein Schnittchen verdrückt und weiter.

Abbildung 2: Beim Norma in Friesack. Christoph mit seinem schicken Pelso Brevet.

Das Wetter wurde leider schlechter. Bis Plau am See – nächster CP – kamen schon die ersten Schauer. Der erste war besonders kräftig, hier konnte ich mich halbwegs retten und rechtzeitig unter das Dach eines Norma retten. In Plau traf man sich bei Rewe. Die ersten Regensachen hingen schon zum Trocknen über den Rädern.

Abbildung 3: Plau am See. O nass is.

Die nächsten 40 km bis km 202 waren halbwegs trocken. Und dann folgte der Höhepunkt des Brevets: ein Szenemitglied der Berliner Randonneurszene – Till – lebt wohl dort am Woseriner See auf einem lauschigen Anwesen. Hier gab es ein Feuerchen, Getränk, ein sensationelles frisch gebackenes Brot und Schmalz dazu, Kuchen und Kaffee. Sensationell, Gartenparty trotz Aprilwetters. Mein Lieblings-Brevet-CP bisher. Toll, danke Till & Familie!

Dann kam eine lange Strecke. Erst zu km 296 mussten wir wieder in Ribnitz-Damgarten einchecken. Blöderweise hatte sich die Meute sehr zerstreut, sodass ich zunächst nicht kapierte, dass mit dem „Tankcenter“ die Aral-Tanke am Ortseingang gemeint war. Ich rollte erst mal vorbei und – na klar – erst mal ein Hügelchen runter, bis ich andere Randonneure traf, die mich aufklärten und ich zurück und den Dreckshügel wieder rauf musste. Nun ja. Was bleibt einem übrig.

Ribnitz-Damgarten ist aber schon so gut wie Ostsee! Ich nahm dann doch den Radweg auf dem Deich, bis auf ein Drängelgitter ging der gut fürs VM. Die Euphorie stieg ins Unermessliche, der Wind gefühlt auch. Und kurz vor Sonnenuntergang hielt ich kurz, latschte durch den Sand über die Düne an den Strand, und – da war sie, die Ostsee! Fast sturmgepeitscht, mächtige Wellen rollten rein, man mochte sich nicht lang aufhalten. Bei km 334 hieß es in Prerow am Hafen wieder einchecken. Bäh, wieder ein Schauer. Schnell weiter.

Abbildung 4: Da war sie, die Ostsee!

Um kurz nach 23 Uhr war ich dann bei km 351 in Barth. Dort musste wieder am Hafen eingecheckt werden. Mein Fahrzeugakku (für Beleuchtung, Blinker und Hupe) war schon sehr runter, also beschloss ich, eine nächtliche längere Pause einzulegen. Aber wo? Das Hotel am Platz reagiert um diese Zeit nicht mehr auf Anrufe, die Geldautomatenbuden machen inzwischen alle um 2300 zu. Dann kreiste ich so im Ort umher und sah einen Rentner mit Fahrrad. Ich sprach ihn an, ob er für mich und mein Mobilchen einen Unterstand wüsste. Er war vom Ort, hatte ein kleines Häuschen mittendrin mit Grundstück und Schuppen. Welchen er mir öffnete für die Nacht. War zwar viel Gerümpel und wenig Platz, aber das DF passte zu zwei Dritteln unters Dach und windgeschützt war das Plätzchen auch ganz gut. Ich war Herrn Wegner seeeehr dankbar! Im Schuppen kuschelte ich mich ins VM in meine Decke und ein paar mal bin ich trotz wenig freundlicher Temperaturen und stürmischen Schüttungen wohl doch eingeschlafen.

Abbildung 5: mein nächtliches Asyl

Abbildung 6: wo das Heck des Velomobils gerade genug rein ging, um unterm Dach zu sein.

Als um 0300 der Morgen graute, schien es tatsächlich aufgehört zu haben zu regnen, welch ein Glück. Das waren nämlich nicht mehr nur einzelne Schauer gewesen, das tobte heftigst! Um kurz nach halb vier machte ich mich vom Acker bzw. vom Schuppen und frühstückte erst mal in der freundlicherweise offenen Tankstelle. Sogar frisch gebackene Hörnchen waren schon da.

