600er Nachlese oder: Die Apokalypse von Bad Sülze

War das ein Wetter! Allergrößten Respekt vor allen, die das unter diesen Bedingungen zu Ende gefahren sind! Und ganz besonders: Herzlichen Glückwunsch an diejenigen, die am Wochenende ihren allerersten 600er gefinisht haben! Respekt, Tatjana, Anke, Stephan und die anderen Debütanten auf der 600er Strecke. Das war wirklich ein Brevet der schweren Sorte.

Aber auch Abbrechen, was viele gemacht haben, war keine Schande. Gesundheit geht vor.

Vielen Dank an Til und seine Helferinnen für die grandiose Verpflegungsstelle in Woserin. Es haben sich alle wohl gefühlt und waren begeistert. Es hat an nichts gefehlt. Man wollte gar nicht mehr weg.

Trotz kraftraubendem Wind war der Weg bis zu Til wunderschön, teilweise neue Strecke, und auch am Himmel immer was zu gucken, Sonne, Regenwolken, Gewitterwolken, Regenbogen.

Dank Wind und Regen waren die meisten deutlich langsamer als normal unterwegs, so dass bei Til schon fast Abendbrotzeit war. Zumindest Falk und ich haben Ribnitz-Damgarten erst im Dunkeln erreicht. Und ab hier hatte uns der Regen endgültig fest im Griff. Ab der Ribnitz-Tanke sind wir mit ein paar anderen Unerschrockenen weiter über den Darß gerollt, im Dunkeln mit Starkregen, aber immerhin von hinten. Das hat das Ostsee-Erlebnis etwas geschmälert. Ich hab sie nur durch den Regen auf dem Navi gesehen, schade. Aber, komische Welt, wir wurden von Autofahrern für unsere sehr gute Sichtbarkeit gelobt. Es sah aber auch toll aus, ca. 10 RadfahrerInnen mit Top-Beleuchtung und Warnweste nachts im Regen.

An den Häfen Prerow und Barth war nachts erwartungsgemäß nicht viel los. Einige haben sich in Barth was zum Schlafen gesucht, Falk und ich wollten weiter und wurden für diese Entscheidung kurz darauf bestraft. Regengüsse wie aus Eimern von allen Seiten und Windböen, dass es eine Herausforderung war, den Lenker festzuhalten. Zwischen Regenjacke und -Hose Wassereinbruch, so dass ich innerhalb von Minuten durch und durch nass war. Toll, nachts um zwei. An Schlafpausen war so nicht mehr zu denken, bei acht Grad war es beim Treten schon recht kalt. Bei einem Stopp wäre man sofort ausgekühlt. Aber zum Glück wurde es kurz nach drei schon wieder hell. Die Tanke vor Neukalen hatte halb sechs leider noch zu. Falk hat hier wohl gut gesessen und gefrühstückt. Ich musste bis Malchin auf mein Frühstück warten. Der Wetterbericht versprach für die weitere Strecke nichts Gutes, weiterhin Regenschauer und Wind zumindest nicht von vorn. Demotivierende Aussichten so in nassen Klamotten und schon ganz schön durch. Zum Glück war es dann doch nicht so schlimm und der Müritz-Nationalpark ist immer wieder schön. …Und irgendwann hat man es dann doch bis Berlin geschafft. Hundert gehen immer 😉 Nach Hause bin ich aber diesmal ausnahmsweise mit der S-Bahn gefahren.

Den Track mal andersrum zu fahren war interessant und die Verpflegungsstelle bei km200 war das Highlight der Tour. Gegen den Uhrzeigersinn, wie die Jahre zuvor, war man allerdings ca. 40km eher an der Ostsee und hatte eine größere Chance auf Tageslicht auf dem Darß. Wie seht ihr das?

Im Amstel House liegen wohl noch ein paar Handschuhe, fehlen die wem?

Ansonsten suche ich Tipps für eine Regenhose zum Überziehen mit Trägern, so wie eine lange Radhose, die man ohne Schuhe ausziehen anbekommt. Kennt sowas jemand? Mir hat es, wie gesagt hinten reingeschüttet.

Falls jemand Fotos zum Veröffentlichen hat, gerne her damit, ich hatte keinen Nerv zum Fotografieren.

Unsere Besucherin vom Bodensee war schon fleißig und hat ihre Eindrücke niedergeschrieben. Und ich darf sie hier veröffentlichen, danke Dagmar!

BRM 600 ARA Berlin-Brandenburg

Mein DF wartete ja in Berlin bei @canu auf mich. Bei dem ich freundlicherweise auch die Nacht verbringen durfte, sehr nett, danke! Samstag früh um kurz vor 0600 radelte ich dann zum Startort, dem Amstel House in Moabit. Natürlich mal wieder viel zu früh, ich hatte meine Startzeit erst um 0730.

Dort wie üblich das heiter-gespannte Stelldichein der insgesamt 90 TeilnehmerInnen. Ein Bülk war dabei und @christoph_d mit seinem schicken Pelso Brevet. Und es gab ein Schnittchenpaket für alle, toll!

Dann los. Gleich mal den falschen Abzweig genommen und die falsche Pflasterstraße dahingerumpelt. Naja, die ersten 100 m Originalstrecke waren auch nicht besser. Dann kam die erstere längere Ausfallstraße, wo das DF einige der vernünftigerweise sehr entspannt Startenden überholte.

Die Stadt wurde weniger städtisch und zunächst ging die Szene über in einen schönen Wald. Bei Nauen war man dann endgültig in der Countryside angekommen und jetzt war viel Allee, grüne leichte Wellen auf meistens noch angenehmen Straßen. Allerdings wurde man sofort Opfer eines garstigen Westwinds. Also von der Seite, was das DF bekanntermaßen sehr aus der Ruhe bringt. Die Aufrechtfahrer litten aber sichtlich noch mehr als ich.

