Nachlese zum 600er Bergtraining

Unseren diesjährigen Ersatzsechshunderter hatte ich als Bergtraining geplant, wir wollen ja dieses Jahr noch in Frankreich 1000 Kilometer Süden absolvieren. Deshalb wurden die ersten Kilometer bis Cottbus mit der Bahn zurückgelegt, um mehr Zeit in den bergigeren und unbekannteren Gegenden zu haben.

Es war schwerer als erwartet. Der Berliner Radfahrer hat viele Eindrücke zu verarbeiten, und deshalb schreibe ich das hier mal wieder auf, so lange die Erinnerung noch nicht verblasst ist und man sich nur noch an die schönen Erlebnisse erinnert. Fotos gibt es leider keine, wegen Regen, Dunkelheit und weil ich irgendwie nie den Nerv dafür hatte.

Die Höhenmeter sind nicht sehr gleichmäßig verteilt

Kaum in Cottbus den Bahnhof verlassen, begann es leicht zu regnen. Auf schnellstem Weg über die B97 raus aus Cottbus. Nach 15min war Regenkleidung anziehen angesagt. Fahrbahnbegleitender guter Radweg und Fahren auf mehrspuriger Bundesstraße wechselten sich mehrmals ab. Aber abends war relativ wenig Verkehr. Nur ein Autofahrer wollte uns unbedingt abbremsend und wild hupend mitteilen, dass es doch um Cottbus so viele schöne Radwege gäbe, die man nutzen könnte. (Ich hätte ihm gerne von einer wirklich schönen Autobahn erzählt, wo man richtig gut Auto fahren kann, bin leider nicht sehr schlagfertig). Die Straße war komplett leer, er hatte zwei Spuren (in seine Richtung) für sich alleine. Einen Radweg gab es an dieser Stelle nicht. Verstehe ich alles nicht. Hier im Berufsverkehr mit Rad langzufahren, ist sicher nicht sehr entspannt. Der Regen wurde auch immer stärker.

Ab Spremberg (km20) ging es erstmal weg von der B96 auf einen Radweg entlang der Spree. Landschaftlich sehr schön und abwechslungsreich. Zum Beispiel musste eine ca. 15cm tiefe Furt durchquert werden. Leider war es inzwischen fast dunkel. Durch Regen und Sturm lag viel nasser Dreck und Sand auf dem kurvenreichen Weg, so dass wir nicht allzu schnell vorankamen. In einer größeren, ambitionierteren Gruppe wären hier Stürze sicher vorprogrammiert.

Irgendwann landeten wir wieder auf einer der typischen Straßen in der Lausitz, schnurgerade, Kiefernwald, Truppenübungsplätze und Tagebaugelände. Aber wenigstens kein Autoverkehr mehr. Und Rückenwind. Und Regen. Und Falks Schutzbleche schützen überhaupt nicht die Mitfahrer! In Bärwalde dann endlich wieder runter von dieser Straße in den Wald. Im Scheinwerferlicht sehe ich kurz eine Infotafel zum Thema Wolf. Rascheln im Wald. Es ist sehr dunkel und einsam auf einem ehemaligen Militärgelände (oder Tagebaugelände?).

In Löbau (km95) war die Kontrolltankstelle hell erleuchtet. Ein später Gast zeigte uns die Klingel und tatsächlich durften wir eintreten. Die freundliche Tankstellenfrau erfüllte uns alle Wünsche. Nach wenigen Minuten standen wir in einer Riesenpfütze um einen Tisch und freuten uns über den heißen Kaffee. Für Unterhaltung sorgten zwei schon etwas mitgenommene Stammgäste. Tankstellenverkäuferinnen sind auch Sozialarbeiter, gerade nachts. In Sachsen gibt es übrigens kein Corona, keine Maske, kein Abstand, die Toilette ist selbstverständlich auch auf. Fand ich in dem Moment sehr gut.