Weiter ging es auf sensationell menschenleeren Landstraßen bis nach Malchin. Au weia, die Beine! Autsch! Wie soll das funktionieren? Und dazu waren hier einige wenig steile aber laaaange Anstiege dabei. Und manchmal übelster Asphalt. Es gab immer mal wieder Moment, in denen ich das Gefühl hatte, zu stehen. Au weia. Die Abfahrten waren aber geil. Und so kam ich dann doch am nächsten CP an. Wieder eine Tanke mit grundlegendem gastronomischem Angebot. Einige Kollegen waren jetzt wieder hier, auch Andrea. Sie war in kurzer Hose unterwegs und das bei den inzwischen sehr polaren Temperaturen. Der Rest war aber alles nass, wie sie berichtete. Brevet ist halt auch Durchhalten, wenn’s blöd kommt.

Abbildung 7: Am Kummerower See, schön.

Jetzt wurde es landschaftlich richtig schön, die Strecke aber immer wieder hochgradig VM-untauglich. Zunächst mal sehr wellig am Kummerower See lang (das war noch vor Malchin), aber immerhin auf gutem Asphalt. Danach enterten wir den Nationalpark Müritz, wo es offensichtlich keine ausgebauten Straßen zu geben scheint. Plattenwege, wo das DF grade so auf die Spur passt, munter rauf und runter (warum geht das hier eigentlich so schwer??? Ach echt, 12,9%!!!) und wie oft so WTF-Brachialpflaster kam, habe ich nicht gezählt. Ein wie gesagt superschöner aber mega zäher Abschnitt. Beine gingen aber wieder, Pausen machen und ordentlich essen und trinken hilft.

Dann das nächste Fail: der Akku des Wahoo machte so langsam schlapp. In meiner Umnachtung hatte ich USB-C-Ladeinfrastruktur nur als Ladegerät für die Steckdose mit angewachsenem Ladekabel dabei. Dass das unterwegs leider nicht mit der Powerbank zu verwenden war, ging mir sehr viel zu spät auf. Deswegen musste ich in Ankershagen einen Zwangsstopp im dortigen Schliemann-Museum einlegen. Hier ab es aber Ladestationen für Pedelec-Akkus und ich konnte laden. Noch mal einen Kaffee eingeworfen, nett mit dem Betreiber geplaudert und dann konnte ich weiter. Beim nächsten CP, wieder eine Tanke in Mirow bei km 503 machte ich deswegen nur mein Selfie für die eBrevet-App und bin gleich weiter.

Abbildung 8: Am Schliemann-Museum in Ankershagen

Nur noch ein CP übrig! Das lief jetzt bis auf immer wieder schlechten Belag wieder etwas besser. In Herzberg war der CP eine größere Imbissbude. Unvorsichtigerweise bestellte ich eine große Portion Pommes. Die so unfassbar groß war, dass ich sie nicht mal schaffte! Kaum erwähnenswert, dass draußen mal wieder eine Schüttung runterging und das VM nicht unterm Dach stand. Das gab es dort nämlich leider nicht. WTF.

Aber dann, aber dann, ABER DANN!!!!! Das Ortsschild Berlin bei km 598 erreicht. Wahnsinn. Und gleich darauf die 6 vorne auf dem Kilometerstand. DIE SECHS!!!! Völlig durchflutet von körpereigenen Euphoriedrogen schwenkte ich um ca. 1800 in den Innenhof des Amstel House, natürlich einmal kräftig gehupt. Wahnsinn, geschafft! 617 km am Ende bei mir. Ein wahrlich episches Erlebnis.