Abbildung 1: Im Wald nördlich von Berlin

Ab und zu innerorts mal wieder ein kurzes Stück Pflastergerumpel. Die hatten die Organisatoren mit Fleiß eingebaut. Bremst genau so effizient wie eine 15%-Rampe. Ist nur viel lauter in der Dose…

Nach 67 km in Friesack bei Norma der erste CP. Selfie gemacht, weiter in den Wind und gen Norden. Außer dem blöden Wind war es aber meistens sonnig. Der nächste CP nach 124 km beim Kloster Heiligengrabe, sehr schön! Allerdings kein gastronomisches Angebot, also kurz ein Schnittchen verdrückt und weiter.

Abbildung 2: Beim Norma in Friesack. Christoph mit seinem schicken Pelso Brevet.

Das Wetter wurde leider schlechter. Bis Plau am See – nächster CP – kamen schon die ersten Schauer. Der erste war besonders kräftig, hier konnte ich mich halbwegs retten und rechtzeitig unter das Dach eines Norma retten. In Plau traf man sich bei Rewe. Die ersten Regensachen hingen schon zum Trocknen über den Rädern.

Abbildung 3: Plau am See. O nass is.

Die nächsten 40 km bis km 202 waren halbwegs trocken. Und dann folgte der Höhepunkt des Brevets: ein Szenemitglied der Berliner Randonneurszene – Till – lebt wohl dort am Woseriner See auf einem lauschigen Anwesen. Hier gab es ein Feuerchen, Getränk, ein sensationelles frisch gebackenes Brot und Schmalz dazu, Kuchen und Kaffee. Sensationell, Gartenparty trotz Aprilwetters. Mein Lieblings-Brevet-CP bisher. Toll, danke Till & Familie!

Dann kam eine lange Strecke. Erst zu km 296 mussten wir wieder in Ribnitz-Damgarten einchecken. Blöderweise hatte sich die Meute sehr zerstreut, sodass ich zunächst nicht kapierte, dass mit dem „Tankcenter“ die Aral-Tanke am Ortseingang gemeint war. Ich rollte erst mal vorbei und – na klar – erst mal ein Hügelchen runter, bis ich andere Randonneure traf, die mich aufklärten und ich zurück und den Dreckshügel wieder rauf musste. Nun ja. Was bleibt einem übrig.

Ribnitz-Damgarten ist aber schon so gut wie Ostsee! Ich nahm dann doch den Radweg auf dem Deich, bis auf ein Drängelgitter ging der gut fürs VM. Die Euphorie stieg ins Unermessliche, der Wind gefühlt auch. Und kurz vor Sonnenuntergang hielt ich kurz, latschte durch den Sand über die Düne an den Strand, und – da war sie, die Ostsee! Fast sturmgepeitscht, mächtige Wellen rollten rein, man mochte sich nicht lang aufhalten. Bei km 334 hieß es in Prerow am Hafen wieder einchecken. Bäh, wieder ein Schauer. Schnell weiter.

Abbildung 4: Da war sie, die Ostsee!

Um kurz nach 23 Uhr war ich dann bei km 351 in Barth. Dort musste wieder am Hafen eingecheckt werden. Mein Fahrzeugakku (für Beleuchtung, Blinker und Hupe) war schon sehr runter, also beschloss ich, eine nächtliche längere Pause einzulegen. Aber wo? Das Hotel am Platz reagiert um diese Zeit nicht mehr auf Anrufe, die Geldautomatenbuden machen inzwischen alle um 2300 zu. Dann kreiste ich so im Ort umher und sah einen Rentner mit Fahrrad. Ich sprach ihn an, ob er für mich und mein Mobilchen einen Unterstand wüsste. Er war vom Ort, hatte ein kleines Häuschen mittendrin mit Grundstück und Schuppen. Welchen er mir öffnete für die Nacht. War zwar viel Gerümpel und wenig Platz, aber das DF passte zu zwei Dritteln unters Dach und windgeschützt war das Plätzchen auch ganz gut. Ich war Herrn Wegner seeeehr dankbar! Im Schuppen kuschelte ich mich ins VM in meine Decke und ein paar mal bin ich trotz wenig freundlicher Temperaturen und stürmischen Schüttungen wohl doch eingeschlafen.

Abbildung 5: mein nächtliches Asyl

Abbildung 6: wo das Heck des Velomobils gerade genug rein ging, um unterm Dach zu sein.

Als um 0300 der Morgen graute, schien es tatsächlich aufgehört zu haben zu regnen, welch ein Glück. Das waren nämlich nicht mehr nur einzelne Schauer gewesen, das tobte heftigst! Um kurz nach halb vier machte ich mich vom Acker bzw. vom Schuppen und frühstückte erst mal in der freundlicherweise offenen Tankstelle. Sogar frisch gebackene Hörnchen waren schon da.

Weiter ging es auf sensationell menschenleeren Landstraßen bis nach Malchin. Au weia, die Beine! Autsch! Wie soll das funktionieren? Und dazu waren hier einige wenig steile aber laaaange Anstiege dabei. Und manchmal übelster Asphalt. Es gab immer mal wieder Moment, in denen ich das Gefühl hatte, zu stehen. Au weia. Die Abfahrten waren aber geil. Und so kam ich dann doch am nächsten CP an. Wieder eine Tanke mit grundlegendem gastronomischem Angebot. Einige Kollegen waren jetzt wieder hier, auch Andrea. Sie war in kurzer Hose unterwegs und das bei den inzwischen sehr polaren Temperaturen. Der Rest war aber alles nass, wie sie berichtete. Brevet ist halt auch Durchhalten, wenn’s blöd kommt.

Abbildung 7: Am Kummerower See, schön.