Bis Zittau, dem südöstlichen Wendepunkt der Tour, sind es knappe 30km, anderthalb Stunden Regenfahrt. Hier leider nur Nachtschalter an einer Tankstelle. Aber mit heißem Kaffee. Weil es aber Caffee Crema ist, gab es den nicht mit Milch und Zucker, auch auf Nachfrage nicht. Aber auch hier Kulturprogramm durch feierndes Jungvolk, zum Teil nur mit Arztumhang bekleidet. Wir haben unsere Handschuhe und Trikots ausgewrungen und uns gegenseitig mit großen Augen angeguckt. Die Augen wurden noch größer, als die Fragen nach woher und wohin beantwortet wurden.

Dann ging es wieder weiter durch den Regen, durch die Nacht über kleine Straßen. Allmählich wurde es aber auch schon wieder hell, und man konnte die schöne hügelige Landschaft mit den typischen Umgebindehäusern (habe ich von Rainer gelernt) erahnen. Ist im Hellen und ohne Regen bestimmt auch mal schön. Da wir Tschechien aus Coronagründen umfahren wollten (bei der Streckenplanung war die Lage noch unklar) sind wir in großem Bogen nach Sebnitz gefahren, wo es bei einem Bäcker Kaffee und Kuchen zum Frühstück gab. Nur Falk hat sich lieber in einen Hauseingang schlafen gelegt.

Hinter Sebnitz geht es lange leicht bergab durch den Nationalpark Sächsische Schweiz durch das Tal der Kirnitzsch mit schönen Felsformationen, Wald und Flussgeplätscher. Der Regen wurde langsam schwächer, allerdings bremste uns der Gegenwind ganz schön.

Gegen halb acht erreichten wir die Ostrauer Mühle nach 204 nassen Kilometern. Dieser Ort war unsere Rettung, denn hier hat Falk einen guten Freund, Micha, der uns in einem ungenutzten Ferienhaus duschen und schlafen ließ. In richtigen Betten! Der Wecker wurde auf halb zehn gestellt, wir waren ja zum Radfahren hier. Als wir loswollten, bekamen wir von Micha noch Kaffee angeboten. Wir wollten eigentlich weiter, aber in diesem Moment fing es wieder an zu regnen. Also doch Kaffee. Dann wurde gegen unseren Willen eine große Kiste Frühstückszutaten vor uns ausgebreitet. So saßen wir gemütlich eine weitere Stunde unterm Dach, ließen es uns gut gehen und beobachteten das Wetter. Kalt war es ja zum Glück nicht, die Sachen waren zumindest nicht mehr tropfnass. Schließlich rafften wir uns doch auf und machten uns auf den Weg Richtung Fähre in Bad Schandau. Falk blieb noch etwas länger bei Micha und genoss das Wiedersehen.

Vor der Fähre konnte ich mit meinem doch schon etwas weichen Hirn den Fährplan nicht deuten. Im Endeffekt warteten wir hier ca. eine halbe Stunde, bis wir übergesetzt wurden. Aber zur 2km entfernten Brücke zurückzufahren, hatte auch keiner so richtig Lust.

Auf der anderen Seite der Elbe ging es dann so richtig los mit dem sportlichen Teil. Im Prinzip ging es von hier nur bergauf bis nach Zinnwald. Natürlich nicht ohne die wertvollen Höhenmeter bei kurzen schnellen Abfahrten wieder zunichte zu machen. Markus Kette sprang beim Schalten vorne hin und wieder ab. Schalten war ständig angesagt. Als er während der Fahrt einmal versucht hat, die Kette wieder aufs Blatt zu bekommen, gerät sein Finger zwischen Kette und Blatt und wurde einmal durchgedreht. Zwangspause, um das rumspritzende Blut irgendwie zu stoppen. Ich habe in meiner Tasche noch ein olles Pflaster, Isolierband und Klopapier gefunden. Damit musste es erstmal gehen. Hinter ein paar weiteren Anstiegen wartete auch Martin auf uns. Er war Erste-Hilfe-mäßig deutlich besser ausgestattet als wir, und die Verletzung wurde nochmal etwas gründlicher behandelt. Trotzdem ist es eine Quälerei, mit kaputtem Zeigefinger zu schalten, zu bremsen und den Lenker zu halten. Es waren ja auch noch deutlich mehr als 300km zu fahren.