Abbildung 9: Der Style völlig zerstört, die Fahrerin sehr glücklich: Am Ziel im Amstel House

Für die Finisher gab es Lasagne und Salat, sehr schön! Dann brach ich zu meinem Hotel auf, mit 12 Bonuskilometern, weil ich wegen vergessenem Drop Bag noch mal zurückmusste. Sport macht doof…

Edit: Die ersten Bilder sind eingetroffen, hier von Uli:

Uli schreibt dazu: Den Wind und den dauernden Regen, nachmittags, abends und die ganze Nacht durch habe ich weniger festgehalten, damit die Hände am Lenker bleiben. Das war schon echt krass. Dafür hatten wir am Sonntag Glück! Erst als wir am Amstelhaus angekommen waren und unser Zielfoto gemacht hatten, brach es aus den Wolken hervor. Unterwegs konnten wir sehen, wie wir immer um den Regen herumgefahren sind. Kleiner Dialog zum Wind von unterwegs: Jens: „Wir haben ja schon seit einer Weile herrlichen Rückenwind!“ Ich gebe nach hinten zurück:“Wenn Du Dir die Fahnen dort anschaust, haben wir klaren Gegenwind.“ Fazit: allein schon WENIGER Gegenwind fühlte sich wie Rückenwind an! 😁

Ein riesiges Dankeschön an Till und seine Familie für seine großartige Gastfreundschaft! Es gab sogar einen Föhn, mit dem sich jemand die Schuhe und Socken trockengeföhnt hat. Lang wird es nicht gehalten haben…

Und allein die Bilder an der Ostsee waren es allemal wert!

Und hier die Bilder von Christoph:

Fotos von Arne:

Fotos von Til:

Und das obligatorische Video von Stephan.

600er nach Wismar/Lübeck – ein paar Worte und Fotos

Der 600er 2025 ist schon wieder vorbei. Herzlichen Glückwunsch an alle TeilnehmerInnen, vor allem denjenigen, die das Zeitlimit von 40 Stunden (fast) voll ausgenutzt haben. Die Sonne am Sonntag war ja nochmal eine echte Herausforderung. Aber dafür gab es auf dem Hinweg Rückenwind satt!

Uli hat fleißig fotografiert, danke für die Bilder.

©Uli Keunecke

Neue Strecke, neuer Track, bis Neuruppin allerdings bekanntes Terrain vom diesjährigen 300er. Aber dank Rückenwind und in kleiner angenehmer Gruppe eine ganz neue Erfahrung. Ohne größere Anstrengung mit 35..40km/h einfach so dahinrollen und genießen, toll! Dann ging es leicht hügelig (für Brandenburger Verhältnisse) durch liebliche Landschaft Richtung Lübz, wo viele ihre Mittagspause machten.

Kurz vor km200 hat Streckengott Ingo eine kleine Kopfsteinüberraschung eingebaut, die bestimmt noch eine Weile in Erinnerung bleibt. Gehört dazu.

©Uli Keunecke

Versorgungsmöglichkeiten waren auf dieser Tour eher spärlich gesäht, deshalb war der Edeka in Neukloster bei km230 eine echte Wohltat. Auch am Sonnabend brannte die Sonne schon unerbittlich. In Wismar war dann im weitesten Sinne die Ostsee erreicht, hier könnte man den Track vielleicht so anpassen, dass man mehr Hafen und Altstadt mitbekommt. Der Marktplatz, der als Kontrollstelle diente, war jedenfalls sehenswert. Hinter Wismar haben sich wieder einige Hügel wichtig gemacht und das Vorankommen erschwert.

©Uli Keunecke

Nächstes Highlight war das Stück Ostseestrand um Niendorf, ab km263, mit den Massen von Wohnmobilen, Urlaubern, Campingplätzen und Backfischgeruch. Viele haben sich hier die Zeit für ein kurzes Bad in der Ostsee genommen. Hätte ich mal auch machen sollen.

Den folgenden Abschnitt bis nach Travemunde haben „alte Hasen“ noch vom Hansebrevet in Erinnerung, tolle Bushäuschen gibt es da…

Die Fährfahrt mit der Priwall-Fähre war schön, aber viel zu kurz. Und meine Fahrkarten wollte niemand sehen, Schweinerei.

Kurz vor Bad Schwartau gab es an einer Tanke auch einen Pizza-Imbiss mit etwas Trucker-Flair, da konnten auch andere Randonneure nicht widerstehen. Zumal es langsam Abend wurde und ungewiss war, wo und wann es noch was „vernünftiges“ zu Essen gibt vor der Nacht. (Ja, gut, Lübeck kommt ja noch)

In Lübeck ging es etwas hin und her zum Holstentor, vielleicht kann man das ja noch optimieren. Aber eine schöne Altstadt ist es auf jeden Fall. Viele haben hier ihr Abendmahl eingenommen.