Jetzt wurde es landschaftlich richtig schön, die Strecke aber immer wieder hochgradig VM-untauglich. Zunächst mal sehr wellig am Kummerower See lang (das war noch vor Malchin), aber immerhin auf gutem Asphalt. Danach enterten wir den Nationalpark Müritz, wo es offensichtlich keine ausgebauten Straßen zu geben scheint. Plattenwege, wo das DF grade so auf die Spur passt, munter rauf und runter (warum geht das hier eigentlich so schwer??? Ach echt, 12,9%!!!) und wie oft so WTF-Brachialpflaster kam, habe ich nicht gezählt. Ein wie gesagt superschöner aber mega zäher Abschnitt. Beine gingen aber wieder, Pausen machen und ordentlich essen und trinken hilft.

Dann das nächste Fail: der Akku des Wahoo machte so langsam schlapp. In meiner Umnachtung hatte ich USB-C-Ladeinfrastruktur nur als Ladegerät für die Steckdose mit angewachsenem Ladekabel dabei. Dass das unterwegs leider nicht mit der Powerbank zu verwenden war, ging mir sehr viel zu spät auf. Deswegen musste ich in Ankershagen einen Zwangsstopp im dortigen Schliemann-Museum einlegen. Hier ab es aber Ladestationen für Pedelec-Akkus und ich konnte laden. Noch mal einen Kaffee eingeworfen, nett mit dem Betreiber geplaudert und dann konnte ich weiter. Beim nächsten CP, wieder eine Tanke in Mirow bei km 503 machte ich deswegen nur mein Selfie für die eBrevet-App und bin gleich weiter.

Abbildung 8: Am Schliemann-Museum in Ankershagen

Nur noch ein CP übrig! Das lief jetzt bis auf immer wieder schlechten Belag wieder etwas besser. In Herzberg war der CP eine größere Imbissbude. Unvorsichtigerweise bestellte ich eine große Portion Pommes. Die so unfassbar groß war, dass ich sie nicht mal schaffte! Kaum erwähnenswert, dass draußen mal wieder eine Schüttung runterging und das VM nicht unterm Dach stand. Das gab es dort nämlich leider nicht. WTF.

Aber dann, aber dann, ABER DANN!!!!! Das Ortsschild Berlin bei km 598 erreicht. Wahnsinn. Und gleich darauf die 6 vorne auf dem Kilometerstand. DIE SECHS!!!! Völlig durchflutet von körpereigenen Euphoriedrogen schwenkte ich um ca. 1800 in den Innenhof des Amstel House, natürlich einmal kräftig gehupt. Wahnsinn, geschafft! 617 km am Ende bei mir. Ein wahrlich episches Erlebnis.

Abbildung 9: Der Style völlig zerstört, die Fahrerin sehr glücklich: Am Ziel im Amstel House

Für die Finisher gab es Lasagne und Salat, sehr schön! Dann brach ich zu meinem Hotel auf, mit 12 Bonuskilometern, weil ich wegen vergessenem Drop Bag noch mal zurückmusste. Sport macht doof…

Edit: Die ersten Bilder sind eingetroffen, hier von Uli:

Uli schreibt dazu: Den Wind und den dauernden Regen, nachmittags, abends und die ganze Nacht durch habe ich weniger festgehalten, damit die Hände am Lenker bleiben. Das war schon echt krass. Dafür hatten wir am Sonntag Glück! Erst als wir am Amstelhaus angekommen waren und unser Zielfoto gemacht hatten, brach es aus den Wolken hervor. Unterwegs konnten wir sehen, wie wir immer um den Regen herumgefahren sind. Kleiner Dialog zum Wind von unterwegs: Jens: „Wir haben ja schon seit einer Weile herrlichen Rückenwind!“ Ich gebe nach hinten zurück:“Wenn Du Dir die Fahnen dort anschaust, haben wir klaren Gegenwind.“ Fazit: allein schon WENIGER Gegenwind fühlte sich wie Rückenwind an! 😁

Ein riesiges Dankeschön an Till und seine Familie für seine großartige Gastfreundschaft! Es gab sogar einen Föhn, mit dem sich jemand die Schuhe und Socken trockengeföhnt hat. Lang wird es nicht gehalten haben…

Und allein die Bilder an der Ostsee waren es allemal wert!

Und hier die Bilder von Christoph:

Fotos von Arne:

Fotos von Til:

Und das obligatorische Video von Stephan.

Organisatorisches 2026

2025 ist fast vorbei, die neue Brevet-Saison startet in Kürze (zumindest die Anmeldung dafür). Jetzt ist Zeit, sich Gedanken zur kommenden Saison zu machen und mal wieder was zu schreiben. Also, was bringt 2026?

Fast alle Strecken stehen fest, neben den Klassikern der Meerglas-200er von Tom, der zweite 600er „Budelage“ von Berlin nach Dortmund, und wieder ein FLINTA*-200er! Und natürlich Saschas „Rübezahl“ 1200er, jetzt mit finaler Strecke.

Bei der Anmeldung gehen wir neue Wege. Ab diesem Jahr nutzen wir Race Result, einen externen deutschen Anbieter. Das hat für uns mehrere Vorteile, z.B. entfallen die eigene Teilnehmerdatenbank(-pflege) und die manuelle Kontrolle der Zahlungseingänge. Anmelde-Mails gehen an Race Result (europäische Server) und nicht mehr über Gmail. Das erspart uns sehr viel Zeit. (Bedenkt, wir machen das unentgeltlich in unserer Freizeit)

Das Anmeldeformular wird auf unserer Seite integriert sein und ab 31.1.2026 freigeschaltet. Pro Brevet-Kategorie kann pro Teilnehmenden ein Brevet gebucht werden, so wie in den Vorjahren auch. Dabei zählen Abschluss-200er und FLINTA*-200er als eigene Kategorie. Das heißt, erst Kategorie wählen, dann Brevet auswählen:

Anders als in den Vorjahren wird sein, dass man sich (aus technischen Gründen) für jedes Brevet einzeln anmelden muss. Wir hoffen, Ihr könnt mit dem zusätzlichen Tippaufwand leben. Das wird bei vielen anderen Standorten aber auch so gehandhabt.