An den Anstiegen vor Zinnwald verloren Markus, Martin und ich uns allmählich wieder aus den Augen. Kurz vor Zinnwald kam mir Rainer mit 2 Mitfahrern entgegengerast. Was für ein Zufall! Leider konnte Rainer nicht mit auf unsere Tour kommen, weil er dieses Wochenende mit einem anderen Event (Stoneman) verplant hatte. Das wir uns nun trotzdem hier getroffen haben, freute mich sehr. Bis Zinnwald ist es wohl nicht wehr weit, meinte er. Das gab wieder etwas Kraft.

Oben in Zinnwald wartete Martin schon an einer Bushaltestelle. Weiterhin gibt es hier noch eine geschlossene Pension und ein wegen Corona geschlossenes Restaurant. Wir hatten aber Hunger! Google versprach einige Restaurants auf tschechischer Seite. Also fuhren wir nochmal ein Stück zurück und nach Tschechien. Und tatsächlich: gleich 2 Restaurants und ein Laden mit Allem. Martin und ich kehrten schon mal bei „Stepan“ ein und warteten auf Markus. Als Knoblauchsuppe, Gulasch mit Knödeln und gebratener panierter Käse schon auf dem Tisch standen, kam die Nachricht das Markus nach Altenberg zum Bahnhof abgebogen ist. Der Finger macht zu große Probleme. Sehr schade, aber vermutlich auch vernünftig.

Frisch gestärkt fuhren Martin und ich erstmal getrennt weiter. Hinter Zinnwald geht es in den Wald auf einen Radweg mit losem Untergrund, der sich aber zumindest im Hellen gut fahren ließ. Erst noch kurz bergauf bis zum Kahlenberg auf etwas über 800m, dem höchsten Punkt der Tour. Dann folgte eine ca. 5km lange Abfahrt, immer noch auf losem Untergrund. Nach weiterem Auf und Ab ging es bei km274 in eine zehn Kilometer lange, sehr angenehm zu fahrende Abfahrt. Das haben wir uns aber auch mal verdient, da kommt die Motivation auch langsam wieder nach der endlosen Quälerei.

In Marienberg kam ich tatsächlich noch an einem Penny vorbei, der offen hatte. Ich brauchte aber leider nichts, ich hatte noch eine Kofola und Schokoriegel aus Tschechien dabei. Kurz darauf traf ich Martin wieder, der am Wegesrand Pause machte. Ich trank die Kofola, die fast noch kalt ist. Was für ein Genuss! Dann fuhren wir zusammen weiter bis Annaberg-Buchholz. Vor und in der Stadt gibt es Rampen mit ca. 20%, da kann man auch mal schieben. Mit einer Gruppe möchte ich durch diese Wege und Gassen nicht fahren müssen. Wie machen das die Einwohner hier im Winter? Eigentlich wollten wir hier nochmal gepflegt Abendbrot essen. Allerdings wurden gerade alle Bürgersteige hochgeklappt, Küchenschluss ist überall 21:00 Uhr. Selbst McDonalds hat ab 21:00 Uhr nur noch den Drive-In-Schalter. So ist aus dem Abendbrot eine Bockwurst und Kaffee vom Nachtschalter der benachbarten Tanke (rein dürfen wir aus versicherungstechnischen Gründen nicht) geworden, etwas demotivierend. Bei einem Anruf zu Hause habe ich die voraussichtliche Ankunftszeit um 10 Stunden nach hinten verschoben. Es ist Sonnabend spät abends, und wir hatten gerade mal gut die Hälfte der Strecke geschafft. Es ging nicht richtig voran. Nachricht von Falk: Er ist ohne Pause durch Annaberg durch und damit jetzt vor uns! Wie hat er das gemacht? In den Bergen blüht er richtig auf, glaube ich.