©Uli Keunecke

Dann ging es 70km zur nächsten Kontrolle in Hagenow, der ich irgendwann sehr entgegen gefiebert habe, es wurde streckenweise zäh. Und was gab es an der Tanke in Hagenow: ein Kaffe und n Snickers, nicht sehr kreativ. Kein Appetit auf nix.

Dafür standen vor der Tanke ein Paar Rennradschuhe rum und jeder fragte jeden, wem die gehören.

Der Eigentümer wurde wohl bis zum Schluss nicht gefunden. Wie geht sowas? Fahren hier Einige mit 3 Paar Wechselschuhen durch die Gegend? Oder hat sich jemand abholen lassen und die Schuhe vergessen mitzunehmen? Fragen über Fragen. Die Schuhe wurden übrigens von Ingolf in der Tanke abgegeben, wie lange die dort aufgehoben werden, weiß man nicht.

Aber nach Hagenow darf ich mir was zum Schlafen suchen, habe ich mir schon zu Beginn vorgenommen, damit es am Sonntag nicht viel mehr als 200km zu fahren sind. In Picher, bei km398 gab es dann auch eine schöne Bank mit Dach. Den Schlafsack hätte ich zu Hause lassen können, es war warm genug. Sehr schlau mit dem Kaffee vorher, von den anderthalb Stunden nur die Hälfte geschlafen. Aber gut getan hat es trotzdem. Beim Losfahren war es dicht bewölkt, dass man fast Regen fürchten musste. Aber auf die Sonne war Verlass, um acht brannte sie, wie man es von ihr erwartet. Auf der Haut inzwischen eine dicke Schicht Staub-Fliegen-Schweiß-Sonnenchreme-Emulsion, wiederlich.

In Bad Wilsnack gab es endlich wieder Zivilisation in Form einer Tanke, an der es so halbleckeren Kaffee und belegte Brötchen zum Frühstück gab, besser als nichts, viel Auswahl hat man auf dem Rückweg nicht.

Auf dem Rückweg gab es einige weniger gute Straßen, ich hab mir nicht gemerkt, wo. Aber eventuell fällt es jemandem ein und macht Verbesserungsvorschläge. Prinzipiell muss man damit „im Osten“ aber wohl leben.

Ab Bad Wilsnack kennen viele die Strecke von „Hamburg-Berlin“, schön, das mal bei Sonne mit grüner Landschaft zu erleben. Die „Allee der Depressionen vor Rhino hat Ingo gnädigerweise mit einem super Radweg südlich etwas abgekürzt. In Rhinow gab es noch eine Erfrischungstanke, an der ich festgestellt habe, dass ich sehr gut in der Zeit liege und die 30h theoretisch schaffbar sind. Meist ist mir sowas relativ egal aber da hat es mich geruppt und ich bin los mit Blick nur noch auf die voraussichtliche Zielzeit. Das ging auch bis Schönwalde gut, dort hat dann die Vernunft (?) gesiegt und es gab noch eine Tankstellenpause um den vertrockneten Körper wieder mit Wasser zu befüllen.

Die Einfahrt nach Berlin, über die Schönwalder Allee, ein Kopfsteinpflasterklassiker der Berliner Randonneure, da hätten wahrscheinlich Einige drauf verzichten können. Dann noch etwas nervtötender Stadtverkehr, und schon ist wieder alles vorbei. Einige Mitfahrer saßen schon, oder noch, im Amstel, so dass man sich, wie immer, noch austauschen und auf die Schulter klopfen konnte. Fertig und glücklich.

Hier gibt es ein Video von Stephan.

Hier gibt es die Fotos von Micha.

Für Verwirrung hat bei Einigen gesorgt, dass ihr Track nicht an den Kontrollen in Wismar und Lübeck entlang geführt hat. Im verschickten Original-Track gibt es diese kurzen Abzweige jedoch.