Die Grundgebühr für die „normalen“ Brevets, die ab Amstel House starten beträgt weiterhin 10€. Die Lasagne ist etwas teurer geworden und kostet nun 12€, was mit Salat, Joghurt und Softdrinks immernoch sehr preiswert ist. Die Kosten für Pappkarte (2€) und Medaille (6€) bleiben unverändert.

Für die „besonderen“ Brevets, die nicht im Amstel starten/enden, wird eine Gebühr von 15€ fällig, da hier eine kleine Verpflegung im Ziel inklusive sein wird. Das betrifft „Budelage“ , Abschluss-200er und „Meerglas-200er“.

Für „Rübezahl“ erlauben wir uns 20€ Startgebühr zu nehmen, von der wir eine „Geheimkontrolle“ mit etwas Verpflegung und eventuell Schlaf- und Duschmöglichkeiten bezahlen wollen. Leider ist das noch nicht in Sack und Tüten, da der tschechische Campingplatz noch Winterpause macht. Wir sind da dran!

Zurück zur Anmeldung: Diese besteht aus drei Schritten, nach eurer Dateneingabe geht es zur Überprüfung. Hier sind die Teilnahmebedingungen genau zu lesen und zu bestätigen und die gemachten Angaben zu überprüfen:

Im letzen Schritt ist als Zahlungsmittel SEPA-Lastschrift auszuwählen:

…und Kontoinhaber, IBAN und BIC einzutragen:

Das heißt, die Bezahlung wird direkt bei der Anmeldung erledigt. Toll, oder?

Falls es noch Leute gibt, die Bock haben, eine Verpflegungsstelle zu organisieren, freuen wir uns natürlich, meldet Euch einfach. Ich habe beim Abschluss-Brevet darüber mit jemandem gesprochen, aber natürlich den Namen vergessen.

Das wars erstmal. Wir hoffen, dass alles reibungslos klappt und freuen uns auf auf die kommende Brevet-Saison. Schöne Feiertage und einen Guten Rutsch wünschen

Sascha + Ingo

Bikeconvoy for Ukraine – ein Bericht von Raoul

Raoul hat ein paar Zeilen zum Soli-Brevet verfasst. Dabei geht es weniger um die Radtour selbst, sondern um die Erlebisse am Ziel der Etappenfahrt. Ein interessanter Einblick in die Realität eines vom Krieg betroffenen Landes, in dem ausgelassene Lebensfreude und trauriger Kriegsalltag dicht beeinander liegen:

Rübezahl 2025

Am Sonntagabend war es endlich soweit, 5 unerschrockene und abenteuerlustige Radler starteten pünktlich, um 16.00 Uhr zum Rübezahl Preride. Nach dem ersten Versuch letzten Sommer wurde der Track an vielen Stellen deutlich geändert und sollte nun final getestet werden. Das ganze Jahr über habe ich das Projekt “Rübezahl” im Kopf gehabt und ständig am Track und am Logo rum gebastelt. Entsprechend aufgeregt war ich am Tag der Abfahrt, zu wenig geschlafen und gegessen, aber jetzt ging es endlich los.

Wie erwartet ging es ohne große Vorkommnisse zügig Richtung Lübben und Cottbus. Sonntagabend hatten wir Straße und Radwege fast für uns alleine. In Cottbus wurde schnell ein platter Reifen repariert und bald waren wir auch schon am Bärwalder See, der zweiten Kontrolle.

Philipp wollte hier schon eine kleine Schlafpause einlegen, da ging es also zu viert weiter. Im Morgengrauen war Görlitz erreicht, und auf polnischer Seite ließen die erwarteten ersten Hügel nicht auf sich warten. Obwohl ich die vom letzten Jahr noch gut in Erinnerung hatte, war es wieder eine größere mentale Herausforderung, nach durchgefahrener Nacht und einsetzendem Nieselregen.

Unsere Gruppe hat sich hier auch so langsam aufgelöst und jeder ist alleine für sich gefahren. In Hejnice hatte der ausgeguckte Bäcker zu, herbe Enttäuschung, ich brauchte doch Kaffee und Frühstück, möglichst im Warmen sitzend.

Im nächsten Ort, Biely Potok, gab es zumindest einen Potraviny mit Hörnchen und Frühstückszutaten. Es folgte der erste größere Anstieg zur Smedava Baude, oben hing immer noch mein Aufkleber vom letzten Jahr, der hat jetzt Gesellschaft bekommen.

Die schöne Abfahrt nach Polubny dieses Jahr leider unter dicken Wolken im Nieselregen. Entlang der Jizera ging es über einen Gravel-Abschnitt Richtung Süden. Das Stück war neu, ein toller Weg, leicht bergab am Berghang. Bei Tageslicht gut fahrbar, nachts sollte man vielleicht die Straße 14, östlich der Jizera, nehmen.

Auf dieser Straße 14 fährt man später sowieso ein ganzes Stück, ist aber nicht so schlimm, wie befürchtet, es gibt zwar Verkehr, aber es geht leicht bergab und der Asphalt ist gut. Zwischendurch kurz in einer Bushaltestelle Augen zu machen und abwarten, wie das mit dem Nieselregen weitergeht. Hin und wieder treffe ich Stefan, der für Rübezahl extra aus Pirna angereist ist. In Jilemnice finde ich einen Radladen, der mir meine etwas lockere Kassette wieder festschraubt. So fährt es sich gleich viel besser. In Hostinné, dem nächsten Kontrollpunkt, treffe ich Stefan mal wieder, vor dem Supermarkt essen und quatschen wir eine Weile. Für einen zünftigen Kneipenbesuch mit Gulasch, Knödeln und Bier ist mir die Zeit noch zu schade.