Wir beschlossen, wenigstens die 400km noch voll zu machen, bevor wir uns einen schönen Schlafplatz suchen. Hinter Annaberg war es dunkel, aber hoch und runter ging es natürlich weiterhin. Irgendwann trafen wir wieder auf Falk und fuhren ein Stück gemeinsam. Er legte sich aber bald ins Gras am Weg. Warm war es ja, und mit seiner Rettungsdecke war er zufrieden. Bei km408, gegen halb drei, fanden auch Martin und ich eine schöne Bushaltestelle, rundum geschlossen und so sauber, dass man auf dem Fußboden schlafen konnte. Ich war froh, dass ich meinen Schlafsack mithatte. Ist irgendwie doch bequemer. Kurz bevor der Wecker halb fünf klingelte, bekam ich die Nachricht von Falk, dass sein Track in Wurzen, bei km462 endet! Wir treffen uns dann in Grimma, da macht um sieben ein Bäcker auf.

Ich war mir sicher, dass mit meinem Track und Navi alles in Ordnung ist, aber dann sehe ich, dass bei mir ab Wurzen nur noch eine Luftlinie nach Berlin angezeigt wurde. Nach dem Neuladen des Tracks wurde mir immerhin Luftlinie und Track angezeigt. Abbiegehinweise gab es dann aber ab Wurzen auch bei mir keine mehr. Wir hatten uns schon gewundert, warum in Cottbus nur 460km bis zum Ziel angezeigt wurden. Auf meinem Handy waren keine Probleme mit dem Track erkennbar. Rätselhafte Technik.

Beim Bäcker gab es leider nur Süßes, dabei hätten wir gerne mal wieder was Herzhaftes gegessen, nach den ganzen Riegeln in der Nacht. Naja, besser als nichts. Zu dritt fuhren wir dann den Mulderadweg lang, Anstiege gab es hier keine mehr. Das war zwar weniger anstrengend, aber beim so Dahinradeln mussten wir aufpassen, dass uns die Augen nicht zufallen. Daher haben wir uns keine Stunde hinter Grimma nochmal ins Gras fallen lassen und etwas geschlafen.

Danach ging es dann doch deutlich besser. Der weitere Weg über Eilenburg, Bad Düben, Lutherstadt Wittenberg, Zahna, Beelitz und Potsdam war unspektakulär, oder mein Gehirn war nicht mehr aufnahmefähig. Teilweise gab es etwas kräftigeren Wind von vorn, aber wir hatten ja zum Glück Martin dabei, der sich meistens nach vorn gedrängelt und für angenehmen Windschatten gesorgt hat. Einige längere Kopfsteinpflasterabschnitte gab es hier auch noch. Insgesamt war der Straßenbelag die für die Berliner Randonneure typische Mischung aus Asphalt in allen Qualitäten, Platten, Gravel und Pflaster. Nichts, was nicht fahrbar wäre. Reine Rennradler hätten aber sicher gemault. Wir haben noch drei Mal Pause an Tankstellen gemacht, mit Heißhunger komische Speisenzusammenstellungen verdrückt und uns meist von Martin ziehen lassen. Auf einem üblen, vollen, schmalen Radweg entlang der B2 ging es nach Potsdam, wo die Radinfrastruktur sehr gewöhnungsbedürftig erschien. Aber egal, gleich geschafft. Am letzten Anstieg, dem Schäferberg, kurz vor dem Ziel, verbraten wir noch unsere allerletzten Reserven und rollen in den gut gefüllten Biergarten an der Spinnerbrücke ein.

Nach 46:18h, 620km und ca. 6000hm haben wir uns unser Bier und Zielzigarillo mehr als verdient.