Möglicherweise hat Komoot bei Einigen wieder was optimiert? Oder das Navi selber? Da haben wir keinen Einfluss drauf. Ich persönlich lade den Track aus dem WINDOWS-Download-Ordner auf den Garmin in den Ordner New Files. So klappt das eigentlich in den letzten Jahren immer. Guckt Euch den Track vor dem Losfahren auf dem PC an, dann kann man vorher eventuelle Fragen noch beantworten.

PS: Ich habe es mit Komoot gerade nachgestellt, egal, welche Option man beim Import wählt, der Stich zum Holstentor wird wegoptimiert.

Wieder was für den Terminkalender…

Wir freuen uns, verkünden zu dürfen, dass Christoph und seine Leute einen 600er von Dortmund nach Berlin auf die Beine stellen werden. Termin ist das Wochenende vom 6. bis 7. September. Weitere Details gibt es hier.

Und wo ich schon bei Terminen bin, am Sonntag, den 15.12.24 ist wieder Vollmondfahrt, diesmal wieder durch Potsdam Richtung Schwilowsee. Treffpunkt ist 19:00 Uhr am S-Bhf. Grunewald. Wie gewohnt, kurze Pause vor historischen Mauern…

Ingo war beim jährlichen ARA-D-Treffen und wir können uns alle auf die Schultern klopfen. Am Standort Berlin gab es dieses Jahr (wieder) die meisten Homologationen und auch die meisten gefahrenen Brevet-Kilometer (Deutschlands).

Bestimmt haben die meisten Interessierten das schon alles selber gefunden, aber falls nicht, dann hier nochmal einige Links, um die trüben Tage besser rumzukriegen:
Eine Reportage über das Transcontinental Race 2024 in der ZDF Mediathek. Meiner Meinung nach recht glattpoliert aber mit schönen Bildern und kleinem Schockmoment gegen Ende. Auf alle Fälle sehenswert.
Eine weitere Reportage vom TCR auf Youtube von einem Mitfahrer (Davis Pazars) aus dem Baltikum finde ich aber deutlich spannender. Auch weil man so schön den körperlichen und mentalen Verfall (bzw. die extrem schwankenden Stimmungen) im Laufe des Events mitverfolgen kann. Und beeindruckend, dass der Protagonist es wirklich schafft, bis zum Ende zu filmen und halbwegs verständliche Sätze in die Kamera zu sprechen. Fängt das Thema (Ultra)Langstrecke sehr gut ein!
Der dritte Link führt zu einem Interview mit Olaf Hilgers, dem langjährigen Organisator aus Bennewitz/Leipzig auf detektor.fm. Olaf erzählt sehr unterhaltsam, was an der Langstrecke so faszinierend ist, wie er dazu gekommen ist und wie das Organisatorenleben so ist. Olaf ist schon ein cooler und vor allem symphatischer Typ!

Und zu guter Letzt: Ingo ist dabei, die Medaillen und Brevetkarten einzutüten und zu verschicken, das macht er aber nicht hauptberuflich, deshalb kann das auch noch ein paar Tage dauern.

600er zum Fichtelberg

Am vergangenen Wochenende wurde unsere neue 600er Strecke testweise unter die Räder genommen. Hier nun einige unstrukturierte Gedanken.

Es war alles dabei: Sonne, Wolken, Starkregen, Nieselregen, Rückenwind, Gegenwind, plattes Land, Hügel, Berge, gute Straßen, schlechte Straßen, ein wenig Schotter/ Gravel, und auch etwas Kopfsteinpflaster. Es ist alles mach/fahrbar, das haben die vier (fast) Erstbefahrer bewiesen. Man kommt mit 28er Reifen überall durch. Die Anstiege waren größtenteils moderat, nur an 3..4 Stellen wurden 18% angezeigt, aber jeweils nur für wenige Meter, das kann man zur Lockerung auch mal schieben. Es ist eher die Gesamtzahl an Höhenmetern (ca. 4000), die das ganze für uns Berliner ziemlich anstrengend macht. Wer als Kalkulationsgrundlage seine Zeiten vom Darß – 600er nimmt, sollte eventuell noch 4 bis 6 Stunden draufschlagen. Wir waren gegen 21 Uhr zurück in Amstel House.