370km sind geschafft, bei km 413 möchte ich auf dem Campingplatz bei Adersbach eine längere Schlafpause einlegen. Müde bin ich ausreichend, aber ob es schlau ist, tagsüber zu schlafen, zumal es gerade mal nicht regnete, keine Ahnung. Zumal der Zeitpuffer auch nicht so üppig war.

Stefan war jedenfalls nicht überzeugt und fuhr weiter. Ich habe, wie letztes Jahr, eine kleine Hütte gemietet, geduscht, Pizza gegessen und Bier getrunken. Dann für 3 Stunden ab ins weiche Bett. Beim Aufbruch, gegen 20 Uhr traf ich noch Philipp, der am Camping-Imbiss saß. Er hat einen super entspannten Eindruck gemacht und wollte lieber Land und Leute genießen, statt sich um das Zeitlimit zu kümmern. Aus diesem war ich nach der Pause ca. eine Stunde raus. Naja, kann man wieder rausfahren und schlafen ist wichtig. Wenig später, noch mit Tageslicht, ging es fast unbemerkt über die tschechich-polnische Grenze nach Kudowa-Zdroi, wo es nochmal leckeres Tankstellen-Abendessen gab. Hinter Duzniki-Zdroi geht es endlich mal flach über einsame, glatte Straßen an der Stillen Adler entlang bis zur tschechischen Grenze, fantastische Strecke, leider diesmal im Dunkeln. Aber dafür mit Glühwürmchen!

Hinter Mladkov, dem nächsten Kontrollpunkt, km510, gegen 2 Uhr, muss ich mich nochmal unter irgendein Vordach legen. Eine halbe Stunde später geht es weiter Richtung Osten auf der Straße 43, tagsüber mit viel Verkehr, nachts ganz allein. Um nicht zu lange auf dieser Hauptverkehrsstraße zu bleiben, wird Kraliky nördlich umfahren. Damit ist aber auch die Chance auf eine Tanke zum Vorräte auffüllen und Aufwärmen vertan. Es wird hell, es ist feucht und es geht langsam aufwärts Richtung Altvater Gebirge. Meine Flaschen sind so gut wie leer. Ich treffe Uli, der auf einer Picknickbank geruht hat, auch er hat fast kein Wasser mehr. Zum Glück kommt vor dem ersten Anstieg im Altvater Gebirge noch ein Friedhof mit Wasserhahn (Rejhotice). Mit dem Aufstieg beginnt der Regen so richtig, ohne Regenjacke wird es langsam zu kalt, mit Regenjacke und -hose geht es, aber trocken ist schon lange nichts mehr. Mit Regenhose fahren mag ich eigentlich überhaupt nicht, aber gut, dass ich die hier dabeihatte. 12 Grad und Dauerregen sind in kurzen Klamotten echt nicht lustig. Bei der Abfahrt wird der Regen nochmals stärker und knallt mir in die Augen. Wegen der Kälte und dem Zittern fährt es sich ganz schön wackelig, kein Genuss. Wasser läuft überall aus mir raus. Wie soll das denn jetzt weitergehen? Am nächsten Abzweig halte ich am Hotel Stara Posta, ich will in ein warmes, trockenes Bett! Macht erst in anderthalb Stunden auf, alles doof! Unter dem Vordach döse ich eine dreiviertel Stunde und überlege, welche Optionen es gibt. Es ist viel zu früh, alles hat zu. Aber viel gibt es hier sowieso nicht. Es nützt nichts, ich muss weiter die Abfahrt runter, bis zum nächsten Anstieg. Nicht mal beim Bergauffahren wird mir richtig warm, kein gutes Zeichen.

Am Fuß des Praded/Großvater ist Uli gerade wieder startklar und zweifelt keine Sekunde das Vorhaben an, bei strömendem Regen die 666hm bis auf 1491m hochzufahren, um danach 666hm auf überflutetem Asphalt runterzubremsen. Bei mir stand die Chance 50/50, dass ich da jetzt hochfahre. Hätte ich Uli nicht getroffen, hätte ich es wahrscheinlich gelassen. Andererseits hätte ich mir das vermutlich nie verziehen. Schließlich war der Großvater bei km 600 genau Halbzeit, höchster Punkt und Wendepunkt der Tour. Muss also… Auf halbem Weg kam man an einer Baude vorbei, offen. Es gab Kaffee, gebratenen Käse und Pommes. Und Blick auf die Gipfelbaude des Praded. Ich saß im warmen, lüftete meine nassen Sachen und sah zu, wie es immer stärker regnete und der Gipfel immer mehr in den Wolken verschwand. Warum musste ich da jetzt nochmal hoch? Keine Ahnung. Aber die Uhr tickt, schon 5 Stunden aus der Zeit, irgendwie muss es weitergehen. Also hoch da, mit Pommes im Bauch ging das auch wirklich besser. Oben natürlich keine Aussicht, nur schnell das Kontrollfoto mit der im Nebel beeindruckenden Großvater- oder ich nenne sie mal Rübezahl-Skulptur.

Der Endboss

Halbzeit! Immerhin. Während der Abfahrt traf ich Stefan wieder, er sah auch nicht besonders glücklich aus.

Jetzt nur noch raus aus diesem Gebirge, in der Hoffnung, dass das Wetter dann irgendwie besser wird. Wurde es nicht, es schiffte, kaum ein heller Fleck am Himmel. In Rymarov, am südlichen Rand des Gebirges traf ich Uli an einem geöffneten Potraviny. Ich kaufte lustlos irgendwas zu essen und ein paar trockene Socken, wofür auch immer. Im Vorraum aßen wir zusammen, ich hatte keinen Plan. Dass der Regen aufhören sollte, war nicht abzusehen und mit triefnassen Sachen den Rest des Tages und in die Nacht fahren, konnte ich mir nicht vorstellen. Uli wollte trotzdem weiterfahren. Kurzentschlossen bin ich in ein Hotel eingekehrt, lange heiß duschen, alle Sachen ausbreiten und versuchen, mit dem Fön zu trocknen. 3 Stunden halbwegs geschlafen, regnet immer noch. OK, kann ich noch ein bisschen föhnen. Wenn für den nächsten Tag Sonne versprochen worden wäre, wäre ich auch noch die ganze Nacht dortgeblieben. Aber von zu Hause kam die Nachricht, dass ich mich so schnell wie möglich nach Westen begeben sollte, hier kommt nur Starkregen, teilweise mit Unwetterwarnung. Und, oh Wunder, der Regen hat jetzt fast aufgehört. Also doch schnell los, die fast trockenen Sachen und die warmen neuen Socken an, und zusammengepackt.