Die Strecke: Bis kurz vor Löbau (88km) eben. Ab da bis auf Höhe Chemnitz auf 285km 4000hm, 14,4 hm/km. Die letzten 180km wieder flach. Die Versorgungslage war auf einigen Abschnitten eher spärlich, vor allem ab Sonnabendabend. Landschaftlich sehr schön, vor allem der südliche, mittlere Abschnitt, viel Wald mit Gebirgsbächen, Felsen, kleinen netten Ortschaften und wenig Verkehr.

Erfahrungen, die wir gerade bei dieser Tour (wieder) gemacht haben:

Niemals nur auf das Navi verlassen. 4 von 4 Navis (3 x Garmin, 1 x Wahoo) hatten mehr oder weniger dramatische Aussetzer. Markus‘ Wahoo ist in Bad Schandau (wegen Nässe?) eingefroren, Martins Garmin hat keine Abbiegehinweise angezeigt, Falks Track war in Wurzen zu Ende, den Rest hat Garmin offensichtlich „wegberechnet“, mein Garmin hat ab Wurzen den Track und die Luftlinie nach Berlin parallel angezeigt und keine Abbiegehinweise mehr ausgegeben. Möglicherweise lag das auch an der GPX-Datei selbst, aber diese Erkenntnis nützt einem in der Pampa im Zweifelsfall auch nichts. Auf dem Handy, in Komoot, wurde der Track korrekt dargestellt.

Erste-Hilfe-Material sollte man dabeihaben. Habe ich in knapp 10 Jahren Langstrecke zwar nie gebraucht, aber irgendwann braucht man es dann doch mal. Ein wenig Glück ist eben auch dabei, wenn man so lange unfallfrei bleibt. Bei der nächsten Tour habe ich sicher Pflaster, einen kleinen Verband + Kompresse, Desinfektionsmittel, Pinzette, mehr Tape als bisher und evtl. Pinzette dabei.

Zeitrechnungen, die auf Flachlanderfahrungen beruhen, sind sinnlos, wenn Höhenmeter dazu kommen. Von der Fähre in Bad Schandau bis nach Zinnwald habe ich für 55km ca. 6 Stunden gebraucht! Also entweder eine Formel erfinden, die die Höhenmeter mit einbezieht oder die ganze Rumrechnerei sein lassen und einfach fahren. Müssen ja so oder so alle weggetreten werden, diese fiesen Höhenmeter.

Nach acht Stunden Regenfahrt kann die Jacke noch so „Shakedry“ oder sonst was sein, man ist einfach nass! Das Wasser läuft an den Ärmeln, am Hals und von unten rein. Immerhin bleibt es auch mit nasser Regenjacke wärmer als ohne. Gegen nasse Füße hilft (erstmal) ein Paar Reservesocken, mit denen man in Mülltüten und damit in die nassen Schuhe steigt.

Die Schaltung sollte sehr gut eingestellt sein. Man schaltet permanent, hinten und vorne. Die Bremsbeläge raspeln sich bei feuchten Bedingungen und Bergen schneller weg als gewohnt, evtl. Ersatz mitnehmen.

Bedanken möchte ich mich besonders bei Micha, dessen Gastfreundschaft die nötige Kraft für die 400 restlichen Kilometer gegeben hat. Micha, Du kannst Dir sicher sein, dass Du in Berlin auch immer ein Bett, eine warme Dusche und ein Frühstück finden wirst! Danke an Markus für Deine nette Gesellschaft, beim nächsten Mal wird das zu Ende gefahren! Danke an Martin für den Windschatten! Danke an Falk für das Bier! Das war lecker! Schön, dass wir zu viert waren. Mir hat´s gefallen (2 Tage später 😉

2 Kommentare zu „Nachlese zum 600er Bergtraining

  1. Lieber Sascha,
    vielen Dank für deinen tollen Bericht – hier noch meine Wahrnehmungen zu einigen Punkten.

    Zeitabschätzung: Ich besaß ja die Schupse (besser Dämlichkeit), mir einen Excelausdruck mit Durchfahrtzeiten für Ortschaften und für verschiedene Durchschnittsgeschwindigkeiten zwischen 17 und 20 km/h mitzunehmen. Darauf basierend sagte ich auch zuhause an, Sonntag zwischen 2 und 7 Uhr mit frischen Brötchen auf der Matte zu stehen. Welch Trugschluss!