Raus ging es über erprobte, ampelgespickte Straßen Richtung Zehlendorf und Teltow. Bis Torgau eignet sich die Strecke sehr gut, um auf meistens guten, aber reizarmen Straßen Tempo zu machen und Zeitpuffer aufzubauen. Bald nach Torgau fängt es an, hügelig zu werden und Gruppe fahren wird schwieriger.

Ab Mittweida (km211) fährt man mehr oder weniger parallel zur Zschopau bis zur Grenze in Bärenstein. Dieser Abschnitt, bis hoch zum Fichtelberg, war für mich der schönste auf dieser Tour.

Im Erzgebirge und in Tschechien schließen viele Tanken und Läden um 22Uhr, darauf sollte man bei der Versorgung für die Nacht achten.In Weipert/Vejprty, gleich hinter der Grenze, gibt es zumindest eine Tankstelle, die bis 23 Uhr geöffnet hat. Einige Restaurants an der Grenze waren auch noch beleuchtet, aber ob es noch was zu essen gab haben wir nicht getestet. Auch in Oberwiesenthal sah es gegen 11 Uhr schon ziemlich finster aus. Oben auf dem Fichtelberg hatten wir allerdings Glück, der Eingangsbereich vom Fichtelberghaus war offen und warm. Toilette und Wasser habe ich dort leider nicht gefunden.

Auch nach dem Fichtelberg, den die Meisten warscheinlich spätabends/ nachts erreichen, sollte man seine Versorgung gut planen. Hier einige Möglichkeiten, auf oder nahe der Strecke:

Km 300: Restaurant „Na Hranice“, laut Google 24h geöffnet, vor dem Fichtelberg auf B95 bleiben, kurz hinter der Grenze rechts.

Km 316: Friedhof in Rittersgrün für Wasser.

KM 323: Friedhof in Erla hinter Kirche linke Seite.

Km 333: Lauter-Bernsdorf OIL! Tankstelle 24h.

KM 354: TOTAL Autohof 24h, Track geht jetzt direkt daran vorbei.

Km363: Mülsen, nicht auf Track, B173 100m links rein, Freie Tankstelle, ab 6:00 Uhr

Km 375: nicht auf Track, B175 rechts 2km Richtung Glauchau, erst Esso (5-23), dann SPRINT (24h)

Und dann ist man auch schon fast an der Steilen Wand in Meerane, wo es früh am Morgen aber auch nichts zu essen gibt. Aber bald nach dem ganzen üblen Straßenbelag kommt in Gößnitz (km387) eine STAR-Tanke (ab 6:00 Uhr).

Km 400: Altenburg, mehrere Tankstellen, aber spätestens hier werden die meisten schon im Hellen vorbei kommen…

Auf dem Hinweg ist die Versorgung kein Problem, in jedem größeren Ort gibt es Supermärkte, die bis mind. 20h geöffnet haben. Auch nach Altenburg gab es am Sonntag genug Tankstellen.

Hier noch ein paar Bilder von unserer Testfahrt, es war teilweise sehr nass.

Irgendwo an der Zschopau geht der Radweg plötzlich links weg und man hat keine Chance mehr zu schalten.

… Abstand halten, absteigen und schieben…

I

Trotz Unwetterwarnung für den Fichtelberg sind wir gut hochgekommen, allerdings nass und im Dunkeln. Warme, trockene Klamotten, inkl. Handschuhe, waren für die Abfahrt sehr hilfreich. Man rollt eine ganze Weile bergab…

Ich finde die Strecke sehr reizvoll und würde sie auch nochmal so fahren. Sie hat auf hin-und Rückweg einige langatmige Abschnitte, das lässt sich aber kaum vermeiden, wenn man von Berlin aus zum Fichtelberg will. Und Meerane bleibt drin, wurde von vier Leuten einstimmig beschlossen (weil historisch und Streckenplanerhumor).