Die Rezeptionistin guckt erwartungsgemäß komisch, als ich auscheckte. Aber ich dachte mir, alles richtig gemacht, in trockenen Sachen in die Nacht und den Regen sinnvoll im Hotel überbrückt. Das Hochgefühl hielt für eine halbe Stunde, dann regnete es wieder, toll.  Bald war Sumperk erreicht, in der Tanke konnte ich nochmal meine Klamotten lüften und Handy und Navi laden, bevor es Nacht wurde. Beim Losfahren hat der Regen gnädiger Weise fast aufgehört. Ich konnte jetzt sogar die großteils neu geplante Strecke genießen, einsame kleine Straßen und Radwege entlang, bis bei den lustig klingenden Orten Crhov und Cotcytle wieder ein paar kraftraubende Hügel zu bewältigen waren.

Immerhin bleibt man so wach. Ich weiß nicht so genau, ob es gut oder schlecht ist, wenn das Navi immer schon im Voraus piepsender Weise auf Anstiege aufmerksam macht. Ständig starre ich auf die verbleibenden Höhenmeter des Anstiegs, die nicht weniger werden. Uli meldet sich aus der Tanke in Usti nad Orlici, der ist schon weit, der hat’s gut. Noch ca. 30km bis dahin. Aber es fährt sich gut auf dem Radweg zwischen Bahnstrecke und Stiller Adler. Hätte ich auch gern tagsüber mal gesehen. In Usti liegt die 24h-Tanke nicht auf dem Track, ist aber nicht weit. Ich lasse mich mit Handy hin navigieren, leider Route für Autos gewählt und damit einmal um den Ort gefahren, 3 Bonuskilometer. Bestimmt ca. eine Stunde in der Tanke rumgedöst. Schön, dass in Polen und Tschechien die 24h-Tankstellen einen nachts reinlassen. Das nette Personal stört sich nicht groß daran, dass ich ihre Tanke zu meinem komisch riechenden Schlafzimmer mache. Dann muss ich weiter und darf nicht vergessen, am Marktplatz noch mein Kontrollfoto zu machen. Schon ca. 7 Stunden aus dem Zeitlimit. Einige Kilometer vor Hradec Králowé treffe ich im Morgengrauen Stefan wieder. Schön, mal wieder jemanden zum Quatschen zu haben. Ich freue mich, dass auch er noch unterwegs ist nach der vorangegangenen Wasserschlacht. In Hradec Králowé sind wir, bevor die Läden aufmachen. Also mal wieder Tanke. Stefan hat den Plan gefasst, kurz vor der deutschen Grenze den Track zu verlassen und direkt in seinen Heimatort zu fahren. Dann hat er zumindest die 1000km voll. Sich die restlichen 200km bis Berlin zu sparen, kann ich gut verstehen. Der neue Tag bringt statt Regen nun heftigen Gegenwind. Aber auch Sonne, wenigstens nicht mehr nass. Durch liebliche Landschaft geht es bis jicin, mit dem wunderschönen Marktplatz. Danach geht es gleich hoch in die Prachowské Skály, mit einer der schönsten Abschnitte der Tour. Vorbei an Burg Trosky,  und Burg Kost und vielen Sandsteinfelsen. Selbst den Wind spürt man in dieser Gegend nicht so sehr.

Dann geht es zur Umfahrung der üblen Landstraße 268 Richtung Mimon nördlich über eine Radroute auf in Zerfall befindlichem Asphalt. Aber besser als die Landstraße. Früher war hier Militärgebiet, jetzt ist es Naturschutzgebiet, man muss Wildzäune öffnen. Schön und einsam hier. Als Krönung stand irgendwo in dieser Einsamkeit ein Bierzapfautomat! Man kann zwischen Bier, Brause und alkfreiem Radler wählen, zahlt mit EC-Karte und zapft sich sein Kaltgetränk. Sowas sollte an viel mehr Waldwegen stehen! Hier plane ich bestimmt noch eine Kontrolle hin!

Dann kommen bald Mimon, Novy Bor, Cheska Lipa, alles schöne Gegend, leicht hügelig, gut zu fahren. In Kytlice kehre ich dann doch endlich mal in eine Hostinec ein und bestelle Gulasch mit Knödel und Bier. Lange geht der Track ja nicht mehr durch Tschechien und einmal muss das ja wohl sein. Sebnitz ist schon fast in Sichtweite. Ich treffe nochmal kurz Stefan, der gleich Richtung Heimat abbiegt. Die (fast) letzten Höhenmeter der Tour kosten nochmal Körner und bremsen ganz schön, aber Prachthöhenmeter! Irgendwann ist es spät, alle Läden schon zu, also an einer Tanke noch abgepackte Sandwiches für die Nacht gekauft. Dann kommt die Grenze in Sebnitz und der wirklich letzte Anstieg nach Krumhermsdorf. Es wird dunkel und auf die letzten 200km habe ich irgendwie keine Lust, irgendwie Pflichtprogramm. An einer offenen Tankstelle vor Bischofswerda sehe ich erstaunlicherweise Uli noch einmal und werde vom Personal mit den Worten begrüßt: „ich muss sie jetzt sofort rausschmeißen, wir schließen jetzt“. Ich sacke enttäuscht vor der Tanke zusammen und döse, Uli guckt auf die Uhr, rechnet, und will das Zeitlimit noch schaffen. 200km in 11 Stunden. Normalerweise gut machbar, aber nicht für mich durch die Nacht mit 1000km in den Beinen. Ich drücke Uli die Daumen, er muss der Beweis sein, dass man Rübezahl in 90 Stunden schaffen kann, also Go, Uli Go! Ich selbst halte gefühlt an jeder Bushaltestelle an und mache für einige Minuten die Augen zu. In Pulsnitz ein Kontrollfoto vor geschlossenem Rewe, auch nicht sehr aufbauend. In Senftenberg fahre ich extra zu der Tanke, hatte aber verpeilt, dass die auch erst um 6 aufmacht, ich bin anderthalb Stunden zu früh. Ich fahre einen 7km Umweg zum Autohof Schipkau. Da ist früh um 5 noch nicht viel los und es gibt alles was man braucht, sogar duschen könnte man. Ich lümmle aber nur wieder für eine Stunde auf einer weichen Bank rum. Danach geht es mir endlich wieder besser.