    Schutzbleche: ich hatte sie aufgrund der Regenankündigung drangelassen, um mich und die Mitfahrer zu schützen. Persönlich war ich wahrscheinlich eine Stunde später durch als die anderen, jetzt muss ich auch noch lesen, dass diese nichts von hatten. Na gut, man kann wenigstens Sticker vom ARA BB draufbappen.

    Die Berge und ich: wenn man meinen hochroten Kopf als Aufblühen bezeichnen kann, gut, dann blühe ich in den Bergen auf – persönlich habe ich jeden einzelnen Anstieg verflucht, weil jeder einzelne verfluchte Anstieg dieser Route im zweistelligen Bereich lag. Und jede Abfahrt auch – bei denen ich bis auf ein oder zwei Ausnahmen panisch wurde, weil nicht sicher, ob die Kraft in den Händen und Unterarmen ausreicht, das Geschoss zu zügeln und im Griff zu behalten. Aufgefahren bin ich auf die Herren Leistungsträger einerseits, weil ich mir die Fähre geklemmt und mit den Weg über die Brücke viel Zeit und vielleicht auch ein wenige km (am Ende hatte Sascha 4 km mehr auf der Uhr) eingespart habe, vor allem aber – wenn ich lese Knoblauchsuppe und Gulasch mit Knödel (bestimmt war der Umweg nach Tschechien 4 km lang ;-)), danach wahrscheinlich noch ein Käffchen und Dessert – das konnte ich mir zeitlich nicht leisten. Bei mir wars der Penny in Geising und später der Döner/Pizza/Pasta/Salate/Indisch in Marienberg, der mir innerhalb von 5 min einen Teller Spaghetti Bolognese zurechtzauberte (zggm. keine hohe Küche), vor allem aber auch einen schönen heißen Kräutertee in meine Trinkflasche abfüllte.

    Die Mitfahrer und ich: Markus musste leider abbrechen, das tut mir sehr leid. Ich hoffe, dass alles wieder gut und schnell verheilt – so dass man dann später dieses doch recht selten vorkommende Missgeschick auch mal herzlich beim Bierchen auswerten kann. Also – Gute Besserung. Den anderen beiden kann ich nur danken und Sorry sagen dafür, dass ich mich an der Arbeit gegen den Wind nicht beteiligt habe. Aber es war so wirklich Grenze für mich. Ohne die beiden, besonders Martin, wäre ich sicher erst in der Nacht nach Hause gekommen.

    Fazit: Es war ein Erlebnis und drei Tage später ist da ja auch schon wieder etwas Folklore. Ich habe aber wirklich viel gebrochen. Erst der Regen, dann die Berge, die mich wirklich an die Grenze meiner Leistungs- und Genussfähigkeit brachten (ich erinnere mich, wie ich bei km 300 irgendwo auf einer Kuppe eine Banane aß, in die Ferne schaute (die nächsten Kuppen waren bedrohlich nah) und feststellte, dass ich für die km 204 bis 300 mehr als sieben Stunden benötigte). Und nach den Bergen dann die Hatz, um dranzubleiben und die Guten nicht zu sehr zu bremsen. Aber durch den ausgefallenen Garmin war das nahezu alternativlos. Diesen Genuss, der mich oft genug beim Brevet überkommt, wenn ich (gern auch alleine) durch die Land- und Ortschaften radle, dieser war diesmal selten zu spüren. Aber irgendwie bin ich dann doch auch mächtig stolz und dankbar. I did it. Und irgendwie sage ich mal ganz ganz vorsichtig – gerne wieder (jetzt habe ich mir ja die Muckies antrainiert und Kraft und Kondi müssen irgendwo hin).

    Danke nochmal, Falk

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