Einige schlechte Abschnitte und sinnlose Schlenker konnten noch ausgemerzt werden. Größter Wermutstropfen bleibt das Stück von Bad Düben nach Wittenberg. Das ist größtenteils Bundesstraße ohne Radweg, Verkehr war Sonntag Mittag mäßig. Wenn man bei ca. 600km bleiben will, gibt es da leider keine (asphaltierte) Alternative. Es gab insgesamt 3 oder 4 Straßensperrungen, die aber alle problemlos durch- oder umfahren werden können.

Hier noch ein Link von Tobias mit einigen POIs, vielleicht hilft das ja jemandem.

 Da es möglicherweise für Einige günstiger ist, früher zu starten, werden wir Startfenster ab 5 Uhr einrichten.

600er zum Darß, Nachlese

Herzlichen Glückwunsch an alle Teilnehmer und -innen, die sich auf die Strecke zum Darß getraut haben. Ganz besonderen auch Respekt den Abendstartern, die 19:00 Uhr zusammen mit dem pünktlich einsetzenden Starkregen aus Berlin losgerollt sind! Mentale Großleistung!

Ich hoffe, alle hatten, trotz teilweise schlechten Straßen, geschlossenen Tankstellen und Wolkenbrüchen, zumindest überwiegend Spaß.

Die ersten Fotos sind schon eingetroffen. Teilweise echt spektakulär! Wenn jemand zeigenswerte Fotos teilen möchte, bitte zusenden. Ich packe die dann wieder gesammelt in einen Dropbox-Ordner oder stelle hier die entsprechenden Links rein.

Fotos von Mario

Fotos von David

Fotos von Micha

Fotos gesammelt in Dropbox, aktualisiert 26.6.2023

600er geschafft -Ein Bericht von Antje

Hagelchaos auf dem Rückweg

Pannen und Unfälle mit Waschbären gab es leider auch. Gute Besserung den Betroffenen!
Randonneurhotel mal anders: Autowaschanlage in Teterow

Schön, dass die Aufkleber gut angekommen sind und vielen Dank für die großzügigen Spenden dafür. Die können die engagierten Damen von Bikeygees sichr gut gebrauchen.

Als wir Sonntagmittag im Amstel House ankamen, war die Verblüffung groß, alle Kühlschränke leer! Da bei den letzten Brevets immer massenhaft Essen übriggeblieben ist, was weggeschmissen werden muss, wurde diesmal deutlich weniger bestellt.

Ja, das Kalkulieren der benötigten Essen im Ziel ist schwierig. Zum Beispiel gab es für den 600er (Abend- und Morgenstart) ca. 220 Anmeldungen, davon haben sich, bis wenige Stunden vor Start, wieder 63 Leute abgemeldet, 30 Leute sind ohne Abmeldung ferngeblieben. Gestartet sind dann insgesamt 129 Teilnehmer, von denen ein gewisser Teil keinen Wert auf Lasagne im Ziel legt.

Also die Frage, wieviel bestellt man zwei Wochen vor dem Termin im Amstel House? Man kann es nicht genau abschätzen. Da müssen wir für die nächste Saison andere Lösungen finden.

Und noch etwas weniger Schönes: die Dame in der 24h-Tankstelle in Heiligengrabe hat mich zu Recht mit muffeligem Gesicht bedient. Das Personal dort war sehr angefressen vom Verhalten einiger Mitfahrer. Es lagen wohl Müll, Flaschen und Geschirr auf dem gesamten Gelände verteilt herum. Sie wollen eventuell keine Stempel mehr verteilen. Auch, wenn man nach 400km Radfahren schon etwas durch ist, sollte man in der Lage sein, sich wie zivilisierte Menschen zu benehmen, dem Personal gegenüber höflich sein und seinen Dreck (auch die Pfandflaschen) selber wegzuräumen. Wir sind auf solche Tankstellen angewiesen!

Aber alles in Allem wird dieser 600er wohl noch lange Gesprächsstoff liefern: Gewitter, Hagel, Waschanlagenhotel, tolles Wetter, schöne Straßen, schlechte Straßen, Kopfsteinpflaster, Plattenwege, Ostsee im Morgenlicht und in der Abendsonne, Pizza statt Lasagne im Amstel House, nette Autofahrer, böse Autofahrer, wilde Tiere in der Nacht, Pannen in der Nacht, NETTE MITFAHRER.