In Schlabendorf am See gibt es in einem aus der Zeit gefallenen Bäcker/ Tante -Emma-Laden Kaffee und Kuchen und weiter geht’s immer gegen den Wind Richtung Berlin. Aber erst sind schon fast keine 100km mehr, hundert gehen immer!

Naja, die letzten 100km waren nicht so toll geplant, 10km hinter Luckau geht es auf die B96, teils schlechter Radweg, teils gar kein Radweg, ständig wird man genötigt, die Seite zu wechseln. Kein Vergnügen an einem Donnerstagvormittag. Dann ist aber doch endlich Zossen erreicht, schnell das letzte Kontrollfoto und ein schnelles Radler und dann Endspurt. Der Stadtverkehr zieht sich auch nochmal endlos und am Großen Stern erwischt mich eine Gewitterwolke dermaßen, dass ich kurz darauf tropfend und Wasserpfützen bildend ins Amstel House einfalle und nach einer Dusche verlange. Da muss meine verkeimte, aber trockene Radhose nochmal ran. Premiere, das erste Mal Duschen im Amstel, schön, dass wir diesen Startort haben. Frisch geduscht werde ich von Amstel-Alex persönlich mit Kaffee versorgt. Fertig, geschafft!

Und was haben wir/ich gelernt?
In Tschechien gibt es weniger Bäcker als bei uns aber dafür sind die 24h-Tankstellen nachts offen.

Die geballten Anstiege im Altvater-Gebirge brauchen sich auch nicht vor irgendwelchen Alpenpässen verstecken (vom Anspruch her).


Ohne Regen wäre es noch viel schöner gewesen, als es so schon war. Die Strecke ist nach dem Update wirklich abwechslungsreich.


Die eingerichtete WA-Gruppe hat mich oft motiviert, mit den vielen Kommentaren der Mitfahrer. Ein Beispiel für Brevetpoesie was mir immer noch ein Grinsen ins Gesicht zaubert:

Der Bäcker in Niesky heißt Wolfgang.
Die Quarktasche ist mega.
Und die Sauerkirschen sind reif, ganz besonders in Polen.
So gut, dass ich einfach anhalten muss.
Zugegebenermaßen kommen bei so viel Kirschen die Salzigen Heringe zu kurz. Schmeckt aber auch zusammen.
Und Himbeeren habe ich gefunden!
Zugegebenermaßen leidet die Zeit dabei etwas, aber ist Zeit wirklich leidensfähig? Schön ist es hier jedenfalls. 

Ich habe immer noch keine Routine bei Brevets dieser Größenordnung, mein Pausenmanagement kam mir verbesserungswürdig vor. Aber der Regen hätte sicher sowieso jeden Plan zunichte gemacht.  

Es ist übrigens in 90 Stunden fahrbar, Uli ist mit 89:50h im Amstel angekommen! Man kann das Brevet aber auch fahren und auf das Zeitlimit pfeifen, wahrscheinlich hat man dann in der „Touristenvariante“ sogar mehr von der Strecke.

Es gab verschiedene Ernährungskonzepte:

Und hier der tolle Bericht von Jan O.K.

Und sein Fotoalbum, von dem ich mich für den Beitrag viel bedient habe. Vielen Dank auch an Uli und Raffael für ihre Fotos.

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600er nach Wismar/Lübeck – ein paar Worte und Fotos

Der 600er 2025 ist schon wieder vorbei. Herzlichen Glückwunsch an alle TeilnehmerInnen, vor allem denjenigen, die das Zeitlimit von 40 Stunden (fast) voll ausgenutzt haben. Die Sonne am Sonntag war ja nochmal eine echte Herausforderung. Aber dafür gab es auf dem Hinweg Rückenwind satt!

Uli hat fleißig fotografiert, danke für die Bilder.

©Uli Keunecke

Neue Strecke, neuer Track, bis Neuruppin allerdings bekanntes Terrain vom diesjährigen 300er. Aber dank Rückenwind und in kleiner angenehmer Gruppe eine ganz neue Erfahrung. Ohne größere Anstrengung mit 35..40km/h einfach so dahinrollen und genießen, toll! Dann ging es leicht hügelig (für Brandenburger Verhältnisse) durch liebliche Landschaft Richtung Lübz, wo viele ihre Mittagspause machten.

Kurz vor km200 hat Streckengott Ingo eine kleine Kopfsteinüberraschung eingebaut, die bestimmt noch eine Weile in Erinnerung bleibt. Gehört dazu.

©Uli Keunecke

Versorgungsmöglichkeiten waren auf dieser Tour eher spärlich gesäht, deshalb war der Edeka in Neukloster bei km230 eine echte Wohltat. Auch am Sonnabend brannte die Sonne schon unerbittlich. In Wismar war dann im weitesten Sinne die Ostsee erreicht, hier könnte man den Track vielleicht so anpassen, dass man mehr Hafen und Altstadt mitbekommt. Der Marktplatz, der als Kontrollstelle diente, war jedenfalls sehenswert. Hinter Wismar haben sich wieder einige Hügel wichtig gemacht und das Vorankommen erschwert.

©Uli Keunecke

Nächstes Highlight war das Stück Ostseestrand um Niendorf, ab km263, mit den Massen von Wohnmobilen, Urlaubern, Campingplätzen und Backfischgeruch. Viele haben sich hier die Zeit für ein kurzes Bad in der Ostsee genommen. Hätte ich mal auch machen sollen.

Den folgenden Abschnitt bis nach Travemunde haben „alte Hasen“ noch vom Hansebrevet in Erinnerung, tolle Bushäuschen gibt es da…

Die Fährfahrt mit der Priwall-Fähre war schön, aber viel zu kurz. Und meine Fahrkarten wollte niemand sehen, Schweinerei.

Kurz vor Bad Schwartau gab es an einer Tanke auch einen Pizza-Imbiss mit etwas Trucker-Flair, da konnten auch andere Randonneure nicht widerstehen. Zumal es langsam Abend wurde und ungewiss war, wo und wann es noch was „vernünftiges“ zu Essen gibt vor der Nacht. (Ja, gut, Lübeck kommt ja noch)

In Lübeck ging es etwas hin und her zum Holstentor, vielleicht kann man das ja noch optimieren. Aber eine schöne Altstadt ist es auf jeden Fall. Viele haben hier ihr Abendmahl eingenommen.

©Uli Keunecke

Dann ging es 70km zur nächsten Kontrolle in Hagenow, der ich irgendwann sehr entgegen gefiebert habe, es wurde streckenweise zäh. Und was gab es an der Tanke in Hagenow: ein Kaffe und n Snickers, nicht sehr kreativ. Kein Appetit auf nix.

Dafür standen vor der Tanke ein Paar Rennradschuhe rum und jeder fragte jeden, wem die gehören.

Der Eigentümer wurde wohl bis zum Schluss nicht gefunden. Wie geht sowas? Fahren hier Einige mit 3 Paar Wechselschuhen durch die Gegend? Oder hat sich jemand abholen lassen und die Schuhe vergessen mitzunehmen? Fragen über Fragen. Die Schuhe wurden übrigens von Ingolf in der Tanke abgegeben, wie lange die dort aufgehoben werden, weiß man nicht.

Aber nach Hagenow darf ich mir was zum Schlafen suchen, habe ich mir schon zu Beginn vorgenommen, damit es am Sonntag nicht viel mehr als 200km zu fahren sind. In Picher, bei km398 gab es dann auch eine schöne Bank mit Dach. Den Schlafsack hätte ich zu Hause lassen können, es war warm genug. Sehr schlau mit dem Kaffee vorher, von den anderthalb Stunden nur die Hälfte geschlafen. Aber gut getan hat es trotzdem. Beim Losfahren war es dicht bewölkt, dass man fast Regen fürchten musste. Aber auf die Sonne war Verlass, um acht brannte sie, wie man es von ihr erwartet. Auf der Haut inzwischen eine dicke Schicht Staub-Fliegen-Schweiß-Sonnenchreme-Emulsion, wiederlich.

In Bad Wilsnack gab es endlich wieder Zivilisation in Form einer Tanke, an der es so halbleckeren Kaffee und belegte Brötchen zum Frühstück gab, besser als nichts, viel Auswahl hat man auf dem Rückweg nicht.

Auf dem Rückweg gab es einige weniger gute Straßen, ich hab mir nicht gemerkt, wo. Aber eventuell fällt es jemandem ein und macht Verbesserungsvorschläge. Prinzipiell muss man damit „im Osten“ aber wohl leben.

Ab Bad Wilsnack kennen viele die Strecke von „Hamburg-Berlin“, schön, das mal bei Sonne mit grüner Landschaft zu erleben. Die „Allee der Depressionen vor Rhino hat Ingo gnädigerweise mit einem super Radweg südlich etwas abgekürzt. In Rhinow gab es noch eine Erfrischungstanke, an der ich festgestellt habe, dass ich sehr gut in der Zeit liege und die 30h theoretisch schaffbar sind. Meist ist mir sowas relativ egal aber da hat es mich geruppt und ich bin los mit Blick nur noch auf die voraussichtliche Zielzeit. Das ging auch bis Schönwalde gut, dort hat dann die Vernunft (?) gesiegt und es gab noch eine Tankstellenpause um den vertrockneten Körper wieder mit Wasser zu befüllen.

Die Einfahrt nach Berlin, über die Schönwalder Allee, ein Kopfsteinpflasterklassiker der Berliner Randonneure, da hätten wahrscheinlich Einige drauf verzichten können. Dann noch etwas nervtötender Stadtverkehr, und schon ist wieder alles vorbei. Einige Mitfahrer saßen schon, oder noch, im Amstel, so dass man sich, wie immer, noch austauschen und auf die Schulter klopfen konnte. Fertig und glücklich.

Hier gibt es ein Video von Stephan.

Hier gibt es die Fotos von Micha.

Für Verwirrung hat bei Einigen gesorgt, dass ihr Track nicht an den Kontrollen in Wismar und Lübeck entlang geführt hat. Im verschickten Original-Track gibt es diese kurzen Abzweige jedoch.

Möglicherweise hat Komoot bei Einigen wieder was optimiert? Oder das Navi selber? Da haben wir keinen Einfluss drauf. Ich persönlich lade den Track aus dem WINDOWS-Download-Ordner auf den Garmin in den Ordner New Files. So klappt das eigentlich in den letzten Jahren immer. Guckt Euch den Track vor dem Losfahren auf dem PC an, dann kann man vorher eventuelle Fragen noch beantworten.

PS: Ich habe es mit Komoot gerade nachgestellt, egal, welche Option man beim Import wählt, der Stich zum Holstentor wird wegoptimiert.